Kommentar

Corona: NRW braucht 2G oder im Extremfall sogar 1G – und zwar schnell

Um die vierte Corona-Welle zu bremsen, braucht NRW eine 2G-Regelung und 1G im Extremfall. Ein Kommentar zur aktuellen Lage von RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund – 67 Prozent der Deutschen sind vollständig geimpft, in NRW sogar über 70 Prozent. Doch die Lage eskaliert und wir stehen mit Blick auf die Corona-Neuinfektionen schlechter da, als vor der Impfkampagne. Die Politik muss jetzt also schnell reagieren.

Corona-Inzidenz in NRW154,3
Einmal Geimpfte74,2 Prozent
Vollständig Geimpfte70,7 Prozent

Corona in NRW: 2G und 1G im Extremfall muss schnell her

Geimpfte sollten sich zunächst einmal klarmachen, dass eine Impfung a) nicht immer vor einer Corona-Infektion gut schützt (nur zu 75 Prozent), sondern eher vor einem schweren Verlauf mit Krankenhauseinweisung (zu 90 Prozent). Und b): Dass man das Coronavirus als Geimpfter durchaus an Ungeimpfte weitergeben kann.

Doch aktuell bewegen sich vollständig Geimpfte in NRW teils so, als seien sie unbesiegbar und könnten keiner vulnerablen Person etwas anhaben. „Ich bin doch geimpft, alles gut“, heißt das Totschlagargument bei nicht wenigen. Ein fataler Trugschluss, der aktuell die Corona-Zahlen nach oben treibt.

NRW: Zu viele Ungeimpfte sorgen für steigende Corona-Zahlen

Hinzu kommt, dass es noch zu viele Ungeimpfte gibt, die sich aber durchaus impfen lassen könnten, es aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht tun. Und hier sprechen wir nicht von Menschen, die sich aufgrund von Vorerkrankungen nicht impfen lassen können oder für die Impfung zu jung sind.

Damit die Impf-Quote in der Gruppe der Unwilligen höher wird, muss NRW schnell die 2G-Regelung einführen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) denkt bereits offen darüber nach. Ohne politischen Druck, scheint es offenbar nicht zu gehen. Es ginge also um Einlass in gewisse Bereiche nur für Geimpfte oder Genesene.

2G-Regel für NRW muss her, um Corona-Welle zu bremsen

Es geht hier schließlich um eine kleine Gruppe von Menschen, die aber der Freiheit der Mehrheit im Wege steht. Zu allem Überfluss belegen freiwillig Ungeimpfte dann auch noch Intensivbetten, die für dringendere Fälle gebraucht werden. Zur Erinnerung: In den Dortmunder Krankenhäusern sind die Corona-Patienten auf den Intensivstationen zwischen 80 und 90 Prozent nicht geimpft.

Die große Mehrheit der Corona-Patienten auf den Intensivstationen in NRW ist nicht geimpft.

Inzwischen kursiert sogar die Forderung nach einer noch radikaleren Maßnahme: 1G. Bei dieser Regelung würde es in bestimmten Bereichen nur Einlass für Geimpfte geben, die zusätzlich auch noch getestet sind. Das könnte in Einrichtungen Sinn ergeben, in denen sich besonders vulnerable Personen aufhalten: Krankenhäuser, Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen zum Beispiel (hier weitere News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24 lesen).

1G im Extremfall: NRW muss von Corona gefährdete Personen besonders schützen

Nahezu machtlos dagegen ist die Politik im privaten Bereich. Hier sind wir alle gefragt: Trotz (bei vielen inzwischen in ihrer Wirkung nachlassender) Impfung: Muss ich mich mit meiner Oma treffen, wenn ich leicht verschnupft bin? Oder: Könnte man sich nicht vor einem Treffen mit geimpften Freunden schnelltesten, sollten diese Treffen in Innenräumen stattfinden?

So traurig es ist, solange die Impfquote in NRW nicht deutlich höher ist als aktuell, müssen wir im kommenden Winter mit den genannten Corona-Maßnahmen vorlieb nehmen. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion wiedergeben.

Rubriklistenbild: © Marius Becker, Vanessa Reiber/dpa; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema