Impfungen gegen Corona

Astrazeneca-Comeback: NRW will jetzt den Corona-Impf-Turbo einschalten

Der Impfstoff von Astrazeneca ist zurück! Jetzt will NRW beim Impfen gegen Corona einen Gang zulegen. Die Devise: Impfen, impfen, impfen.

Dortmund – NRW fährt seine Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca wieder hoch und will jetzt impfen, was das Zeug hält. Schon am Freitag (19. März) werden die ersten Menschen in NRW nach dem zwischenzeitlichen Stopp mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft. RUHR24.de* verrät, was jetzt geplant ist.

PharmakonzernAstrazeneca
Corona-ImpfstoffAZD1222
Erstzulassung in der EU29. Januar 2021

Astrazeneca in NRW: Corona-Impfstoff soll jetzt schnell verimpft werden

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betonte nach der Wiederzulassung des Mittels, dass er die Impf-Unterbrechung für Astrazeneca-Vakzine in NRW* für richtig gehalten habe, „um vertrauensvoll weiterimpfen zu können.“

Nun wolle das Land NRW genau da weiterimpfen, wo es vor der Unterbrechung aufgehört hat. Astrazeneca werde den Berufsgruppen zur Verfügung gestellt, bei denen die Impfungen bereits angelaufen sind. Und zwar:

  • Personal in der Kindertagesbetreuung, Kindertagespflegepersonen;
  • Lehrer an Grund- und Förderschulen;
  • Polizisten mit direktem Kontakt zu Bürgern – angefangen mit den Mitgliedern der Einsatzhundertschaften.

Die abgesagten Termine für diese Personengruppe wolle Laumann schnell wieder neu vergeben lassen.

Dass etwa Lehrkräfte wie in NRW vorrangig geimpft werden, ruft seit Tagen Kritik hervor. Zunächst müssten Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren bis tödlichen Verlauf geimpft werden, hatten etwa die Beauftragten von Bund und Ländern für die Belange der Menschen mit Behinderung gefordert.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, hatte Ländern wie NRW vorgeworfen, etwa Erzieher, Lehrkräfte oder Polizisten zu impfen. Die Schwächsten und Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe dürften nicht benachteiligt werden.

Corona-Impfungen in NRW: Mehr Nutzen als Risiko durch Astrazeneca-Impfstoff

Grund für die Fortführung der Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca ist die Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), die durch die Impfung mehr Chancen als Risiken sieht. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Impfungen Fälle von Thrombosen verursacht hätten. Dennoch sei es nicht ausgeschlossen. Daher würden die Prüfungen und Studien auch fortgesetzt.

Zuvor war nach Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen und Blutungen festgestellt worden. Zwölf Frauen waren von den deutschlandweit 13 Fällen betroffen. Die Patienten waren im Alter zwischen 20 und 63 Jahren.

NRW-Bürger sollen vor Corona-Impfung mit Astrazeneca-Impfstoff über Risiken aufgeklärt werden

Über entsprechende, wenn auch extrem seltene Risiken, soll in NRW nun jeder Bürger vor einer Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin informiert werden. Entsprechende Aufklärungsbögen werden dafür überarbeitet. Darin solle schnellstmöglich das Risiko bei Frauen unter 55 Jahre eingefügt werden. Ärzte könnten eine erfolgte Aufklärung dazu vorerst auch handschriftlich ergänzen.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) will sich zur Not öffentlich impfen lassen, um das Vertrauen in den Corona-Impfstoff von Astrazeneca zurückzuerlangen.

Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP) hat indes versichert, sich öffentlich mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen zu wollen, um das Vertrauen für den Impfstoff zurückzugewinnen. Er wolle sich aber nicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen, dass er sich vordrängele.

Corona-Impfungen in NRW: Armin Laschet kündigt Verimpfung von Reserven an

Unterdessen hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) jüngst angekündigt, bis Ende März durch die Verimpfung von 150.000 Biontech- und Moderna-Impfstoffdosen mehr Tempo beim Impfen gegen Corona zu machen. Dazu werde das Land zurückgelegte Impfdosen für Zweitimpfungen verabreichen. Diese würden in den Einrichtungen der Eingliederungshilfe geimpft. Hinzu komme eine kleine Charge für die weitere Immunisierung der über 80-Jährigen (hier weitere Corona-News aus NRW* auf RUHR24.de lesen).

Nach dem Wiederbeginn der Astrazeneca-Impfungen in NRW kündigte Helmut Dedy, Geschäftsführer des Städtetags NRW in der WAZ an, die Zahl der Impfungen dieses Herstellers in den Impfzentren in NRW erhöhen zu können. Damit solle der „Impfrückstand“ aufgeholt werden, so Dedy. SPD-Landtagsfraktionschef Thomas Kutschaty zeigte sich ebenfalls optimistisch: „Die zwei Tage, die verloren gegangen sind, holen wir schnell wieder auf. Dafür muss jetzt aber auch mit Volldampf geimpft werden“, zitiert die WAZ den Oppositionsführer.

Corona-Turbo: NRW-Städte wollen Astrazeneca-Impfstoff schnell wieder verimpfen

In Düsseldorf kündigte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) etwa am Donnerstag bereits an, Freitag wieder mit den Impfungen mit Astrazeneca starten zu wollen. Die Kapazitäten würden entsprechend hochgefahren. Auch Recklinghausen, Essen oder der Kreis Viersen machten schnell ähnliche Ankündigungen. Bochum kündigte sogar an, dass abgesagte Termine in Impfzentren trotzdem wahrgenommen werden dürften.

Indes wird über einen breiten Impfstart in den Hausarztpraxen debattiert. Am Freitag (19. März) wollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder zu einem „Impfgipfel“ per Telefonkonferenz zusammenschalten. Nach aktuellem Stand will NRW am 29. März mit einer Pilotphase mit Corona-Impfungen in Hautarztpraxen und bei Gynäkologen starten, am 19. April soll flächendeckend in Praxen niedergelassener Ärzte geimpft werden*.

Corona-Impfungen in NRW ab April: Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson verfügbar

Zeitgleich erwartet Deutschland – und damit auch NRW – im zweiten Quartal 2021 deutlich mehr Impfstoffdosen von Biontech, Moderna und Astrazeneca. Zudem wird wohl in der zweiten Aprilhälfte der Lieferbeginn des inzwischen ebenfalls zugelassenen Präparats von Johnson & Johnson erwartet. mit dpa-Material *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marius Becker, Marcel Kusch/dpa; Collage: RUHR24

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