Hohe Infektionsrate bei Jüngeren

Corona-Experte warnt NRW: „Durchseuchung der Kinder hat begonnen“

Die Inzidenz in NRW steigt aktuell vor allem bei Kindern und Jugendlichen weiter an. Virologen sprechen von einer Durchseuchung und warnen.

NRW – Sorge bereitet aktuell die Altersgruppe der fünf bis 14-Jährigen. Also im Großen und Ganzen Kinder jener Altersgruppe, die zwar regelmäßig in Schule und Kita aufeinandertreffen, dort zusammen spielen und lernen, aber noch nicht geimpft sind. Wie RUHR24* berichtet, liegt die Inzidenz in NRW unter Kindern in diesem Alter bei weit über 300. Mediziner sprechen von einer „dramatischen Nachricht“.

VirusCoronavirus/Sars-Cov-2
Impfquote NRW60,4 (29. August)
Inzidenz NRW124,9

Corona in NRW: Durchseuchung? Hohe Inzidenz vor allem unter Kindern und Jugendlichen

„Die Durchseuchung der Kinder mit dem Coronavirus hat begonnen“, erklärt Immunologe Prof. Reinhold Förster gegenüber dem WDR und deutet auf die hohen Inzidenzen unter den Jüngeren hin*. Tatsächlich teilt das Landeszentrum Gesundheit in NRW Ende August eine 7-Tage-Inzidenz von 328,4 bei den Fünf- bis Neunjährigen, bzw. 384,8 bei den Zehn- bis 14-Jährigen mit. Epidemiologisch könnten wir uns eine solche Durchseuchung allerdings nicht leisten, so Förster.

Unter anderem auch, weil die vierte Welle, die nun vor allem in der jüngeren Bevölkerung an Fahrt gewinnt, sich laut RKI zunehmend wieder in die höheren Altersgruppen ausbreitet. Denn auch dort ist bei weitem nicht jeder gegen das Coronavirus* geimpft.

NRW: Corona nimmt wieder Fahrt auf - und trifft vor allem Ungeimpfte

Doch eben jene Ungeimpften, darunter die unter 12-Jährigen, die sich aktuell noch nicht gegen Corona impfen lassen können, scheinen sich nun mit dem Virus infizieren: „Zum Pandemieende trifft es die Ungeimpften“, twittert so auch der Epidemiologe Klaus Stöhr vor wenigen Tagen.

Für Karl Lauterbach (SPD) ist diese Entwicklung Grund genug, erneut eindrücklich zu warnen. Die Inzidenz in NRW* unter Kindern sei inzwischen so hoch, dass auch seltene Komplikationen „zu oft vorkommen“, so der Experte via Twitter. Ihn überrasche, dass bei der Dimension der Durchseuchung Kinderärzte schweigen würden.

Eine zugelassene Corona-Schutzimpfung gibt es für Kinder unter 12 Jahren noch nicht.

Vor einer solchen Entwicklung hatte der Politiker im ZDF bereits im Januar gewarnt. Kinder würden im Herbst richtige Probleme bekommen, erklärte Lauterbach damals. Sie seien dann ungeschützt. Doch auch für Kinder sei eine Corona-Erkrankung keine Kleinigkeit.

Corona in NRW: Durchseuchung bei Kindern begonnen - doch über Long-Covid ist wenig bekannt

Damit Bezog sich der Politiker auf Gefahren des Long-Covid, aber auch auf Probleme, die sich daraus ergäben, weil ganze Klassen immer wieder in Quarantäne müssten. Gegenüber dem Spiegel sprach er aktuell gar von einem „zynischen Experiment, die Jüngsten einer Krankheit auszusetzen, vor der viele Erwachsene Angst haben “.

Auch Reinhld Förster gibt laut WDR zu bedenken, dass über Long-Covid bei Kindern noch sehr wenig bekannt sei. „Es ist nach wie vor Vorsicht geboten“, betont der Immunologe. Zudem könnten Kinder das Virus weiter verbreiten, auch dann, wenn sie nicht selbst erkrankten.

NRW: Quarantäne für Schüler nach positivem Testergebnis in der Klasse

Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, wurden bislang ganze Schulklassen in Quarantäne geschickt, sobald unter den Mitschülern nur einer positiv auf Corona getestet wurde – ein ständiges vor und zurück für die Schüler. Dabei ist oberste Prämisse in NRW, dass alle Schüler so weit wie möglich im Präsenzunterricht lernen dürfen – auch wenn einige Schüler sich bei derartig hohen Inzidenzen inzwischen gegen einen die Anwesenheitspflicht in den Schulen* wehren.

Und so steht nun auch die Quarantänestrategie an Schulen auf dem Prüfstand. Laut NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sollen die „vielen Quarantänemaßnahmen, die jetzt durch die Gesundheitsämter vollzogen werden, ein Ende finden“. Es könne nicht sein, dass sich Reiserückkehrer nach fünf Tagen freitesten könnten, während Schüler nach wie vor volle 14 Tage in Quarantäne geschickt würden. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

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