Hoffnungsvolle Forschung

Neues Corona-Medikament aus dem Ruhrgebiet soll Krankheit schneller bekämpfen

Die Uniklinik Essen forscht an einem neuen Corona-Medikament. Wenn alles glattläuft, könnte es schon bald auf den Markt kommen. Doch es stehen noch Tests an.

Essen - Die Corona-Pandemie hat die Welt seit mittlerweile anderthalb Jahren fest im Griff. Mehr als die Hälfte der Deutschen ist zwar vollständig gegen das Virus geimpft, doch die Inzidenzen nehmen vielerorts wieder zu. Eine Forschergruppe aus Essen tüftelt nun an einem Medikament, dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 schneller abklingen lassen und Symptome mildern soll.

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Uniklinik Essen: Neues Corona-Medikament in der Entwicklung - das ist der Forschungsstand

Wie Prof. Dr. Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Essen, gegenüber der WAZ (Bezahlinhalt) erzählte, hätten er und sein Team bereits Tests an menschlichen Zellen durchgeführt. Die ersten Ergebnisse versprachen bereits Erfolg. Sollten weitere Untersuchungen positiv verlaufen, könnte das Medikament irgendwann in Krankenhäusern und Kliniken zum Einsatz kommen. Bis dahin dauert es aber wohl noch.

Mittelpunkt der Forschung um das neue Corona-Medikament ist der menschliche Abwehrstoff „Interferon“. Dabei handelt es sich um einen körpereigenen Immun-Baustein, den Zellen bilden, sobald sich der Körper mit Viren infiziert. Interferonen sorgen dafür, dass sich das Virus schlechter bis gar nicht mehr ausbreiten kann und umliegende Zellen infiziert.

Neues Corona-Medikament der Uniklinik Essen basiert auf körpereigenem Immun-Baustein

Interferone gibt es in verschiedenen Klassen, die wiederum mehrere Varianten haben. Das Interferon, welches von der Uniklinik Essen untersucht wird, hat insgesamt zwölf Untertypen, die sich zwar genetisch ähneln, aber eine unterschiedliche biologische Wirkung haben.

Nur einer dieser Interferon-Untertypen wurde bislang untersucht, allerdings ohne Erfolg. Er wirkt nicht gegen Covid-19. Deshalb hat sich das Team an der Uniklinik Essen die anderen elf Typen genauer angesehen und siehe da: Vier von ihnen sind wesentlich wirksamer gegen Sars-CoV-2. Der Stoff soll bei einer Infektion mit dem Coronavirus die noch nicht befallenen Körperzellen vor einer Infektion schützen und so dafür sorgen, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet. Eine Covid-19-Erkrankung dürfte dadurch deutlich schneller abklingen (mehr Nachrichten zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Corona-Medikament der Uniklinik Essen: Ergebnisse von Tierversuchen könnten im August vorliegen

Gemeinsam mit einer Wuppertaler Firma hat das Essener Forschungsteam den Wirkstoff nun künstlich hergestellt. Erste Tests an menschlichen Zellen wurden bereits durchgeführt. Im nächsten Schritt sollen dann Tierversuche mit Corona-infizierten Mäusen vorgenommen werden. Dazu arbeitet die Uniklinik mit Forschern aus Kanada zusammen. Mit ersten Ergebnissen sei bereits im August zu rechnen.

Sollten die Tierversuche gut verlaufen, folgt eine klinische Studie mit freiwilligen Probanden, bei denen die Nebenwirkungen des Wirkstoffs untersucht werden sollen. Erst nach weiteren Tests könnte das Corona-Medikament schließlich zum Einsatz kommen (mehr News aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24).

Das Universitätsklinikum in Essen forscht derzeit an einem neuen Medikament gegen das Coronavirus.

Covid-19-Erkrankung: Aktuell kein hochwirksames Medikament auf dem Markt

Wann das sein wird? Laut Professor und Chef-Virologe Dittmer wohl nicht mehr in diesem Jahr. Wie er im Interview mit der WAZ verriet, ist mit einer Veröffentlichung wohl erst im Herbst oder Winter 2022 zu rechnen.

Aktuell ist noch kein hochwirksames Medikament gegen das Coronavirus auf dem Markt. Hoffnung auf Normalität machen aktuell ausschließlich die Impfungen, die in Deutschland immer weiter zunehmen. Mittlerweile sind mehr als die Hälfte der Bundesbürger gegen Sars-CoV-2 geimpft.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Virus komplett verschwinden wird. „Auch in den nächsten Jahren werden Menschen an Covid-19 erkranken“, meint Dittmer. Bedarf für ein Medikament gibt es demnach allemal. Aktuell sind zur Behandlung einer Covid-19-Erkrankung das Mittel „Remdesivir“ sowie ein Verfahren mit Antikörpern zulässig.

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