Experten sind beunruhigt

In NRW steigen Coronazahlen laut RKI wieder rasant - das sind die Ursachen für Neuinfektionen

In NRW zeigen die steigenden Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus: die Pandemie ist nicht vorbei. Das RKI nennt Gründe für den enormen Anstieg.

  • Die Corona-Fallzahlen in NRW steigen seit Mitte Juli wieder an.
  • Es gibt verschiedene Gründe dafür.
  • Auffällig ist der Blick auf die Maßnahmen der Landesregierung.

Dortmund - Das Trügerische am Coronavirus ist, das man es nicht sehen kann. Einzig die Masken in geschlossenen Räumen erinnern uns vielerorts daran, dass es das Virus noch gibt.

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Coronavirus in NRW: RKI warnt aktuell vor steigenden Fallzahlen

Nun schlägt das Robert Koch-Institut (RKI) Alarm. Die Fallzahlen der Infizierten steigen wieder rasant. Wurden deutschlandweit in den vergangenen Wochen im Schnitt um die 500 Fälle von Corona-Infizierten pro Tag erfasst, waren es zuletzt über 800.

Auffällig ist dabei: Laut RKI seien rund 60 Prozent der neu übermittelten Fälle auf Anstiege in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zurückzuführen. 

Coronavirus in NRW: Gründe für steigende Corona-Fallzahlen

Die Experten des Robert-Koch-Instituts sehen hauptsächlich fünf Gründe und Hotspots dafür, dass die Corona-Fallzahlen wieder steigen:

  • Feiern im Familien- und Freundeskreis,
  • Freizeitaktivitäten,
  • Arbeitsplätze,
  • Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen und
  • Reiserückkehrer.

Seit Beginn der Corona-Krise gab es in Nordrhein-Westfalen rund 48.000 Infizierte (Stand: 30. Juli 2020) und 1730 Todesfälle, die auf Covid-19 zurückzuführen sind.

Auffällig: Im Mai und bis etwa Mitte Juni schien NRW die Corona-Neuinfektionen im Griff zu haben. Die gemeldeten Fälle waren selten höher als 150 pro Tag.

Mitte Juni schnellten die Fallzahlen dann zum ersten Mal seit April richtig in die Höhe. Fleischfabrikant Tönnies hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 1000 Infizierte gemeldet.

Sommerferien in NRW: Grund für mehr Corona-Fälle?

Am 29. Juni begannen in NRW schließlich die Sommerferien. Seitdem sind die Corona-Fallzahlen im Schnitt deutlich höher, als zwischen Mitte Mai und Mitte Juni, als das gröbste überstanden schien.

Den letzten größeren Peak bei den gemeldeten Corona-Infizierten gab es am 24. Juli mit 302 neuen Fällen - jenem Tag, als sich das Robert Koch-Institut aufgrund der rasant steigenden Zahlen besorgt zeigte*.

Reiserückkehrer sind ein Grund für steigende Corona-Fallzahlen in NRW

Schauen wir konkret auf die Gründe für die steigenden Zahlen - die am Ende doch nur eine Vermutung des RKI bleiben. Da wären zum einen die Rückkehrer aus Risikogebieten. Am 29. Juli etwa meldete Dortmund 16 Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Von den neuen Corona-Fällen kamen sieben Reiserückkehrer aus den Risikogebieten Mazedonien, Albanien und Serbien.

Sie kamen also aus Gebieten, in denen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab, oder in denen es laut Auswärtigem Amt lokale Ausbrüche, geringe Testkapazitäten und unzureichende Maßnahmen gegen das Coronavirus gibt. Auch Staaten, aus denen es nur unzuverlässige Informationen gibt, gelten als Risikogebiet.

Die Corona-Fallzahlen in NRW steigen - das RKI um Chef Lothar Wieler ist besorgt.

Seit Samstag (25. Juli) gibt es an vier NRW-Flughäfen - Köln, Dortmund, Düsseldorf und Münster/Osnabrück - Corona-Testzentren*, an denen sich Rückkehrer aus Risikogebieten auf das Coronavirus testen lassen sollen. Gut möglich, dass die Fallzahlen in den kommenden Tagen also weiter steigen werden. Bislang, so das RKI gegenüber dem Deutschlandfunk, machten Menschen, die aus dem Ausland zurückkehrten, nur zehn Prozent aller Neuinfektionsfälle aus.

Coronavirus in NRW: Anpassung der Coronaschutzverordnung

Mitte Juli wurde die Coronaschutzverordnung in NRW angepasst und damit weitere Regelungen gelockert. Das betraf vor allem Feste und Partys aus besonderem Anlass - etwa Hochzeiten. Bis zu 150 Personen waren ab diesem Zeitpunkt erlaubt.

Seitdem meldeten Gesundheitsämter in NRW immer wieder Ausbrüche nach Feiern dieser Art: In Bielefeld infizierten sich Teilnehmer einer Verlobungsfeier mit 30 Teilnehmern, in Monheim und Langenfeld steckten sich 48 Personen mit dem Coronavirus an, nachdem sie Hochzeitsfeiern besucht hatten. Zuletzt mussten nach einer Hochzeitsfeier in Geldern 100 Personen auf das Virus getestet werden.

NRW: Lockerungen für Feiern und Sport-Events trotz Coronavirus

Zeitgleich mit der Lockerung für private Feiern nahm das Land NRW auch Beschränkungen im Bereich des Sports zurück. Seit Mitte Juli dürfen in der Halle 30 statt zuvor 10 Menschen an Sportveranstaltungen teilnehmen. Die Zuschauerzahl wurde für Sportevents von 100 auf 300 hochgeschraubt. Bislang gibt es in diesem Bereich allerdings keine publik gewordenen Ausbrüche.

Anders sieht es im Bereich der Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen aus. In Bochum etwa brach das Virus in gleich zwei Krankenhäuser aus, 21 Menschen infizierten sich. Auslöser für den Corona-Ausbruch war offenbar ein Covid-19-Patient, der als hochansteckend galt und einige Mitarbeiter mit dem Virus infiziert hat. Masken des Personals seien möglicherweise verrutscht, so die Erklärung.

Coronavirus in NRW: Ausbrüche auch am Arbeitsplatz möglich

Und auch am Arbeitsplatz gab es in NRW (hier mehr Artikel aus dem Ressort auf RUHR24.de lesen*) im Juli lokale Corona-Ausbrüche - etwa auf einem Obsthof in Swisttal bei Bonn, wo sich 19 Erntehelfer infizierten. Anders als beim Corona-Ausbruch bei Tönnies in Gütersloh, lebten die Erntehelfer allerdings nicht im Sammelunterkünften, sondern in Zweier-Containern.

Es gibt also nicht den einen Grund, warum die Corona-Fallzahlen in NRW aktuell steigen. Es ist eine Summe vieler Faktoren, die durch unvorsichtiges Verhalten verstärkt wird. Das Robert Koch-Institut fordert daher dazu auf Abstands- und Hygieneregeln konsequent einzuhalten – auch im Freien, Innenräume lüften und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung korrekt zu tragen.* *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Tobias Schwarz/dpa