Wichtige Arbeit?

1200 Euro am Tag: Warum Ärzte in Impfzentren so großzügig entlohnt werden

Ärzte, die in NRW die Corona-Impfung verabreichen, sollen dafür pro Stunde 150 Euro Lohn bekommen. Ist dieses Gehalt fair oder völlig überzogen? Ärztevertreter verteidigen das Honorar.

Update, Montag (14. Dezember), 16.24 Uhr: Inzwischen hat sich die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zum Honorar für die Ärzte in den Impfzentren geäußert. Gegenüber RUHR24 heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, viele Ärzte hätten sich bereits vor der Diskussion um die 150 Euro Lohn pro Stunde gemeldet, um in den Impfzentren zu arbeiten. „Dies zeugt von einem hohen Engagement“, so eine Sprecherin, die betont, dass Ärzte und medizinisches Fachpersonal seit einem Jahr einer „anhaltend hohen Arbeitsbelastung“ ausgesetzt seien.

150 Euro pro Stunde für Ärzte in Corona-Impfzentren - KVWL rechtfertigt Honorar

Zur Kritik, das Honorar von 150 Euro die Stunde für impfende Ärzte in Impfzentren heißt es von der KVWL, die Ärzte trügen eine „hohe medizinische sowie gesellschaftliche Verantwortung“ und würden einer „enorm hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt“ sein.

Die Sprecherin weist darauf hin, dass Ärzte, die in Impfzentren zum Einsatz kommen, nicht ihrer Praxis tätig sein könnten. Dieser Umstand müsse kompensiert werden. „Dieses große, freiwillige Engagement und die außerordentliche Verantwortung der Mediziner im Rahmen dieses Jahrhundertereignisses muss sich deshalb auch in einer entsprechenden finanziellen Vergütung wiederfinden.“

Erstmeldung, Samstag (12. Dezember), 16 Uhr: Dortmund – Der Mindestlohn in Deutschland liegt derzeit bei 9,50 Euro die Stunde. Klar, Ärzte bekommen aufgrund ihrer enormen Verantwortung deutliche höhere Stundenlöhne. Das Honorar für Ärzte, die in Impfzentren in NRW die Corona-Impfung verabreichen sollen, ist allerdings um ein vielfaches höher. Sie sollen laut ersten Plänen 150 Euro bekommen – pro Stunde.

NameKassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe
AdresseRobert-Schimrigk-Straße 4-6, 44141 Dortmund
VorstandsvorsitzenderDr. med. Dirk Spelmeyer

150 Euro die Stunde Honorar für Ärzte in NRW-Impfzentren geplant

Für die vielen Impfzentren in NRW suchen die Kassenärztlichen Vereinigungen im Land derzeit freiwillige Helfer – etwa Ärzte, die die Impfungen gegen das Coronavirus verabreichen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) etwa sucht derzeit hauptsächlich Mitarbeiter zweier Berufsgruppen:

  • Ärzte
  • Medizinisches Fachpersonal (Arzthelfer, Krankenpfleger, Sanitäter, etc.)

In Westfalen-Lippe ist die KVWL beauftragt, in den Impfzentren den medizinischen Teil zu verantworten. Dazu gehört auch die Besetzung der Impfzentren mit Ärzten, die dort die unmittelbare Impfaufklärung übernehmen. Sie sollen auch die Impffähigkeit feststellen und gegebenenfalls die Impfung gegen das Coronavirus durchführen bzw. die Impfungen unter ärztlicher Aufsicht an medizinisches Fachpersonal delegieren.

1200 Euro am Tag für Ärzte in Corona-Impfzentren in NRW geplant

Als Honorar sollen die Ärzte laut aktuellen Plänen 150 Euro die Stunde dafür erhalten. Bei einer Acht-Stunden-Schicht wäre das ein Tagesverdienst von 1200 Euro. Aktuell laufen Verhandlungen mit dem NRW-Gesundheitsministerium.

Zum Vergleich: Vollzeitbeschäftigte in nordrhein-westfälischen Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäusern haben 2019 laut Statistischem Landesamt einen durchschnittlichen Bruttojahresverdienst von 59.203 Euro erzielt. Also 4933 Euro in Monat. Dieses Gehalt hätten Ärzte in den NRW-Impfzentren nach etwas mehr als vier Arbeitstagen im Portemonnaie.

Ärzte an kommunalen Krankenhäusern verdienen laut Tarifvertrag-Ärzte/VKA ab dem 1. Januar 2021 zwischen 4694 Euro (Einstiegsgehalt) und 9782 Euro (Endstufe) im Monat.

Kritik an Honoraren für Ärzte in Corona-Impfzentren

Sind 150 Euro die Stunde für die Arbeit in einem Corona-Impfzentrum angemessen? Erste Kritik regt sich bereits in Rheinland-Pfalz, wo die Honorare ähnlich sein sollen wie in Westfalen-Lippe. Gegenüber dem SWR gaben mehrere Ärzte an, das Honorar sei unverhältnismäßig. Ethiker kritisieren ebenfalls die Höhe des Stundenlohns.

In Dortmund entsteht ein Corona-Impfzentrum in der Warsteiner Music Hall.

Die Regierung in Rheinland-Pfalz verteidigt die hohen Honorare. Die Arbeit in Impfzentren sei anspruchsvoll. Von der Kassenärztliche Vereinigung in Rheinland-Pfalz heißt es gegenüber dem SWR, man wolle die Ärzte schützen, die für ihre Arbeit in den Impfzentren die ausgehandelte Vergütung für ihr ärztliches Unternehmen benötigten. Die KVWL hat eine Anfrage von RUHR24.de am Wochenende noch nicht beantwortet.

Steuergelder für hohe Arzthonorare in Corona-Impfzentren – Kritik wird laut

Kritiker verweisen auf die Steuergelder, mit denen die Ärzte in den Impfzentren bezahlt würden. Denn: Die Kosten für Betrieb und Einrichtung der NRW-Impfzentren – darunter auch die Personalkosten – tragen je zur Hälfte Bund und Land (Hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen).

Während die Ärzte 150 Euro die Stunde erhalten sollen, soll das medizinische Fachpersonal laut einem Bericht des Sauerlandkuriers* nur 30 Euro die Stunde bekommen – sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig. *Der Sauerlandkurier gehört - wie RUHR24.de - zum Ippen-Digital-Netzwerk.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa (Symbolfoto)

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