Neue Coronaschutzverordnung

Neue Corona-Indikatoren: Drei Zahlen entscheiden jetzt über die Regeln in NRW

NRW hat seine Coronaschutzverordnung geändert. Seit Samstag (11. September) wird die Pandemie anhand dreier „Leitindikatoren“ bewertet. Ab Montag werden sie ausgewiesen.

Düsseldorf – Die Inzidenz ist seit Samstag (11. September) nicht mehr der alleinige über Corona-Maßnahmen entscheidende Wert in NRW. Das besagt eine Änderung in der neuen Coronaschutzverordnung des Landes, die am Freitag (10. September) veröffentlicht wurde. Demnach gibt es ab Samstag drei neue „Leitindikatoren“.

NRW-VerordnungCoronaschutzverordnung
Gültig ab11. September 2021
Endet vorest am8. Oktober 2021

NRW: Neue Corona-Regeln ab Samstag (11. September) in NRW – nicht nur Inzidenz entscheidet

Zur Bewertung des Infektionsgeschehens zieht NRW, analog zur Änderung im Infektionsschutzgesetz des Bundes (IfSG), diese drei Werte heran:

  • die 7-Tage-Inzidenz,
  • die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz (Fälle der Coronapatienten im Krankenhaus pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen)
  • die Auslastung der Intensivbetten.

Als Folge dieser Neuerung wurde die Inzidenz von 35 als Grenzwert für striktere Coronamaßnahmen aus der Coronaschutzverordnung gestrichen, teilt das Innenministerium von NRW am Freitag mit.

3G-Regel bleibt auch in neuer Coronaschutzverordnung von NRW bestehen

Ändern tut sich durch diese Anpassung der Regeln aber vorerst nichts. Die 3G-Regel, wie sie seit Anfang August in NRW gilt, bleibt auch unter Berücksichtigung der drei neuen „Leitindikatoren“ bestehen. Heißt: Bestimmte Angebote und Einrichtungen dürfen nur von Geimpften, Genesenen oder Getesteten besucht werden. Auch die Maskenpflicht bleibt wie gehabt bestehen.

Diese Regelung bleibt zunächst bis zum 8. Oktober gültig. Dann läuft die aktuelle Coronaschutzverordnung aus. Die Lage in NRW wird dann unter Berücksichtigung der drei oben genannten Werte neu bewertet - rechtzeitig zu den Herbstferien in NRW, die am 11. Oktober starten.

NRW hat keine pauschalen Corona-Grenzwerte mehr für neue Maßnahmen

Wie hoch muss einer der drei Werte denn sein, dass die Corona-Maßnahmen in NRW verschärft werden? Dazu macht das Gesundheitsministerium in Düsseldorf derzeit keine Angaben. Man verzichte bewusst auf die Festlegung von pauschalen Grenzwerten für die einzelnen neuen Indikatoren. Grund dafür sei die „aktuelle Stabilisierung der Werte aller relevanten Indikatoren in Nordrhein-Westfalen.“

Stattdessen wolle die NRW-Landesregierung das Zusammenwirken der drei verschiedenen Indikatoren etwa unter Berücksichtigung des Impfstatus, der Altersverteilung für Hospitalisierungswahrscheinlichkeiten oder die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Krankenhauseinweisung und später erforderlicher Intensivbehandlung „weiter genau beobachten.“

Corona in NRW: Wegfall der Inzidenz als alleiniger Faktor bedeutet weniger Transparenz für Bürger

Die neue Vorgehensweise heißt im Umkehrschluss für die Bürger: Wann und ob neue Corona-Maßnahmen kommen, ist nicht mehr so transparent, wie ehemals unter Berücksichtigung der Inzidenzwerte.

Das Land indes betont in Person von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), dass es schon immer mehrere Faktoren zur Bewertung der Pandemielage herangezogen habe. Laumann: „So sehr ich nun ein Freund einfacher und leicht verständlicher Regelungen bin: In der aktuellen Situation mit einer völlig unterschiedlichen Entwicklung bei Geimpften und nicht Geimpften oder auch in den verschiedenen Altersgruppen ist die Betrachtung vielfältiger Faktoren der richtige Weg.“

NRW will nicht mehr auf pauschale Grenzwerte in Sachen Corona zurückgreifen

Man wisse noch zu wenig darüber, wie sich das Impfgeschehen auf die Dynamik einer möglichen Herbstwelle auswirke, „als dass wir uns auf starre Werte festlegen können“, so Laumann weiter. „Auf pauschale Grenzwerte haben wir daher zum jetzigen Zeitpunkt verzichtet.“

Mittlerweile gibt es in NRW gefühlt an jeder Ecke eine Corona-Impfung.

Alle relevanten Indikatoren hätten sich in laut Laumann in NRW auf einem „nicht unkritischen Niveau“ stabilisiert. Die Inzidenz lag in NRW am Freitag (10. September) bei 106,9, allerdings mit absteigender Tendenz.

NRW: Zahl freier Intensivbetten sinkt in NRW seit Monaten leicht

Die Zahl freier Intensivbetten in NRW sinkt zwar seit Monaten, allerdings auf niedrigem Niveau. Am Freitag gab es laut DIVI-Intensivregister 4743 belegte Intensivbetten (2020: 4728), 625 freie (2020: 1733) und 2400 in der Notfallreserve (2020: 2402).

Laumann warnte zeitgleich für den kommenden Herbst und Winter vor einer „Pandemie der Ungeimpften“ und kündigte etwaige „Schutzmaßnahmen“ für nur diese Gruppe an. Welche das genau sind, sagte Laumann nicht.

Für geimpfte und genesene Personen hat Laumann dagegen positive Nachrichten: „Auf Basis aller bisherigen Daten, die uns vorliegen, sind neue Einschränkungen für geimpfte und genesene Personen absehbar nicht erforderlich und rechtlich auch nicht vertretbar.“

Rubriklistenbild: © Jonas Güttler/dpa

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