Für mehr Präsenzunterricht

Corona-Notbremse für Schulen in NRW: Unterricht im Freien – trotz unmöglicher Wetterlage?

Die neue Corona-Notbremse hat Konsequenzen für Schüler und Lehrer. Forderungen nach Draußen-Unterricht werden laut. Wäre das an NRW-Schulen möglich?

NRW – Das angepasste Infektionsschutzgesetz wirkt sich massiv auf die Schulen in Nordrhein-Westfalen aus. In vielen Städten und Kreisen ist für die Schüler ab kommenden Montag (26. April) wieder Distanzunterricht angesagt. Erneut fordern einige Politiker, den Unterricht nach draußen zu verlegen.

BehördeMinisterium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Gründung1946
SchulministerinYvonne Gebauer (FDP)

Corona-Notbremse schickt viele NRW-Schüler in den Distanzunterricht

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten dafür eingesetzt, den Präsenzunterricht in den Schulen so lange es geht am Laufen zu halten. In NRW galt zuletzt die Regelung: Liegt eine Stadt oder ein Kreis an drei Tagen hintereinander über einer Corona-Inzidenz von 200, müssen die Schüler in den Distanzunterricht wechseln.

Diese Vorgabe ist jetzt Geschichte. Denn mit der neuen bundesweiten Notbremse gibt es einen verschärften Fahrplan für die Schulen in NRW. Das Gesetz, das am Samstag (24. April) in Kraft tritt, schreibt es folgendermaßen vor: Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer NRW-Kommune drei Tage in Folge über dem Wert von 165 liegt, wird der Präsenzunterricht vorzeitig ausgesetzt. Die Schüler gehen dann wieder ins Homeschooling über. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen.

Die Änderung hat bei Elternverbänden Ärger ausgelöst. Sie schlagen für die Schüler in NRW eine eigene Altersgruppen-Inzidenz vor, da es in den vergangenen Wochen steigende Infektionszahlen mit ernsthafteren Erkrankungen auch bei den Jüngeren gegeben habe. Die Landeselternschaft der Gymnasien NRW hält den Wert von 165 zu hoch – und fordert für Schulen die Orientierung an einer Inzidenz von 100.

Politiker fordern Unterricht im Freien anstelle von Schulschließungen

Politiker mehrerer Fraktionen bringen außerdem ein Unterrichts-Modell ins Spiel, das bereits im vergangenen Jahr diskutiert wurde. Statt Distanzunterricht wollen sie weiter auf Präsenzunterricht setzen – und zwar draußen an der frischen Luft.

„Unterricht im Freien oder die weitere Reduzierung der Lerngruppengrößen sind zu durchdenken, bevor Schulen geschlossen werden“, sagte Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag der Bild. Katja Suding, stellvertretende Vorsitzende der FDP, sprach sich ebenfalls für Unterricht in Parks oder auf dem Schulhof aus. „Ich unterstütze alle sinnvollen Maßnahmen, die Unterricht in Präsenz wieder möglich machen“, sagte sie der Boulevardzeitung.

Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Katja Suding hat sich für Unterricht im Freien ausgesprochen.

Draußen-Unterricht an Schulen möglich? NRW-Schulministerium äußert sich

Aber wäre Draußen-Unterricht in Nordrhein-Westfalen denn überhaupt möglich? Auf Anfrage von RUHR24 erklärte das NRW-Schulministerium: „Ziel der Landesregierung ist es, den Gesundheitsschutz und das Recht der Kinder auf Bildung und Erziehung in Einklang zu bringen und den Präsenzunterricht [...] aufrechtzuerhalten.“ Strenge Regeln für den Infektionsschutz und die Testpflicht seien hierbei jedoch dringend zu berücksichtigen.

„Der Präsenzunterricht ist die beste Form des Lernens“, heißt es aus dem Schulministerium weiter. So sei es durchaus möglich, dass die Schulen bei gutem Wetter Unterrichtsstunden nach draußen verlegen (mehr Corona-News aus NRW im Live-Ticker auf RUHR24).

Unterricht draußen: Schulen in NRW können das selbst entscheiden

Diese Idee unterstützt auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas und sagte im Gespräch mit der Bild: „Durch die Wissenschaft ist belegt, dass Aktivitäten unter freiem Himmel sicherer sind als in geschlossenen Räumen. Daher klingt die Möglichkeit, Schulunterricht im Freien möglich zu machen, erstmal gut und wird von manchen Schulen bei gutem Wetter auch spontan genutzt.“

Die Schulen in NRW würden den Unterricht unter freiem Himmel jedoch „in eigener Verantwortung“ entscheiden. Das Lernen draußen dürfte „eher die Ausnahme als die Regel sein. Denn Unterricht unter freiem Himmel kann mit einem erhöhten Organisationsaufwand verbunden sein“, so die Angaben des Schulministeriums weiter.
 

Unterricht unter freiem Himmel: bislang keine einheitlichen Regelungen in NRW

Auch die Bezirksregierung Arnsberg äußerte sich auf Nachfrage von RUHR24 dazu, ob Schulen ihren Präsenzunterricht draußen stattfinden lassen dürften. „Grundsätzlich ist das möglich. Bisher gibt es aber keine landeseinheitlichen Regelungen oder Pläne dazu“, so einer Sprecherin. Generell sei das Modell wohl eher auf dem Land denkbar als an den Schulen in engen Innenstädten.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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