Bayern geht neuen Weg

Corona-Explosion in NRW: Lockerung der Maskenpflicht an Schulen unverantwortlich?

Die Corona-Inzidenz in NRW ist erstmals wieder im dreistelligen Bereich. An den Schulen gilt trotzdem keine Maskenpflicht mehr. Ministerin Gebauer hält daran fest.

NRW – Die Debatte um die Corona-Maßnahmen an den Schulen in Nordrhein-Westfalen geht in eine nächste Runde. Schülerinnen und Schüler müssen im Unterricht keine Maske mehr tragen. Unter anderem die NRW-SPD sieht in den massiv steigenden Corona-Zahlen allerdings eine große Gefahr. Der Landtag kam am Freitag (5. November) kurzfristig zu einer „Aktuellen Stunde“ zusammen.

PolitikerinYvonne Gebauer
PositionNRW-Schulministerin
ParteiFDP

Corona-Zahlen in NRW erstmals wieder dreistellig – Schulen trotzdem ohne Maskenpflicht

Nach mehr als einem Jahr wurde am Dienstag (5. November) die Maskenpflicht auf den Sitzplätzen in den Klassenzimmern in ganz NRW abgeschafft. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte dazu, dass die Schülerinnen und Schüler „von Anfang an am meisten hätten verzichten müssen“. Die Kinder der zweiten Schulklassen würden „ein Leben außerhalb der Pandemie bisher nicht kennen.“

Das Ende der Maskenpflicht sollte ihnen nun endlich wieder etwas mehr Freiheit bringen. Aber war der Schritt vielleicht zu früh? Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Freitag einen neuen Höchststand bei den Corona-Neuinfektionen in Deutschland gemeldet. Die Inzidenz liegt demnach bei 169,9 – das ist höher als in der dritten Welle im Frühjahr dieses Jahres (weitere Corona-News aus NRW bei RUHR24 lesen).

Und auch in NRW sind die Fallzahlen rasant in die Höhe geschossen. Nach den Daten des RKI ist die Zahl der neuen Corona-Infektionen die bisher höchste seit Beginn der vierten Welle im bevölkerungsreichsten Bundesland. 5.554 Corona-Infizierte sind demnach neu dazugekommen, die Inzidenz ist erstmals wieder dreistellig und liegt bei einem Wert von 106,8 (Stand 5. November).

Ministerin Gebauer verteidigt Maskenfreiheit an NRW-Schulen – Kritik von SPD und Grüne

Unter anderem bei der SPD-Fraktion im NRW-Landtag gehen bei diesen Zahlen die Alarmglocken los. Die Sozialdemokraten und die Grünen hatten das Aufheben der Maskenpflicht in den Schulen angesichts steigender Neuinfektionszahlen als verantwortungslos kritisiert. Aus Kreisen der SPD wurde das Vorgehen an den Schulen als „verfrüht, riskant und gefährlich“ bezeichnet.

Weiter verwies die SPD unter anderem auf die Entscheidung des bayerischen Kabinetts, die Maskenpflicht an den Schulen ab Montag (8. November) vorübergehend wieder einzuführen. So solle unter anderem verhindert werden, dass die Kinder sich nach den Herbstferien zum Beispiel bei Reiserückkehrern mit dem Coronavirus infizieren.

Über 90 Prozent der Lehrkräfte in NRW sind geimpft – keine Corona-Gefahr an Schulen?

Für Yvonne Gebauer kommt eine solche vorübergehende Maßnahme jedoch offenbar nicht infrage. Am Freitag hat die Politikerin das umstrittene Aussetzen der Maskenpflicht im Unterricht als „richtige Entscheidung“ verteidigt. Laut Gebauer seien die Schulen weiterhin sichere Orte und das dortige Infektionsgeschehen stabil.

Weiter hielt die Schulministerin dagegen, dass die aktuelle Lage nicht mit dem Beginn der Pandemie zu vergleichen sei. Inzwischen seien über 90 Prozent der Lehrkräfte in NRW und die Hälfte der 12- bis 17-Jährigen gegen Corona geimpft.

Video: Ansteckung trotz Corona-Impfung

Keine Maskenpflicht mehr an NRW-Schulen – seien keine „Pandemietreiber“

Die FDP-Abgeordnete Franziska Müller-Rech unterstützte Gebauer in ihrem Vorgehen. „Kinder erkranken nicht schwer an Covid, Kinder gehören nicht zu den vulnerablen Gruppen, die Schulen sind nicht der Pandemietreiber“, so die Politikerin. Der SPD warf sie vor, sie wolle den Schülerinnen und Schülern nicht die Normalität im Unterricht gönnen, die nach mehr als eineinhalb Jahren Pandemie nun aber notwendig sei.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Mehr zum Thema