Stagnation im Lockdown

Corona: Warum der Inzidenzwert in NRW aktuell nicht weiter sinkt

Seit einigen Tagen hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW auf einem ähnlichen Niveau eingependelt. Was bedeutet die Stagnation mit Blick auf die Wirksamkeit der aktuellen Corona-Maßnahmen?

NRW – Das Ziel schien schon zum Greifen nah. Für 14 Kreise und kreisfreie Städte wies das Landesgesundheitszentrum Nordrhein-Westfalen am Freitag (19. Februar) bereits einen Inzidenzwert von weniger als 50 aus. Doch der landesweite Schnitt scheint sich in NRW auf einem Niveau knapp unter 60 und damit über jener Schwelle einzupendeln.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
Regierende ParteienCDU und FDP
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)

Coronavirus in NRW: Stagnation der Sieben-Tage-Inzidenz überrascht Alexander Kekulé nicht

Denn während die Kreise Aachen (Städteregion), Coesfeld, Mönchengladbach und Münster sogar schon unter dem einst ersten kritischen Grenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegen, ist das Infektionsgeschehen andernorts stärker. In Hagen liegt der Inzidenzwert bei 109,2, in Solingen bei 108,0. Auf dem dritten Platz folgt der Märkische Kreis mit einem Wert von 86,5.

Seit knapp einer Woche hat sich die durchschnittliche Sieben-Tage-Inzidenz im bevölkerungsreichsten Bundesland kaum verändert. Am Freitag lag sie bei 58,0. Obwohl der Lockdown verlängert wurde, herrscht bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie (alle Entwicklungen im Ticker) Stagnation. Wie kann das sein?

Den Virologen Alexander Kekulé (62) von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg überrascht diese Entwicklung nicht, wie er in seinem MDR-Podcast erklärt. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und im November sei man bei den Corona-Fallzahlen irgendwann auf einem Plateau hängen geblieben (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Virologe Alexander Kekulé sicher: Corona-Fallzahlen in NRW werden eher ansteigen statt sinken

Bei jedem Lockdown sei es so, dass bestimmte Maßnahmen ergriffen werden. Diese würden zwar sofort wirken, allerdings sei die Wirkung erst etwa zwei Wochen später anhand der Zahlen sichtbar. Wenn der Inzidenzwert nach zwei oder drei Wochen nicht ausreichend gesunken sei, müssten eigentlich weitere, noch effektivere Maßnahmen ergriffen werden. Genau an diesem Punkt befinde sich Deutschland laut Alexander Kekulé im Moment.

„Wir sind mit der momentanen 50er-Inzidenz in dem Bereich, den wir mit den aktuellen Maßnahmen aktiv erreichen können. Wenn wir jetzt einfach so weitermachen, kann es von hier aus eigentlich nur schlechter werden“, so der 62-Jährige.

Erst 50, dann 35: Deutschland hat den angestrebten Inzidenzwert von 35 noch nicht erreicht.

Kekulé ist sich sicher, dass eine Fortführung des Lockdowns nach dem aktuellen Schema zu einer sinkenden Akzeptanz der Corona-Regeln in der Bevölkerung führen werde. Weniger Menschen würden mitmachen. „Die Inzidenz wird daher auf diesem Wert bleiben oder eher ansteigen.“

Corona-Zahlen in NRW? Mutation für Stagnation verantwortlich – Meinungen gehen auseinander

Dass die sich ausbreitenden Corona-Mutationen einen großen Einfluss auf die Seitwärtsbewegung bei den Corona-Fallzahlen in Deutschland und NRW haben, glaubt der Virologe indes nicht. Bei der Einhaltung antiepidemischer Maßnahmen wie Abstandhalten, konsequentes Tragen der Maske oder Homeoffice mache es keinen großen Unterschied, ob eine etwas infektiösere Variante im Umlauf sei.

Ohnehin sei es laut Kekulé nur eine Frage der Zeit, wann die britische Coronavirus-Mutation B.1.1.7 zur dominanten Variante in Deutschland wird. Das sei ein ganz gewöhnlicher Prozess, da sich diese schlicht schneller verbreite als ihre „Wettbewerber“. „Ich glaube aber nicht, dass es etwas mit den Varianten zu tun hat, warum wir bei den Fallzahlen aktuell wieder auf so einem Plateau hängen bleiben.“

Während Alexander Kekulé nicht davon ausgeht, dass der Inzidenzwert bei Beibehaltung der aktuellen Maßnahmen weiter sinken wird, ist sich ein Apotheker aus NRW sogar sicher, dass die Corona-Fallzahlen bald drastisch steigen werden. Neben der Mutationen seien dafür die steigende Zahl der Corona-Tests und der im Frühjahr einsetzende Pollenflug verantwortlich.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/AFP; Collage: RUHR24

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