Schallmauer erreicht

NRW knackt Corona-Inzidenz von 100 – was passiert jetzt mit den Regeln?

Die Corona-Inzidenz in NRW ist nach dem Wochenende über 100 gestiegen. Was passiert jetzt mit den Regeln im Westen?

Düsseldorf – Nordrhein-Westfalen hat nach dem Wochenende die nächste Corona-Schallmauer erreicht. Das Bundesland weist am Dienstag (24. August) eine Inzidenz von 108,4 auf. Leverkusen hat sogar einen Wert von über 200. RUHR24* verrät, wie sich die Entwicklung der Zahlen jetzt auf die Regeln in NRW* auswirkt.

Inzidenz in NRW103,3 (Stand 23. August)
Aktuell mit Corona infizierte Personen29.600
Bislang genesene Personen817.000

Corona in NRW: Inzidenz steigt über 100 – doch nur noch 35 ist Maßstab

Grundsätzlich gilt erstmal nur noch ein Inzidenz-Wert in NRW als Maßstab für die Verschärfung von Regeln: die 35*. Übersteigt die Inzidenz im Land und/oder in den Städten und Kreisen diese Marke, gilt fast überall die „3G“-Regel. Heißt: Für den Einlass in Restaurants, Bars oder Kinos muss man nachweisen, dass man geimpft, genesen oder getestet ist.

So sah die Inzidenz am Montag (23. August) in den zehn am stärksten betroffenen NRW-Städten aus:

Leverkusen205,8
Solingen170,2
Bielefeld161,9
Mönchengladbach156,7
Krefeld142,9
Dortmund142,3
Hagen135,7
Bochum134,0
Düsseldorf133,6
Köln133,5

Dass die Inzidenz in NRW jetzt erneut einen ehemals kritischen Wert übersteigt, hat also erstmal keine Konsequenzen auf unser Leben. Zumal die Bedeutung dieser Zahl nicht mehr dieselbe ist, wie in Zeiten, als fast niemand geimpft war und ab Inzidenz von 100 der Lockdown einsetzte. Immer weniger Alte und Schwache infizieren sich derzeit mit dem Coronavirus und landen entsprechend auch seltener im Krankenhaus.

In NRW sind die 0- bis 19-Jährigen am häufigsten mit Corona infiziert

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Altersgruppen der Neuinfizierten. Die Gruppe der 0- bis 19-Jährigen hat in NRW aktuell die höchste Inzidenz – sie lag am Montag bei 220,6. Diese Gruppe ist jene mit der niedrigsten Impfquote und gleichzeitig die mit der wohl höchste Testquote. An den Schulen in NRW wird zweimal pro Woche getestet.

Die zweithöchste Inzidenz in NRW hat die Gruppe der 20- bis 39-Jährigen (137). Es folgen die 40- bis 59-Jährigen (80,1), die 60- bis 79-Jährigen (18,2) und schließlich die über 80-Jährigen (16,0).

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf die Patienten auf den Intensivstationen, dass die Gruppe mit der höchsten Inzidenz am seltensten schwer erkrankt. Am Montag waren bundesweit nur 1,5 Prozent der aktuell 604 Intensivpatienten auf deutschen Intensivstationen laut DIVI-Intensivregister zwischen 0 und 17 Jahre alt. Die größte Gruppe der schwer Erkrankten ist jene der 60- bis 69-Jährigen (25 Prozent) sowie der 50- bis 59-Jährigen (22,7 Prozent).

NRW: Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hält sich noch in Grenzen

Die Zahl der Intensivpatienten auf den NRW-Intensivstationen hält sich derzeit in Grenzen. Sie lag am Sonntag bei 228 – Tendenz steigend. Zum Vergleich: Zu Hochzeiten gab es in NRW knapp über 1000 Intensivfälle, etwa im Januar und im Mai 2021. Derzeit, so NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) jüngst, sind 87 Prozent aller Corona-Patienten in Krankenhäusern ungeimpft*.

Wer geimpft ist und trotzdem schwer erkrankt, hat in der Regel eine schwere Vorerkrankung. Das zeigt: Die Impfungen wirken trotz Delta-Variante sehr gut gegen eine Infektion.

So kommt es also, dass trotz steigender Inzidenz – für die meist jüngere, ungeimpfte Menschen verantwortlich sind – bei Armin Laschet und Co. vorerst nicht die Alarmglocken schrillen, nur weil der Wert über 100 liegt. Zumal in Innenräumen vorerst weiterhin die Maskenpflicht gilt – unabhängig von der Inzidenz. Zudem appelliert die NRW-Landesregierung an die Einhaltung der Hygieneregeln.

Schließungen soll es in NRW aufgrund der Inzidenz nicht mehr geben – maximal weitere Restriktionen für Ungeimpfte. Zudem beschließen schon jetzt erste Bars und Clubs auf eigene Faust, Ungeimpften keinen Einlass mehr zu gewähren*.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will noch so lange an der Maskenpflicht festhalten, bis die Corona-Impfquote deutlich gestiegen ist.

Alle vier Wochen will die NRW-Landesregierung die aktuellen Regeln prüfen und anhand verschiedener Faktoren neu bewerten. Sollten bis zum Auslaufen der aktuellen Coronaschutzverordnung am 17. September Todeszahlen und/oder Krankenhausaufnahmen massiv steigen, erscheint eine Verschärfung der Maßnahmen daher denkbar.

Ein Mittel, um das zu verhindern, ist das Impfen. In NRW sind aktuell 61,4 Prozent aller Menschen vollständig geimpft. Noch circa drei Millionen über 16-Jährige haben allerdings noch keine Impfung. Doch nur wenn auch diese Gruppe sich impfen lässt, verspricht die NRW-Landesregierung die Rückkehr zu noch mehr Normalität. „Bis dahin sind die Maskenpflicht in Innenräumen und mehr Coronatests für Nicht-Geimpfte erforderlich“, heißt es aus Düsseldorf. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Landeszentrum Gesundheits NRW, Michael Kappeler/dpa; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema