Neue Regeln

NRW-Polizei hat nach Fackel-Aufzug in Sachsen üble Corona-Befürchtung

In Sachsen hat sich der erste Corona-Frust bereits entladen. Auch in NRW bereitet sich die Polizei auf zunehmenden Widerstand vor.

Dortmund – Kontaktbeschränkungen, kein Zugang zu Kultur- und Freizeitveranstaltungen und Einkaufen nur noch für den täglichen Bedarf: Die neuen Corona-Regeln bedeuten nicht nur in NRW einen Quasi-Lockdown für Ungeimpfte. Die Sorge ist groß, dass sich Impfgegner ob der neuen Maßnahmen noch weiter radikalisieren.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Hendrik Wüst (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Corona-Widerstand führt zu Fackel-Aufzug in Sachsen – droht das auch in NRW?

Was das für Folgen haben kann, hat sich erst am Freitagabend (3. Dezember) in Grimma gezeigt. Dort sind laut der sächsischen Polizei rund 30 mutmaßlich rechtsgerichtete Gegner der Corona-Politik vor dem Haus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) mit Trillerpfeifen, Fackeln und Plakaten aufgezogen.

Videos im Internet zeigen, wie die Menschen vor dem Haus der SPD-Politikerin stehen und „Friede, Freiheit, keine Diktatur“ rufen. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 25 Identitäten auf, die Ermittlungen dauern an. Köpping bezeichnete den Fackel-Aufzug vor ihrer Haustür als „widerwärtig und unanständig“.

Vor dem Haus von Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sind mutmaßliche Querdenker mit Fackeln aufgezogen.

NRW-Polizei fürchtet „lauter und aggressiver“ werdende Gegner der Corona-Maßnahmen

Heftige Szenen spielten sich zuletzt auch bei Corona-Protesten in Belgien und den Niederlanden ab. Allein in Den Haag kam es in Folge von gewaltsamen Ausschreitungen zu etlichen Festnahmen. Gegner der verhängten Corona-Maßnahmen warfen dabei unter anderem Brandsätze und Steine.

In Nordrhein-Westfalen ist man von solchen Szenen bislang weitgehend verschont geblieben. Zwar nahm der Protest gegen die Corona-Regeln auch im bevölkerungsreichsten Bundesland zum Teil kriminelle Ausmaße an – etwa bei Brandanschlägen auf Testzentren in NRW. Größere gewaltsame Auseinandersetzungen oder gar Fackel-Aufzüge hat es bislang allerdings nicht gegeben.

Dass es dazu aber angesichts der immer dünner werdenden Luft für Ungeimpfte in Zukunft kommen könnte, kann niemand ausschließen. Die Polizei in NRW bereitet sich bereits auf eine stärkere Form des Widerstands vor. Das sagte Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der Rheinischen Post.

Trotz stärker Corona-Radikalisierung: IMK-Chef rät zum Festhalten an Impfpflicht

„Wir mussten erleben, dass diejenigen, die mit den Maßnahmen nicht einverstanden sind, immer lauter und aggressiver werden, deshalb müssen wir das jetzt auch befürchten.“ Eine solche Einschätzung teilt Mertens nicht exklusiv (mehr News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Thomas Strobl (CDU), Innenminister Baden-Württembergs und Vorsitzender der Innenminister-Konferenz (IMK), äußerte sich gegenüber den Funke-Zeitungen ähnlich besorgt. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sei davon auszugehen, dass eine Impfpflicht die aggressive Haltung der Querdenker-Bewegung noch verstärke.

Die Bewegung glaube, eine voranschreitende Diktatur zu erkennen, die Widerstand rechtfertige, so Strobl. Der CDU-Politiker riet dennoch dazu, an der geplanten Impfpflicht festzuhalten. „Auch wenn es eine zunehmende Radikalisierung geben sollte: Wir lassen uns von Extremisten, Verschwörungsideologen und Antisemiten nicht abhalten, das Richtige zu tun.“

Rubriklistenbild: © John Macdougall/AFP, Matthias Rietschel/DPA; Collage: RUHR24

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