Jetzt hagelt es Kritik

Erste NRW-Impfzentren schließen – droht bald das nächste Corona-Chaos?

Bis zum 30. September sollen etliche Impfzentren in Nordrhein-Westfalen vorerst schließen. Allerdings wird im Herbst die vierte Corona-Welle erwartet und erste Auffrisch-Impfungen sind geplant. Es gibt Kritik.

NRW – Dass die Impfzentren in Nordrhein-Westfalen* bis spätestens zum 30. September vorerst geschlossen und in eine Art „Stand-By-Modus“ versetzt werden sollen, steht bereits seit Ende Juni fest. Als Grund für die Schließungen gab NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) damals an, dass bis Ende September auch die Zweitimpfungen abgeschlossen sein werden. Das Problem: Ab Herbst sollen einige Personengruppen bereits ihre Auffrisch-Impfung bekommen. Kritik dazu gibt es nun von der SPD, berichtet RUHR24*.

BundeslandNRW
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)
Vollständig geimpfte Personenrund 10 Millionen (Stand 10. August)

NRW-Impfzentren schließen zum 30. September: Millionen Menschen brauchen ab Herbst 3. Impfung

Derzeit sind 53 Impfzentren in ganz Nordrhein-Westfalen in Betrieb. Alle von ihnen sollen bis spätestens Ende September schließen. Wie es danach weitergehen soll, ist noch nicht vollends geklärt. Der aktuelle Plan sieht vor, dass die Impfungen ab Oktober entweder von Hausärzten oder mobilen Impfteams durchgeführt werden sollen. „Das Impfgeschehen kann dann von den Impfzentren regelhaft in die Arztpraxen übergehen“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Juni.

Das Problem: Im Juni war noch nicht klar, ob und welche Personen ab Herbst eine dritte Corona-Impfung benötigen. Mittlerweile steht aber fest, dass sich die dritte Auffrisch-Impfung insbesondere für ältere Personen sowie Angehörige medizinischer Berufe lohnt*, damit diese auch in der kalten Jahreszeit einen optimalen Schutz vor Covid-19 zu haben.

Dazu kommen die anstehenden Impfungen von Kindern und Jugendlichen. Heißt im Umkehrschluss: Millionen Menschen brauchen in der nächsten Zeit und vor allem ab Oktober eine Corona-Impfung. Sind die Schließungen sämtlicher Impfzentren daher sinnvoll?

Schließung von Impfzentren: Scharfe Kritik von der Opposition im NRW-Landtag

Ginge es nach der Opposition im Landtag, dann lautet die Antwort darauf ganz klar nein. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im nordrhein-westfälischen Landtag, Thomas Kutschaty, hat die Schließung der Impfzentren zum 30. September als „unlogisch“ und „unvernünftig“ bezeichnet.

Nicht jeder NRW-Bürger habe einen Haus- oder Betriebsarzt, sagte der Oppositionsführer am heutigen Dienstag (10. August) in einer Sondersitzung des Düsseldorfer Landesparlaments zur Corona-Pandemie. Das Schlimmste wäre, so Kutschaty, wenn niemand mehr zu einer Nachimpfung kommen würde. Dann wären gefährdete Personengruppen wie etwa Senioren, im Herbst deutlich anfälliger für eine Infektion (mehr Nachrichten zum Coronavirus in NRW* bei RUHR24).

Viele Impfzentren in NRW sind wegen der gesunkenen Nachfrage nicht mehr ausgelastet

Kutschaty fordert deshalb, dass „mindestens“ mobile Impfteams durch die Stadtteile geschickt werden – vor allem in Problem-Vierteln. Die Landesregierung müsse den Kommunen nun schnellstens mitteilen, wie sie ab Oktober mit den Impfungen gegen das Coronavirus* verfahren sollen.

In den vergangenen Wochen hat die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Deutschland extrem nachgelassen. Dadurch sind die teuren Impfzentren derzeit nicht mehr ausgelastet. Das könnte sich ab dem Herbst, wenn wieder mehr Impfungen benötigt werden, ändern.

Gesundheitsminister der Länder wollen Finanzierung der Impfzentren beibehalten

Allerdings ist auch offen, wie es mit der weiteren Finanzierung der Impfzentren aussieht. Aktuell ist sie nur bis zum 30. September gesichert. Bund und Länder zahlen die Zentren aktuell je zur Hälfte. Geht es nach den Gesundheitsministern der Länder, dann sollte diese Form der Finanzierung auch nach Ablauf der Zeit einfach weiterlaufen.

Allerdings sprechen sich die Gesundheitsminister gleichzeitig für eine Schließung nicht genutzter Impfzentren aus. Je nach Bedarf dürften die Bundesländer ihre Impfzentren aber in „deutlich reduziertem Umfang“ weiterbetreiben. Zusätzlich sollte es aber ergänzende Impfangebote – wie etwa mobile Impfteams – geben.

Impfzentren in NRW: Inbetriebnahme nach Schließung dauert bis zu vier Wochen

Weiterhin offen ist auch die Frage, wie ein Stand-By-Modus in den Impfzentren genau aussehen könnte und wie schnell Corona-Impfungen nach einer vorübergehenden Stilllegung wieder möglich sein werden. Ist ein Impfzentrum erst einmal geschlossen, kann es nicht am nächsten Tag einfach wieder seinen Betrieb aufnehmen.

Bayern schätzt, dass es bis zu vier Wochen dauern könnte, um ein Impfzentrum wieder voll hochzufahren. Sollte die Nachfrage nach Corona-Impfungen ab Oktober wieder ansteigen, könnte es zu ähnlichen Versorgungsengpässen wie im diesjährigen Frühjahr kommen.

53 Impfzentren gibt es in NRW aktuell. Sie wurden ab dem 8. Februar in Betrieb genommen, sollen aber schon bald wieder schließen.

Impfzentren waren von vornherein in Deutschland und NRW nur als temporäre Einrichtungen gedacht

Thüringen weist zusätzlich auf die auslaufenden Mietverträge hin. Impfzentren wurden teilweise in Sporthallen oder sonstigen Einrichtungen errichtet. Die Gebäude werden nun gebraucht – sei es für Sportaktivitäten oder Veranstaltungen.

Die Impfzentren in NRW haben ab dem 8. Februar 2021 in ganz Deutschland ihren Betrieb* aufgenommen. Im Kampf gegen das Coronavirus wurden sie als temporäre Einrichtungen in allen Städten und Landkreisen errichtet. Um eine vierte Welle abzuwenden, müssen sich Bund und Länder nun etwas Neues überlegen. Aktuell sind erst etwa 55 Prozent der Deutschen vollständig geimpft (Stand 10. August). *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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