Nicht genug Impfstoff

Termin-Not bei Corona-Impfungen in NRW: Bürger suchen sich neue Wege

Corona impfung
+
Der Ansturm auf Corona-Impfungen in NRW ist groß. Viele Bürger bekommen keine Termine.

Termine für eine Corona-Impfung sind knapp. Die Ärzte und Impfzentren in NRW benötigen mehr Impfstoff. Die Bürger suchen nun nach anderen Lösungen.

NRW – Vielen Menschen in Nordrhein-Westfalen gibt eine Impfung gegen das Coronavirus wieder Hoffnung auf mehr Freiheiten und etwas mehr Normalität. Doch spätestens seit der Bekanntgabe von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Impf-Priorisierung im Juni aufheben zu wollen, ist der Ansturm auf die Termine noch größer geworden.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Corona-Impfungen insgesamt10.059.958 (26. Mai)
Vollständig Geimpfte2.381.041 (26. Mai)

NRW: Menschen mit Priorisierung warten auf eine Corona-Impfung

Menschen der Priorisierungsgruppe 2 und 3 warten in NRW zum Teil immer noch auf ein Impfangebot. Laut Eugen Brysch, Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sei es kein Wunder, dass diese Bürger nun alles unternehmen würden, um an eine Corona-Impfung zu kommen. Verschärft werde die Situation dadurch, dass es den Ärzten und Impfzentren an ausreichend Impfstoff fehlt (mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24).

„Politische Fantasien sind jetzt auch dafür verantwortlich, dass Erst-Impfungen massiv heruntergefahren werden. Es fehlt schlichtweg die Reserve für die Zweit-Impfungen. Eine verantwortungsvolle Politik muss das Ende der Impfpriorisierung am 7. Juni sofort zurücknehmen“, so Brysch gegen über der Rheinischen Post.

Video: Priorisierung bei Corona-Impfungen soll ab 7. Juni enden

Impfzentren in NRW haben nicht genug freie Termine – Corona-Impfung in anderen Bundesländern

Wie auch wa.de* berichtet, würden immer mehr Menschen aus NRW in benachbarte Bundesländer fahren, um sich dort gegen Corona impfen zu lassen. Der Grund: In ihrem Wohnort bekommen sie keinen Impftermin. Einige würde sogar extra ihren Urlaub so planen, dass sie sich in dem entsprechenden Land direkt impfen lassen können – Stichwort: Impftourismus.

Darüber, dass Bürger für eine Corona-Impfung vermehrt in andere Bundesländer fahren, lägen dem Gesundheitsministerium jedoch keine konkreten Erkenntnisse vor. „Theoretisch können Länder untereinander Regelungen treffen – zum Beispiel bei Wohn- und Arbeitsort in unterschiedlichen Bundesländern“, so ein Sprecher von Jens Spahn auf Anfrage der Rheinischen Post.

Kein Verbot für Impftourismus: Bürger aus NRW haben die Wahl

Ein Verbot für Impftourismus gibt es nicht. Wer impfberechtigt ist und in NRW Schwierigkeiten hat, an einen Termin zu kommen, dem steht die Wahl eines Impfzentrums in einem anderen Bundesland frei. Die „Inanspruchnahme der Impfangebote“ könne unabhängig vom Wohnort der Personen erfolgen, heißt es von einem Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums.

Allerdings würden in den Impfzentren in Nordrhein-Westfalen die Termine grundsätzlich an Personen aus ihrem Einzugsbereich vergeben. Das hat zum Hintergrund, dass die Impfstoffverteilung in Deutschland sich nach der Anzahl der Einwohner richtet. Wenn sich Menschen aus anderen Bundesländern impfen lassen, gibt es dafür keinen Ausgleich bei der Aufteilung der Dosen.

NRW: Impfbereitschaft ist groß – mehr Corona-Impfstoff gefordert

Der Deutsche Städtetag will es derweil pragmatisch halten – auch mit Blick auf das Ende der Priorisierung. „Wenn Sie beim Impfen an der Reihe sind, also zu einer Gruppe mit Priorität gehören, sollten Sie nicht abgewiesen werden. Entscheidend ist doch, dass möglichst viele Menschen aus diesen Gruppen geimpft werden“, sagt Verena Göppert, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetages.

Der Impftourismus sei allerdings kein „Massenphänomen“, so Göppert weiter. Die Menschen würden vor allem dann die Impfzentren aufsuchen, wenn der Weg ins Nachbarland nicht weit sei oder sie zum Arbeiten und Einkaufen sowieso ständig zwischen den Ländern pendeln würden.

Die deutschen Landkreise fordern jedoch mehr Corona-Impfstoff für die Impfzentren – nur so könne Impftourismus verhindert werden. Das Verhalten der Bürger zeige aber auch die große Impfbereitschaft in der Bevölkerung, so Reinhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistages. *wa.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Mehr zum Thema