Probleme zum Schulstart

Neue Corona-Regel an NRW-Schulen wird bereits nach zwei Tagen gebrochen

Der Schulstart in Nordrhein-Westfalen verläuft erneut holprig. Eine neue Corona-Regel erweist sich als nur bedingt praxistauglich.

Dortmund – Vor dem Start des neuen Schuljahres waren die Sorgen in Nordrhein-Westfalen* groß: Die Sieben-Tage-Inzidenz lag deutlich höher als zur gleichen Zeit im Vorjahr, die Impfungen bei Kindern und Jugendlichen waren noch kaum fortgeschritten. Trotzdem wollte die Landesregierung so viel Präsenzunterricht wie möglich stattfinden lassen, berichtet RUHR24*.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Schule in NRW: Neue Quarantäne-Regel für Schüler gerät kurz nach dem Schulstart im Fokus

Entsprechend wurde bereits im Juni kommuniziert, dass alle Schüler in NRW nach den Sommerferien in die Klassenräume zurückkehren sollen. Außerdem wurde die Quarantäne-Regelung für Schüler überarbeitet*. Eine Entscheidung, die schon zu Beginn des neuen Schuljahres für Aufsehen sorgte.

In einem Erlass des Gesundheitsministeriums heißt es dazu, dass bei einem „Quellfall in der Klasse“ nur noch direkte Sitznachbarn (davor, dahinter, rechts und links) sowie Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, das in direktem Kontakt stand, als enge Kontaktpersonen gelten sollten. Zu berücksichtigen sei bei der Festlegung enger Kontaktpersonen zudem, ob eine Maske getragen, regelmäßig gelüftet und die Abstandsregelungen nicht länger als 15 Minuten unterbrochen wurden.

Corona in NRW: Neue Quarantäne-Regel für Schüler stößt in der Praxis schnell an ihre Grenzen

An der Entscheidung der nordrhein-westfälischen Regierung wurde rasch Kritik laut. Die Lehrergewerkschaft GEW bezeichnete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ob der neuen Quarantäne-Regelung als „realitätsfremd“*. Die Abhängigkeit von der Sitzordnung sei Unsinn, Kinder seien agil. Knapp über eine Woche nach dem Schulstart in NRW scheint sich diese Einschätzung zumindest teilweise zu bewahrheiten.

In Bonn, Köln und Solingen setzten sich die Gesundheitsämter bereits über den Landeserlass hinweg. Hier wurden nach den Sommerferien bereits wieder ganze Klassen in Quarantäne geschickt. Die Fälle aus den drei Städten zeigen, dass sich die neue Quarantäne-Regelung für Schüler nur bedingt in der Praxis umsetzen lässt (mehr Corona-News aus NRW* bei RUHR24).

An den Schulen in NRW sollen nur direkte Sitznachbarn in Quarantäne. Doch das funktioniert nicht immer.

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, wurden in Köln 38 Zweitklässler einer Grundschule bereits am zweiten Schultag in Quarantäne geschickt. Der Grund: Sie hatten in einem relativ kleinen Raum gemeinsam gegessen. Doch nicht nur beim gemeinsamen Essen droht die neue Quarantäne-Regel an ihre Grenzen zu stoßen.

Köln, Bonn, Solingen: Mehrere Schulen in NRW schicken ganze Gruppen und Klassen in Quarantäne

„Wenn es im Sportunterricht, in der OGS oder in der Pause enge Kontakte gab, zum Beispiel, wenn Kinder zusammen ohne Masken in einer Vogelnestschaukel gesessen haben, wird im Einzelfall geprüft, welche Kinder in Quarantäne müssen“, äußerte sich ein Sprecher der Stadt Köln gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Umgang der Gesundheitsämter mit dem Erlass der Landesregierung.

In Bonn handle es sich bei den Abweichungen von der neuen Quarantäne-Regelung um Einzelfälle, in denen die Hygieneregeln nicht durchgängig eingehalten worden seien, sagte ein Stadtsprecher der dpa. In Solingen war derweil die Einschulungsfeier der Grund für die Quarantäne größerer Gruppen.

Wie der WDR berichtet, müssen die Schüler der Klassen 5a und 5b der Solinger Alexander-Coppel-Gesamtschule nur wenige Tage nach der Einschulung für zwei Wochen in den Distanzunterricht. Sie hätten im Rahmen der Einschulungsfeier in der Turnhalle auf Matten nebeneinander gesessen und seien anschließend gemeinsam in die Klassenräume gegangen.

Nur Sitznachbarn sollen an NRW-Schulen in Quarantäne – doch die gibt es nicht immer

Es ließe sich deshalb jetzt nicht mehr nachvollziehen, welche der Schüler in engem Kontakt miteinander waren. In Solingen sorgt das nicht nur für Ärger bei den Eltern, die jetzt kurzfristig ihre Kinder zu Hause betreuen müssen. Auch der Unterricht stockt. Der Wechsel in den Distanzunterricht gestalte sich laut Schulleitung schwierig, weil für die Fünftklässler noch keine digitalen Zugänge angelegt seien, da diese gerade erst aus vielen anderen Schulen gekommen seien.

Zwar betonte ein Stadtsprecher gegenüber dpa, dass es sich dabei um eine Sondersituation handle. Allerdings ist es nicht die einzige Sondersituation in der „Klingenstadt“. Laut WDR wurde an einer Gemeinschaftsgrundschule in Solingen zudem eine ganze Offene Ganztagsgruppe in Quarantäne geschickt. Warum? Es gebe in der Ganztagsbetreuung keine Sitznachbarn, die Kinder laufen stattdessen durcheinander.

Zu Beginn der kommenden Woche will das Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen Zahlen veröffentlichen, wie viele Schüler seit dem Ende der Sommerferien in Quarantäne mussten. Doch schon jetzt zeigt sich: Die neue Quarantäne-Regelung trägt nur bedingt dazu bei, den gewünschten Präsenzunterricht in vollem Umfang zu ermöglichen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © David Young/dpa

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