Ende aller Corona-Maßnahmen

Corona: „Freedom Day“ im Herbst auch in Deutschland? Lauterbach hakt ein

In Deutschland soll es einen „Freedom-Day“ nach britischem Vorbild geben. Der Kassenärztechef warnt sogar vor einer Pandemie in Endlos-Schleife. Karl Lauterbach sieht das deutlich anders.

Berlin – Am 19. Juli feierte Großbritannien den „Freedom Day“ – den Tag, an dem fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden. Jetzt forderte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, den Countdown zu einem Freedom Day auch für Deutschland anzuzählen: Bereits am 30. Oktober sollen alle Corona-Beschränkungen fallen. Doch es gibt viel Kritik, berichtet RUHR24*, vor allem die hohe Quote Ungeimpfter steht einem baldigen „Tag der Freiheit“ offenbar im Weg.

VirusCoronavirus/Sars-Cov-2
SchutzmaßnahmenAbstand halten, Hygiene beachten, Maske tragen
Freedom DayTag, an dem alle Corona-Schutzmaßnahmen enden

Freedom Day in Deutschland: Politiker kritisieren angepeiltes Ende der Corona-Schutzmaßnahmen

Kritik an dem Vorschlag des Kassenärztechefs Andreas Gassen, noch im Herbst auch in Deutschland einen „Freedom Day“ zu feiern, kam aus mehreren Richtungen der Politik. Sowohl in der SPD, als auch bei den Grünen regte sich heftiger Widerstand. Doch auch die FDP, welche einem Freedom Day aufgeschlossen gegenübersteht, unterstützt den Vorschlag nicht uneingeschränkt.

So äußerte Janosch Dahmen (Grüne) gegenüber dem NDR, dass er es für zynisch halte, sich jetzt von allen Schutzmaßnahmen zu verabschieden und so zu tun, als sei die Pandemie ein Privatvergnügen und „Ungeimpfte selbst Schuld“. FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann hält die Diskussion um ein Ende der Corona-Maßnahmen zwar für richtig, den Zeitpunkt jetzt ein konkretes Datum zu nennen, allerdings für verfrüht. Zuletzt hatte NRW-Nachbar Holland angekündigt, alle Corona-Regeln zu streichen*.

Deutliche Kritik äußerte neben Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD). Der Politiker aus NRW hält ein Ende aller Corona-Maßnahmen für „ethisch nicht vertretbar“. Er twitterte: Die Welle der Pandemie, die dann käme, wäre schlicht zu groß (mehr zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Freedom Day in Deutschland – erst wenn Corona-Impfquote hoch genug ist

Doch Lauterbach äußerte nicht nur Kritik. Der Politiker schlug auch eine Alternative vor, wie und wann Deutschland ebenfalls einen „Freedom Day“ feiern könnte: „Wir öffnen, wenn 85 Prozent geimpft sind“, so Lauterbach. Bis dahin sollte 2G gelten. Eine Haltung, die auch Janosch Dahmen einnimmt. „Für eine Lockerung der Maßnahmen bräuchte es in der Gesamtbevölkerung bei den impffähigen Personen eine Impfquote von über 80 Prozent.“

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen.

Tatsächlich steckt auch hinter dem Vorschlag, schon in Kürze einen „Freedom Day“ anzupeilen, offenbar mehr, als einfach nur alle Corona-Maßnahmen fallen lassen zu wollen. Hintergrund des vorgeschlagenen Countdowns von sechs Wochen bis zum „Freedom Day“ erklärte Gassen laut der faz auch: Das Datum gebe jedem, der wolle, genug Zeit, sich noch impfen zu lassen. Ist der Vorschlag, einen baldigen Freedom Day anzusetzen, also nur ein Druckmittel, um Impfunwillige zu bekehren?

Corona in Deutschland in der Endlos-Schleife: Kassenärztechef fordert mehr Mut

Jedenfalls erkennt Gassen in der Corona-Politik der vergangenen Jahre einen von der „German Angst“ geleiteten Kurs. Wie die Tagesschau berichtet, schlägt Gassen vor, nun mit mehr Mut einen Kurswechsel einzuleiten. Ansonsten würde sich Deutschland entlang der bisher gefahrenen, vorsichtigen Leitlinie endlos weiter durch die Pandemie schleppen. Zudem zeige das Beispiel aus Großbritannien, dass es klappen kann. Dort sei das Gesundheitssystem trotz Freedom Day im Juli nicht kollabiert.

Für den Gesundheitsexperten aus NRW*, Karl Lauterbach, ein unhaltbarer Ansatz: „Jetzt einfach mal auszutesten, was unser Gesundheitssystem aushält, wie viele Patienten auch intensiv behandelt werden können“, hält er für nicht vertretbar. Er wolle Menschen schützen, durch Vorbeugung und Impfung, und nicht das Leid erst auf der Intensivstation begrenzen. Lauterbach sieht es laut der Neuer Osnabrücker Zeitung zudem als unrealistisch an, durch die die Ankündigung die Menschen zum Impfen motivieren zu können. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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