Grauzone in der Pandemie

Corona in NRW: Minister Laumann nennt Grauzone – so kann jeder viel Geld sparen

Seit dem 8. März darf sich in NRW jeder Bürger einmal pro Woche gratis auf Corona testen lassen. Doch das System hat einen Fehler, gibt auch Minister Laumann zu.

NRW - Corona-Schnelltests sollen ein Schlüssel aus dem Lockdown in Nordrhein-Westfalen (NRW) sein. Seit dem 8. März darf sich jeder Bürger in Nordrhein-Westfalen einmal die Woche ohne Anlass und Symptome auf Corona testen lassen – und zwar gratis. Die Kosten übernimmt der Bund, also der Steuerzahler. Doch genau hier könnte es jetzt Probleme geben, gab NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (11. März) zu.

NameKarl-Josef Laumann (63)
ParteiCDU
AmtMinister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Corona-Schnelltests in NRW: Minister Laumann gibt Grauzone zu

Denn wie kontrolliert wird, wer sich wie oft hat testen lassen, ist bislang nicht geregelt. Karl-Josef Laumann auf die Nachfrage eines Journalisten: „Da sage ich Ihnen die Wahrheit, es gibt keine Möglichkeit. Wie soll ich das machen?“

Erfasst werde an Teststellen nur, wie viele Schnelltests pro Tag durchgeführt wurden und wie viele davon positiv gewesen sind. Das Land NRW werde aber keinen „tagesgleichen Datenabtausch organisieren können“, was die Anzahl der Test pro Bürger und Woche betrifft. „Die Bürokratie ist nicht darstellbar“, so der Gesundheitsminister weiter.

Corona-Schnelltest gratis auch mehrfach in der Woche in NRW möglich

Konkret heißt das, dass man sich theoretisch öfter als einmal pro Woche gratis auf das Coronavirus testen lassen kann. Solange nicht zentral erfasst wird, wer wann an einer Teststelle war, könnten die Kosten für Schnelltests aufseiten der Steuerzahler massiv steigen. „Das fällt dann später vielleicht irgendwann bei der Abrechnung auf“, gibt der CDU-Politiker unumwunden zu.

Für Verbraucher heißt das: Die kostenpflichtigen Corona-Selbsttests aus Discountern und Drogerien könnte man sich mit diesem „Test-Schlupfloch“ im Grunde sparen.

Die Corona-Schnelltests dürfen nur von geschultem Personal durchgeführt und ausgewertet werden.

Zum Hintergrund: Seit Montag (8. März) können unter anderem Apotheken, private Testzentren und andere Leistungsanbieter, die schon bisher Corona-Schnelltests durchgeführt haben und bestimmte Mindestanforderungen erfüllen, Schnelltests anbieten und abrechnen.

Kosten für Corona-Schnelltests werden nach Bundestestverordnung erstattet

Die Kosten für die Testungen werden den Teststellen nach den Regelungen der Bundestestverordnung erstattet. Bürgerinnen und Bürger erhalten vor Ort einen Nachweis über das Testergebnis (entweder elektronisch oder in Papierform).

Doch dort, wo die Tests durchgeführt werden sollen, herrscht noch viel Unklarheit. Gegenüber RUHR24 heißt es etwa von einer Sprecherin der „Apotheke am Hauptbahnhof“ in Bochum, unter Apothekern herrsche derzeit noch viel Hilflosigkeit, was die Ausgestaltung der Testungen betreffe.

Corona-Schnelltests in NRW: Bürokratischer Aufwand enorm

Ohnehin sei der bürokratische Aufwand für die Tests enorm und die finanzielle Vergütung nicht ausreichend. Für die Durchführung eines sogenannten POC-Antigen-Tests erhalten Leistungserbringer wie Apotheken 12 Euro, für das Material sechs Euro.

Wie nachgehalten werden soll, wer sich wie oft testen lässt, sei bislang nicht vorgesehen, bestätigt auch die Sprecherin der Bochumer Apotheke - und verweist auf eine gesetzliche Grauzone. So sei in der Corona-Testverordnung die Rede davon, dass jeder Bürger Testangebote „im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche“ nutzen könne. In der Theorie kann man sich damit täglich gratis auf das Coronavirus testen lassen (hier mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24.de lesen).

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa, Hauke-Christian Dittrich/dpa; Collage: RUHR24

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