Kinder in der Corona-Pandemie

NRW-Mediziner warnen vor Desaster für Kinder und Jugendliche: Triage in Psychiatrie

In vielen Schulen in NRW findet weiter Wechselunterricht statt. Mancherorts bleibt es sogar beim Distanzunterricht. Für viele Jugendliche und Kinder ein Desaster.

NRW - Das aktuelle Schuljahr neigt sich für die Schüler in NRW bereits dem Ende zu. Die meisten von ihnen haben ihre Klassenräume und ihre Schulfreunde allerdings in diesem Jahr nur selten zu Gesicht bekommen. Viele Kinder- und Jugendärzte sehen darin ein Problem. Sie kritisieren, dass vor allem Kinder und Jugendliche in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt wurden. Die Folge: Psychische Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen in einem nie gesehenen Ausmaß.

LandNRW
Wochen-Inzidenz 86,4 (Stand 18. Mai)
Wechselunterrichtab einer stabilen Inzidenz unter 165

Lockerungen in NRW - allerdings keine Änderungen für Schulen und Kitas

Wo es die Inzidenz zulässt, öffnen in NRW die ersten Außengastronomien. In Biergärten und auf Café-Terassen könnte in den nächsten Tagen das Leben zaghaft zurückkehren. Doch trotz sinkender Corona-Neuinfektionen tut sich in den Schulen bislang wenig. Dabei sehnen sich Kinder und Jugendliche offenbar sehr nach Normalität (mehr zur Corona-Pandemie im News-Ticker).

In den meisten Schulen in NRW bleibt es beim Wechselunterricht. Heißt: Immer nur ein Teil der Klasse wird vor Ort unterrichtet. Die andere Hälfte der Klasse fristet weiter ihr Dasein beim Homeschooling und im Distanzunterricht. Einige Städte wie Dortmund konnten erst diese Woche (17. Mai) die Schulen wieder teilweise öffnen.

Dass das für Kinder und Jugendliche dauerhaft allerdings nicht gut ist, ist kein Geheimnis. Und so forderte unlängst auch die SPD laut eines Beitrags des WDR, dass alle Kommunen, in denen die Inzidenz stabil unter 100 liegt, wieder zum Präsenzunterricht für alle zurückzukehren sollen (mehr News zum Coronavirus in NRW).

Corona in NRW: Pauschale Einschränkungen für Schulen und Kitas nicht mehr hinnehmbar

Eine Forderung, die Unterstützung von vielen Kinder- und Jugendärzten finden dürfte. Gegenüber n-tv erinnerte Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) daran, dass es nun dringend notwendig sei, Kindern im Grundschulalter und auch in den mittleren Jahrgängen wieder ein normales soziales Leben zu ermöglichen - „damit sie sich normal entwickeln können.“

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisiert laut dem Nachrichtensender die Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie scharf. Die pauschalen Einschränkungen im Schul- und Kitabetrieb seien nicht mehr hinnehmbar. Denn es sei inzwischen klar, dass Kinder eine Corona-Infektion deutlich seltener weitertragen und selbst auch seltener erkrankten als Erwachsene.

Ein Jahr Wechsel- und Distanzunterricht in NRW: Viele Schüler verpacken das psychisch nicht gut.

Gleichzeitig stiegen aber die psychischen Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen so sehr, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrien komplett voll seien. Inzwischen finde in den Psychiatrien nach Aussage des BVKJ-Sprechers Jakob Maske gegenüber der Rheinischen Post eine Triage statt: Wer nicht akut suizidgefährdet sei und nur eine „normale“ Depression habe, würde nicht mehr aufgenommen.

NRW: Ein Jahr Lockdown fordert Tribut - psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen

Bereits Anfang des Jahres sprachen Experten laut der aerztezeitung von einer besorgniserregenden Entwicklung unter jungen Menschen: Für viele war und ist das Leben unter Pandemie-Bedingungen emotional sehr belastend. Lernrückstände sind dabei oft nur das eine Problem. Viel mehr ist es der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen in Kindergarten, Schule und oder in der Freizeit. Dass fast alle Aktivitäten, auch Bewegungsmöglichkeiten, eingeschränkt sind, verschlimmert die Situation meist noch.

Nach einem Jahr unter Lockdown-Bedingungen äußert sich das bei Kindern und Jugendlichen offenbar vermehrt durch psychische Probleme. Besonders bei jenen, bei denen Spannungen im familiären Umfeld dazu kommen oder nahe Verwandte an Corona erkrankt sind. Versagensängste oder Depressionen, Aggressionen oder Angstzustände - nicht jedes Kind oder jeder Teenager leidet darunter. Doch offenbar werden es immer mehr. Für Dötsch ist es daher laut n-tv nun dringend an der Zeit, das „Ruder herumzureißen“ und Schulen und Kitas - unter den geltenden Leitlinien - zu öffnen.

Rubriklistenbild: © Annette Riedl/dpa

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