Kommentar

Hendrik Wüst: Seine Denkweise entlarvt die miese Corona-Politik in NRW

Mit einem Statement zum Karneval in NRW lässt Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) aufhorchen. Seine Denkweise entlarvt jedoch die halbgare Corona-Politik, findet RUHR24-Redakteur Florian Forth.

Dortmund – Die Corona-Inzidenz in Deutschland liegt mit einem Wert jenseits der 300 auf Rekordniveau. In NRW ist der Wert mit 167 so hoch, wie seit Ende April nicht mehr. Dass es nun an der Politik wäre, endlich zu handeln, scheint bei einigen Vertretern der Branche noch immer nicht angekommen zu sein.

PolitikerHendrik Wüst (CDU)
KriseCorona-Pandemie
BundeslandNordrhein-Westfalen

NRW: Corona-Statement von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zu Karneval lässt aufhorchen

Jetzt lässt Hendrik Wüst, Nachfolger von Armin Laschet als NRW-Ministerpräsident, mit einer Äußerung zum Karnevalsauftakt am 11. November aufhorchen. Die umstrittenen Feiern mit 2G stattfinden zu lassen, sei richtig gewesen, sagte Wüst dem Kölner Stadt-Anzeiger. Er argumentiert unter anderem damit, dass die Corona-Impfquote in NRW „überdurchschnittlich hoch“ sei.

Tausende Menschen hatten unter anderem in Köln ausgelassen den Start in die Karnevalssaison gefeiert – und für viel Kritik gesorgt. Hendrik Wüst sagte dazu jetzt: Man müsse auch im Blick haben, ob staatliche Verbote auf Akzeptanz in der Bevölkerung stießen, erklärte Wüst weiter. Keine Frage, die Gurtpflicht im Auto kam damals auch nicht gut an, rettet aber bis heute Menschenleben.

Dann das überraschende Statement: „Niemand weiß, wie die Pandemielage im nächsten Frühjahr aussieht. Ich würde mir wünschen, dass der Karneval stattfinden kann. Aber damit das gelingt, müssen wir die Dynamik bei den Infektionszahlen unbedingt stoppen.“ Doch hier muss Wüst sich entscheiden: Die Menschen feiern lassen, oder Infektionsdynamik stoppen. Beides kann er nach derzeitigem Stand der Dinge nicht haben.

Corona in NRW: Inzidenz zu hoch, viele Menschen auf Intensivstationen, Impfschutz lässt nach

Zur Einordnung: In der vergangenen Woche landeten in NRW jeden Tag im Durchschnitt 8 Erwachsene auf einer Intensivstation. Fast 500 Patienten werden dort aktuell behandelt (Stand: 14. November), rund die Hälfte des einstigen Höchstwertes. Und keineswegs ist die Impfquote in NRW so hoch, dass es bereits eine Herdenimmunität gäbe, die weitere Schwerkranke oder Tote verhindert.

Im Gegenteil: Die Wirkung der Impfungen lässt bei vielen Menschen bereits deutlich nach, Booster wären dringend nötig, warnen Mediziner. Doch auch hier hapert es. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck geht daher von erneuten Kontaktbeschränkungen im Winter aus, denn auch Geimpfte können sich und andere infizieren.

Dass Politiker wie Hendrik Wüst in der vierten Welle die Gefahr der Corona-Pandemie weiterhin unterschätzen, ist unerträglich. Die Wissenschaft hat längst Impfstoffe, Erkenntnisse und etliche Warnungen geliefert. Jetzt ist es an der Politik, sich endlich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und zum Wohle der Bürger zu handeln. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion wiedergeben.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/DPA (2); Collage: RUHR24

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