Schnellschuss?

Kinderärzte kritisieren Corona-Impfungen an Schulen in NRW – und geben dringenden Rat

NRW will möglichst viele Schüler gegen Corona impfen lassen – doch Kinderärzte kritisieren jetzt insbesondere die Impfmobile an den Schulen.

NRW – Kinder in NRW* gehen seit dem 18. August wieder in die Schule. Damit einher gehen einige Änderungen, wie RUHR24* bereits berichtete. So gibt es neuerdings eine Impf-Empfehlung für 12- bis 17-Jährige. Doch die Folgen dieser Empfehlung an Schulen bringen Ärzte nun auf die Palme.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
LandeshauptstadtDüsseldorf
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Corona-Impfung an Schulen in NRW: Kinderärzte üben Kritik an Impfmobilen

Denn zur schnellen Umsetzung der Impfungen für Kinder und Jugendliche soll auch an den Schulen gespritzt werden, wie NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ankündigte. Doch ebenjenes wird jetzt von Kinderärzten heftig kritisiert.

Corona-Impfung für Kinder in NRW bald vor der Schule – Kinderärzte warnen vor mangelnder Beratung

Etwa in Düsseldorf und in Köln ist geplant, Impfmobile vor den Schulen zu positionieren. Und genau da sieht der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ein großes Problem: „Die Aufklärung im Impfbus ist schwierig, es darf zumindest angezweifelt werden, dass die Beratungszeit auch wirklich angemessen ist“, sagte Sprecher Jakob Maske dem WDR.

Darüber hinaus gibt der Kinderarzt eine fehlende Einwilligung der Erziehungsberechtigten zu Bedenken: „In der Schule herrscht ein Gruppenzwang, der Schüler möglicherweise zur Impfung verleitet, ohne dass die Eltern davon wissen.“ Jakob Maske mahnt, niemand sollte sich aus einem Impuls heraus impfen lassen (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24*).

Yvonne Gebauer (FDP) will den Kindern und Jugendlichen an den NRW-Schulen ein Impfangbot machen.

NRW: Viele Kinder brauchen noch Einverständnis-Erklärung der Eltern für die Corona-Impfung

Verimpft werden soll vor den Schulen in der Regel das Corona-Vakzin von Biontech. Sollten erwachsene Schüler oder Erziehungsberechtigte eines Kindes ein anderes Mittel bevorzugen, sollen diese auch teilweise zur Verfügung stehen. Im Alter zwischen 12 und 15 ist noch eine Einwilligungserklärung der Eltern nötig, ab 16 Jahren ist diese zwar nicht mehr zwingend gefordert, jedoch ist ratsam, eine mitzuführen.

Das Impfzentrum der Stadt Duisburg empfiehlt sogar, dass Eltern ihre Kinder zur Impfung begleiten, berichtet die Rheinische Post. Doch auch das ist nicht vorgeschrieben.

Kinderärzte mit klarer Ansage: Eile bei Corona-Impfung an Schulen in NRW sei „Aktionismus“

Allerdings betont der BVKJ, dass er sich nicht grundsätzlich gegen die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen in NRW ausspreche. Es gehe lediglich um das Angebot der Impfmobile: „Wir raten dazu, die Impfung in den Arztpraxen vornehmen zu lassen. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten vorgenommen werden.“ 

Diese Entscheidung sollte der Arzt auch beurteilen können, im Impfbus sei das nicht möglich, warnt Jakob Maske. Wenngleich der Verband die Impf-Empfehlung der Stiko befürwortet, kritisiert er auf der anderen Seite die an den Tag gelegte Hast des NRW-Schulministeriums: „Das sind ja schon fast Notfallmaßnahmen. Diese Eile halte ich für Aktionismus“, so Jakob Maske.

NRW: Corona-Impfung für Kinder – gute Empfehlung, fragliche Umsetzung aus Sicht der Kinderärzte

Konkret bezeichnete der Sprecher die Hauruck-Aktion aus dem Gebauer-Ministerium als „nicht nötig“. Denn: „Wir haben ja gar keinen großen Druck, die Jugendlichen möglichst schnell zu impfen. Es ist ja nicht so, dass uns die Kinder zu Hunderten sterben. Außerdem sehen wir in der Bevölkerung eine recht große Impfbereitschaft.“

Es ist nicht die erste Kritik, die sich die NRW-Regierung in Bezug auf Corona-Maßnahmen an Schulen* gefallen lassen muss. Yvonne Gebauer geriet bereits heftig unter Beschuss, als sie die neuen Quarantäne-Maßnahmen erklärte, wonach bei einem Corona-Fall nicht die ganze Klasse in Isolation muss, sondern nur direkte Sitznachbarn des oder der Infizierten.*RUHR24 ist Teil des bundesweiten Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/AFP-Pool

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