Bei Illner

Corona-TV-Talk: Karl Lauterbach und NRW-Virologe Streeck zoffen sich über Pandemie-Ende

In der Talkshow Maybrit Illner wurde unter anderem zum möglichen Wegfall von Corona-Maßnahmen diskutiert. Zwei Experten haben ihren Streit weiter ausgetragen.

Dortmund - Seit dem 9. Juli gibt es in NRW massive Corona-Lockerungen. In England sollen ab dem 19. Juli sogar alle wegfallen. Ist das auch in Deutschland möglich? Diese und weitere Fragen wurden am Donnerstag (7. Juli) in der Talkshow von Maybrit Illner im ZDF diskutiert. Zwischen Virologe Hendrik Streeck und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wurde das Gespräch besonders hitzig.

NameMaybrit Illner
Geboren12. Januar 1965 (Alter 56 Jahre), Ost-Berlin
AusbildungUniversität Leipzig

Streeck und Lauterbach zu Gast bei Illner: Ist Corona im August vorbei?

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte vor kurzem, dass die Pandemie politisch vorbei sei, sobald alle Bürger ein Impfangebot erhalten hätten. „Damit ist im Laufe des Augusts zu rechnen“, so Maas gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Ist das wirklich der Fall? Diese und weitere Fragen waren Thema in der Sendung von Maybrit Illner.

So widersprach Lauterbach hat dem Minister deutlich: „Nein, das wird nicht stattfinden und ist auch rein rechnerisch weit von der Realität. Das Impftempo ist zurückgegangen, daher sind wir niemals in der Lage, schon Mitte oder Ende August zu einer Herdenimmunität zu kommen.“

Ebenfalls zur Gast in der Sendung waren:

  • Anna Schneider (Chefreporterin bei Die Welt)
  • Karl-Josef Laumann (CDU-Politiker und Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen)
  • Christina Berndt (Wissenschaftsjournalistin der Süddeutschen Zeitung)

Streeck greift Lauterbach im TV an: Corona-Aussagen falsch wiedergegeben

Insgesamt waren die Meinungen zu Corona-Lockerung in der Talkshow gespalten. Lauterbach etwa hatte bereits vor einigen Tagen deutlich gemacht, dass ihn die neuen Lockerungen in NRW überraschen würden. In der Show von Iller erklärte er erneut, dass Lockerungen ein „falsches Signal“ seien. In einem Punkt herrscht zwischen allen Gästen außerdem Einigkeit: Möglichst viele Menschen sollen sich gegen Corona impfen lassen.

Bei einer sachlichen Diskussion blieb es aber nicht während der gesamten Sendung. So warf NRW-Virologe Streeck dem SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach vor, dass dieser die Gesellschaft spalten würde. „Ich finde es höchst unanständig, wie Sie mir in Interviews unterstellen, dass ich den Lockdown überflüssig finde. Ich habe drei-, viermal gesagt, dass ich den Lockdown alternativlos finde“, so Streeck zum Politiker. „Damit tragen Sie zur Spaltung bei . Und das hat so einen Wahlkampfstil, der in der Pandemie nicht angebracht ist.“

Der Vorwurf: Lauterbach würde differenzierte Aussagen „brutal“ verkürzt wiedergeben. Streeck hat das Vorgehen der Politik während der Corona-Pandemie immer wieder kritisiert. „Momentan hangeln wir uns von Verordnung zu Verordnung. Mir fehlt ein Langzeitplan“, sagte er etwa im Februar im Interview mit der Apotheken Umschau. Im April 2021 sprach der Virologe sich schließlich auch gegen einen erneuten Lockdown und Ausgangssperren aus.

Corona-Diskussion bei Illner: nicht der erste Streit zwischen Lauterbach und Streeck

Schon damals kam es zur Auseinandersetzung zwischen Streeck und Lauterbach, nachdem dieser den NRW-Virologen in der Talksendung „Markus Lanz“ öffentlich kritisierte. Streeck twitterte anschließend: „Karl Lauterbach würde gut daran tun, sich weniger mit Schlagzeilen-Kreation hervorzutun.“

In der Diskussionsrunde von Maybrit Illner ruderte Lauterbach nun aber zurück. „Das ist keine Majestätsbeleidigung. Wo mir etwas gefällt, lobe ich das – und wo nicht, kritisiere ich in der Sache. So mache ich es auch mit Ihnen“, verteidigt sich der SPD-Experte und lenkt ein: „Ich schätze Ihre Qualifikation und Arbeit.“ Er habe Streeck noch nie persönlich kritisiert (alle News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Karl Lauterbach (SPD) habe Hendrik Streeck nie persönlich kritisiert.

Corona-Experten: Streeck und Lauterbach trotzdem uneinig

Auch wenn damit versöhnliche Worte gefallen sind, uneinig scheinen sich die Experten bezüglich wissenschaftlicher Erkenntnisse auch weiterhin zu sein. „Der Schutz vor schweren Verläufen liegt nur bei 93 Prozent“, zitiert Lauterbach eine aktuelle Studie aus Israel zu Corona-Impfungen und deren Wirkung auf die Delta-Variante des Virus.

Aber Streeck hat dem klar widersprochen. Der Schutz läge bei 98 Prozent, bestätigte auch die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt in der Sendung. Welcher Experte während der Pandemie öfter recht behalten hat, schien Illner noch in ihrer Talkshow klären zu wollen. Die Moderatorin fragte zuerst Streeck, an welchen Punkten er geirrt habe.

„Es geht doch gar nicht darum, wer liegt richtig und wer liegt falsch“, antwortete der Virologe. Als Nächstes wollte sie von Lauterbach wissen, wo Streecks größten Fehler liegen. Der SPD-Gesundheitsexperte ließ sich aber nicht darauf ein, sondern bezog die Frage auf sich selbst: „Wo ich definitiv falsch lag, war beim Fußball.“

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld, Federico Gambarini/dpa; Collage: RUHR24

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