Pandemie

Jens Spahn schließt jetzt Corona-Lockdown für alle nicht mehr aus

Jens Spahn
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Jens Spahn (CDU) muss kurz vor seinem Abtritt als Gesundheitsminister eine heikle Corona-Situation entschärfen.

Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler haben Stellung zur aktuellen Corona-Situation bezogen. Sie sprechen von einer „nationalen Notlage“.

Deutschland - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler habe in einer Pressekonferenz über die aktuelle Corona-Situation informiert - und ein düsteres Bild gezeichnet. „Es ist zehn nach zwölf“, wetterte Spahn und sprach von einer „Notlage“. Wie dramatisch die Situation ist, zeigen auch Maßnahmen auf den Intensivstationen, die derzeit diskutiert werden.

Corona-Pandemie in Deutschland: Spahn und Wieler informieren über kritische Lage

Die Zahl der Neuinfektionen habe sich laut Spahn in den vergangenen vier Wochen verfünffacht. In knapp einem Viertel der Landkreise liege die Inzidenz über 500. Die bittere Konsequenz: „Alleine mit Impfen, mit Boostern werden wir die Welle nicht brechen“, so Spahn bitter. Es seien auch Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder auch ein Lockdown für Ungeimpfte notwendig.

Auch RKI-Chef Lothar Wieler rief dazu auf, selbst Verantwortung zu zeigen und seine Kontakte zu reduzieren, sich bei Treffen mit RIsikogruppen auch als Geimpfter zu testen und Veranstaltungen in Innenräume zu meiden.

Auf die Nachfrage nach einem Lockdown auch für Geimpfte, antwortete Spahn: „Sind in einer Lage, in der man nichts ausschließen sollte.“ Dennoch wolle man zunächst versuchen, ohne Lockdown für Geimpfte die Welle zu brechen. „Haben gehofft durch die Impfung einen besseren Winter zu haben“, gab sich Spahn resigniert. Dennoch sei man trotz Impfmöglichkeiten derzeit in der „gar schwersten Lage“ der Pandemie.

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Corona: Intensivpatienten droht möglicherweise sogar Verlegung ins Ausland

Auch die Situation auf den Intensivstationen spitze sich zu: „15 Prozent aller Betten sind mit Corona-Patienten belegt“, so RKI-Chef Wieler. Das hätte auch Auswirkungen auf Menschen mit anderen schweren Krankheiten wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Spahn sprach auch an, dass man frühzeitig über Verlegungen von Intensivpatienten sprechen müsse. Dabei könne es bald auch soweit sein, dass Intensivpatienten nicht nur in ihrem Umkreis („Kleeblatt“-Prinzip) verlegt werden, sondern man erstmalig auch über Verlegungen in weiter entfernte Regionen oder sogar ins Ausland nachdenken müsse. „Wir sind im Austausch“; so Spahn. Bereits ins Ausland verlegt wurden bereits zwei Corona-Patienten aus Bayern. Sie kamen in Krankenhäuser im norditalienischen Bozen und Meran (Südtirol).

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