Stamp dünnhäutig

Christian Drosten attackiert NRW-Minister nach „rustikalem“ Corona-Tweet

NRW-Familienminister Joachim Stamp hat am Donnerstag mit einem Tweet zu Corona-Lage für Aufsehen gesorgt. Deutlich zurechtgewiesen wurde er vom Virologen Christian Drosten.

Düsseldorf – Die deutlich gestiegenen Corona-Infektionszahlen in NRW* erhöhen den Druck auf die schwarz-gelbe Landesregierung. Bei einer Sondersitzung im Landtag wurden am Mittwoch (18. November) zwar härtere Maßnahmen und parteipolitische Parolen verkündet. Dass es unter der Haube gehörig zu brodeln scheint, zeigt jetzt ein dünnhäutiger Tweet von Familienminister Joachim Stamp (FDP).

BundeslandNordrhein-Westfalen
KriseCorona-Pandemie
PolitikerJoachim Stamp (FDP)

NRW: Christian Drosten weist Minister Joachim Stamp (FDP) für missglückten Corona-Tweet zurecht

Stein des Anstoßes war ein Beitrag des WDR auf Twitter. Darin hatte der Intensivmediziner Christian Karagiannidis den Anstieg der Corona-Zahlen* auch auf die Debatte um einen Freedom-Day geschoben. Joachim Stamp, Vize-Ministerpräsident von NRW, hatte die Kritik gekontert. Auch er verstehe nicht, warum man zugelassen habe, dass auf Intensivstation so viele Plätze weggefallen seien.

Ein Nutzer kommentierte darunter ironisch: „Gerade FDP Politiker sind in der Pandemie durch ihre praktikablen Lösungen und ihre sehr guten Einschätzungen aufgefallen (Ironie off).“ Hintergrund: Stamp selbst hatte noch Ende Juli in der Zeit die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen für Oktober gefordert.

Corona in NRW: Joachim Stamp reagiert ungehalten auf Twitter – „einfach Klappe halten“

Angesichts der angespannten Corona-Lage in NRW gab sich der Minister nun eher dünnhäutig. Er kommentierte unter dem ironischen Twitter-Post: „Fakten on: Zahlen zu Infektion und Letalität in den drei FDP-mitregierten Ländern Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und NRW ansehen und dann einfach Klappe halten.“

Das kam nicht besonders gut an. Unter anderem Christian Drosten, der Leiter der Virologie an der Charité in Berlin, wies Joachim Stamp deutlich zurecht: Mit dieser Tonalität werde „eine Grenze überschritten“, nicht nur im Dialog mit Wissenschaft und Krankenversorgung, schrieb er.

Kurz darauf ruderte Joachim Stamp gewissermaßen zurück. Die „ernste Lage“ sollte nicht zu pauschalem Bashing einer demokratischen Partei genutzt werden, forderte er: „Darauf habe ich – zugegeben zu rustikal – reagiert.“ Tatsächlich liegt der Inzidenzwert in diesen Bundesländern auf einem vergleichsweise niedrigeren Niveau. Zu hoch sind die aber in allen Bundesländern. RKI-Chef Lothar Wieler warnt bereits vor 400 Corona-Toten am Tag*.

Corona in NRW: SPD kritisiert Ministerpräsident Hendrik Wüst für „parteipolitische Spielchen“

Im NRW-Landtag hatte sich die CDU bereits bei einer Corona-Sondersitzung am Mittwoch (17. November) eine vergleichsweise gute Lage in der Corona-Krise bescheinigt. In anderen Bundesländern wie Bayern seien die Zahlen deutlich höher, als in NRW. Die Opposition aus SPD und Grünen hatte das scharf kritisiert. SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty hatte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) „parteipolitische Spielchen“ vorgeworfen.

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Erst kürzlich hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit einem Statement die Ärzte vergrault*. Er hatte gesagt, sie sollten samstags lieber impfen, statt Golf spielen zu gehen. Später entschuldigte er sich für den Ausrutscher. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marius Becker, Miachel Kappeler/DPA; Collage: RUHR24

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