Kommentar

Corona-Beschlüsse: Die Friseur-Öffnungen sind ein Fiasko und an Lächerlichkeit kaum zu überbieten

Einen Tag nach dem Corona-Gipfel irritiert ein Beschluss noch immer, findet RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi. Was verdammt nochmal hat es mit den Friseuren auf sich?

Dortmund - Sollen wir uns jetzt darüber freuen, dass wir ab dem 1. März wieder zum Friseur dürfen? So ganz legal und nicht versteckt in einem Hinterzimmer oder gar daheim? Oder ist der Beschluss des jüngsten Corona-Gipfels an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten?

AnlassBund-Länder-Gipfel
Datum10. Februar 2021
GrundCorona-Pandemie

Corona-Beschlüsse: Friseure werden gegenüber anderen Betrieben bevorzug

Fest steht: Warum sich Bund und Länder ausgerechnet dazu entschieden haben, nur den Friseuren den Wiedereinstieg ins Geschäft trotz Corona-Pandemie zu gewähren, dürfte vielen anderen Betrieben sauer aufstoßen.

Was ist zum Beispiel mit den Tattoo- und Nagelstudios, den Kosmetiksalons? Inwiefern ist die Ansteckungsgefahr dort größer, als bei einem Friseur? Und wie ist zu erklären, dass eine ordentliche Frisur wichtiger ist, als eine gepflegte Haut?

Corona-Beschlüsse: Brauchen Teile der Bundesregierung mal wieder einen Friseur-Besuch?

Nicht falsch verstehen: Dass Friseure ab März wieder öffnen dürfen, gönne ich ihnen aus ganzem Herzen. Viele Betriebe kämpfen derzeit um ihre Existenz. Nur scheint diese Entscheidung gegenüber anderen Betrieben höchst unfair. Oder brauchte da wer aus der Bundesregierung mal wieder ganz offiziell ne frische Dauerwelle?

Es wirkt so, als sei der Friseur-Beschluss eine Art populistisches Bonbon für die Bevölkerung. Nach dem Motto: „Dann hält man den nächsten Lockdown etwas besser durch und es wirkt so, als ginge das Leben langsam weiter.“

Friseur-Öffnungen bei Corona-Gipfel: Wieder ein Geschenk für die Alten?

Böse Zungen dürften behaupten, mit dem peinlichen Friseur-Beschluss ist wieder mal einer Bevölkerungsgruppe entgegengekommen worden: den Alten. Dabei wäre Impfstoff für die Alten statt neuer Farbstoff für die Figaros viel dringender nötig. Und so heißt es dennoch zur Begründung im Papier der Ministerpräsidentenkonferenz:

„Vor dem Hintergrund der Bedeutung von Friseuren für die Körperhygiene und der jetzt bereits seit längerem bestehenden Schließung erscheint es erforderlich, die Inanspruchnahme zu ermöglichen, da erhebliche Teile der Bevölkerung, insbesondere ältere Menschen, auf diese angewiesen sind.“

Nicht nur Friseure, sondern auch den Einzelhandel öffnen

Ich meine: Wenn man Friseure wieder öffnen kann, dann kann der Einzelhandel auch wieder die Pforten aufmachen. Natürlich unter strengen Auflagen und Hygienemaßnahmen. Immerhin besteht in den meisten Geschäften nicht die Gefahr, dass man sich wie bei einem Friseur teils stundenlang zu nahe kommt.

Schon jetzt sind die Innenstädte ohnehin wieder gut gefüllt - der Click-and-Collect-Regelung sei Dank. Mit einer gesteigerten Infektionsgefahr auf dem Weg zur City dürfte die Bundesregierung also nicht kommen (hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen).

Dass die Bundesregierung jetzt mit einer Klagewelle von Einzelhändlern und anderen Berufsgruppen rechnen kann, scheint sicher. Und ehrlicherweise hat sie es verdient. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autoren und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Michael Sohn/dpa

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