Lockerungen nach Ostern

Corona-Krise in NRW: Laschet will „Tübinger Modell“ testen – erste Details

Trotz hoher Inzidenzwerte will Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in NRW nach Ostern das „Tübinger Modell“ testen. Welche Regionen mit Lockerungen rechnen können.

NRW – Derzeit ist in der Corona-Krise in NRW an Lockerungen kaum zu denken. Der Inzidenzwert liegt bei über 100, Tendenz steigend. Bei der Bund-Länder-Konferenz wurde ein neuer Lockdown über Ostern beschlossen. Danach soll es jedoch Hoffnung auf Lockerungen geben, berichtet RUHR24.de*. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will nun ebenfalls das „Tübinger Modell“ in NRW* testen.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner17,9 Millionen (2019)
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Corona in NRW: Armin Laschet will „Tübinger Modell“ testen – Lockdown trotzdem „richtig“

Den Lockdown in der Corona-Pandemie* zu verlängern sei „richtig“, sagte Armin Laschet am Mittwochmorgen (24. März) bei einer teils hitzigen Unterrichtung des Landtags. Er kritisierte in seiner mitunter kämpferischen Rede jedoch die Taktik aus Öffnung und Schließung: „Wir brauchen andere Methoden“, sagte er, gab aber auch zu, dass Dinge falsch gelaufen seien.

Zu den „anderen Methoden“ gehört aus seiner Sicht auch das Modellprojekt aus Tübingen. „Wir brauchen Tübingen überall“, forderte Laschet. Zwar sei das nicht eins zu eins auf ganz Deutschland übertragbar, aber mit entsprechendem Testergebnis sollte man ein Kino oder eine Sportveranstaltung besuchen können. „Warum sollten wir das nicht mal probieren?“, fragte er (alle News zu Corona in NRW* auf RUHR24.de).

Corona in NRW: Armin Laschet (CDU) will mit „Tübinger Modell“ Hoffnung auf Lockerungen machen

Dahinter steckt folgende Idee: Wer sich morgens negativ auf das Coronavirus testen lässt, genießt den ganzen Tag über diverse Freiheiten. Das kann ein Besuch im Kino, ein Konzert oder ein Shopping-Ausflug sein.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach der hitzigen Unterrichtung des Landtags am Mittwoch.

Das Modell „Öffnen mit Sicherheit“ stammt aus der Stadt Tübingen (90.000 Einwohner) in Baden-Württemberg und wird daher auch „Tübinger Modell“ genannt. Dort soll es zeigen, inwiefern Schnelltests die Öffnung des gesellschaftlichen Lebens unterstützen können.

„Tübinger Modell“ in NRW: Das steckt hinter den Corona-Lockerungen und Tests

So funktioniert das Projekt „Öffnen mit Sicherheit“ in Tübingen:

  • Menschen aus dem Landkreis ab 14 Jahren können sich in extra eingerichteten Testzentren in der Stadt auf das Coronavirus testen lassen und bekommen bei negativem Befund einen QR-Code.
  • Das mittlerweile digitale Tagesticket ermöglicht den Eintritt in Geschäfte und Kinos.
  • Der Einzelhandel soll genauso wie Friseure und körpernahe Dienstleistungen geöffnet werden.
  • Außengastronomie sowie Kulturbetriebe und Kinos haben unter Hygieneauflagen geöffnet.
  • Für Hotels, Bildungseinrichtungen oder Sportveranstaltungen gilt das nicht.

Corona-Pandemie in NRW: Welche Städte und Kreise für „Tübinger Modell“ infrage kommen

Möglich werden soll das in NRW laut Armin Laschet, weil es bei den Schnelltests in den Kommunen zuletzt deutliche Fortschritte gegeben habe. 3000 Teststellen gebe es in den Kommunen, 1,8 Millionen Tests seien bereits an Schulen ausgeliefert worden. Richtig ist jedoch auch, dass einige Schulen noch immer auf die Corona-Tests warten, während der Unterricht bereits seit Tagen läuft. Und, dass die Polizei in NRW teilweise den Lieferdienst der bestellten Tests übernommen hat.

Dennoch sieht Armin Laschet eine Chance für Lockerungen in NRW. Er stellt sich ein Konzept mit lückenlos negativen Tests und zusätzlichen digitale Lösungen vor, zu denen etwa die Luca-App des Musikers Smudo* gehören dürfte.

Getestet werden soll das „Tübinger Modell“ in NRW demnach „in fünf bis sechs Modellregionen“ kündigte Laschet am Mittwoch an. "Die werden im Rheinland und in Westfalen sein. In Kreisen, mittlere und kleinen Städten." Genauere Angaben machte der Landeschef noch nicht. Auch das Münsterland dürfte mit seinen zuletzt vorbildlichen Inzidenzwerten in die engere Auswahl kommen.

Corona NRW: Oberhausen an Öffnungen mit „Tübinger Modell“ interessiert

Interesse scheint vorhanden zu sein, auch im Ruhrgebiet. Christoph Tesche (58, CDU), Bürgermeister von Recklinghausen, unterstützt den Antrag des gleichnamigen Kreises, Modellkommune zu werden. „Wir brauchen neue Lösungsansätze in der Pandemie. Deshalb freut mich die Bewerbung des Kreises in Abstimmung mit den anderen Städten heute umso mehr“, sagt er am Mittwoch.

Christoph Tesche (58, CDU), Bürgermeister von Recklinghausen.

Recklinghausen ist mit rund 120.000 Einwohner die bevölkerungsreichste Stadt im Kreis Recklinghausen (614.000 Einwohner). Und gut für Wirtschaft und Gastronomie und eine Perspektive wäre eine vorsichtige Öffnung auch. Mit Betonung auf vorsichtig: „Wir müssen trotzdem aufpassen, keine Menschenleben zu gefährden, die Gesundheit geht immer vor“, sagt Tesche.

Coronavirus in NRW: Rund 30 Kommunen liegen über Inzidenzwert von 100

Unklar bleibt, welche Regionen sich dafür in absehbarer Zeit überhaupt eignen. Denn derzeit liegen mehr als 20 Kommunen in NRW zum Teil deutlich über dem neuen Grenzwert von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in der Woche. Erste haben längst die 200 geknackt, andere werden diese Latte spätestens nach Ostern reißen, befürchtet auch der Ministerpräsident.

Um seiner neuesten Ankündigung dennoch Taten folgen zu lassen, verkündete Laschet zudem, über Ostern „rund um die Uhr“ impfen zu lassen. Dann könne man nach Ostern trotzdem stellenweise öffnen. Fraglich bleibt jedoch, wie lange nach Ostern das sein wird. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg, Federico Gambarini/dpa

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