Corona-Pandemie

NRW: Bekannte Ärztin trauert um Tod eines Ungeimpften – „verschusselt“

Die Intensivmedizinerin Dr. Carola Holzner kennen viele auch als „Doc Caro“. In einem emotionalen Instagram-Post nimmt sie Abschied von einem Patienten, der noch im Sterben um eine Impfung bat.

Duisburg – Die Erkenntnis kam zu spät. Denn erst, als er bereits mit einer Coronainfektion auf der Intensivstation lag, bat er darum, geimpft zu werden. Er habe es „verschusselt“. Inzwischen ist der Patient, um den „Doc Caro“ in einem aufwühlenden Instagram-Post trauert, tot. Verstorben an Corona, nach 22 Tagen, 9 Stunden und 13 Minuten auf einer Intensivstation in NRW.

Doc CaroDr. Carola Holzner
Ärztin fürAnästhesiologie, Notfallmedizin und Intensivmedizin
Geburtsdatum20. Juli 1982 (39 Jahre)

„Doc Caro“ trauert um Corona-Patienten: Bitte nach Impfung kam zu spät

Weiß auf Schwarz stehen genau diese Zahlen in dicken Lettern, wie eine Warnung, neben dem Gesicht der prominenten Ärztin aus NRW in eine Post auf ihrem Instagram Kanal. Daneben ein aufrührender Text, der mit den Worten endet: „So schnell kann es gehen.“ Denn der Tod des Corona-Patienten hätte vermieden werden können. Da ist sich Carola Holzner sicher.

Und auch der inzwischen Verstorbene ahnte wohl kurz vor seinem Tod, dass es besser gewesen wäre, er hätte sich impfen lassen. Denn, wie die 39-jährige Notfall-Ärztin im Helios Klinikum St. Johannes in Duisburg-Hamborn in dem Post berichtet, habe der Patient, kurz bevor er intubiert werden musste, gesagt: „Mich nicht impfen zu lassen. Das war der größte Fehler.“

Doch genau diesen Fehler begehen nach wie vor viele Menschen in Deutschland. Noch immer liegt die Impfquote auf einem Niveau, welches von Ärzten und Politikern als unzureichend angesehen wird (mehr News zur Corona-Pandemie in NRW auf RUHR24).

Ärztin „Doc Caro“ will weiter kämpfen: Corona-Impfung schützt und rettet Leben

In NRW, welches deutschlandweit zu den Ländern mit der höchsten Impfquote gehört, sind es laut RKI nur 73,3 Prozent der Bevölkerung, die als vollständig geimpft gelten. Zum Vergleich: Für eine „Herdenimmunität“ gegen das Coronavirus müssten laut Bundesgesundheitsministerium rund 85 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sein.

Doch Skepsis und Zweifel sind noch immer groß, die Ablehnung der Impfung in Teilen der Bevölkerung offenbar nach wie vor verbreitet. Etwas, was „Doc Caro“ zermürbt, müde und wütend macht. „Wer behauptet, dass Impfen nicht schützt, lügt oder ist nicht in der Lage, Studien zu lesen“, schreibt die Ärztin aus NRW, die sich auch in die Corona-Debatte um Joshua Kimmich eingeschaltet hatte.

Immer wieder erhalte sie E-Mails, in denen sie wegen ihrer Aufklärungsarbeit seit Beginn der Corona-Pandemie heftig beschimpft würde. Und trotzdem wolle sie weitermachen – wie so viele andere Pflegekräfte und Ärzte auch: „Es ist anstrengend, es ist zermürbend. Die Kraft schwindet. Bei vielen. Aber wir werden hier stehen. Im und trotz Gegenwind. Bis es auch der Letzte versteht“, so die Ärztin. Im Idealfall, bevor es wie in diesem Fall bereits zu spät ist.

Rubriklistenbild: © S. Drolshagen/dpa

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