Kommentar

Von wegen harter Lockdown: Corona darf zwei Tage weiterwüten - und an Weihnachten macht das Virus Pause?

Im Dezember greifen - endlich - härtere Corona-Regeln in NRW. Doch der Schritt hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, findet RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund – Bund und Länder haben die Reißleine gezogen, ab dem 16. Dezember geht ganz Deutschland in einen härteren Lockdown. Und das ist gut so - aber im Grunde längst überfällig.

Name des VirusCoronavirus, Sars-Cov-2
Name der ausgelösten KrankheitCovid-19
Corona-Fälle in NRW seit Pandemie-Beginn314.936 (Stand: 13. Dezember 2020)

„Harter Lockdown“ im Dezember – sind die neuen Corona-Regeln wirklich so hart?

Wobei – „härter“ und „Lockdown“? So richtig hart sind die neuen Regeln eigentlich nur für den Einzelhandel und manche körpernahe Dienstleister. Kurz vor Weihnachten, der umsatzstärksten Jahreszeit, müssen viele Händler ihre Pforten schließen.

Dann bestellen wir unseren Kram halt online beim reichsten Menschen der Welt und sparen uns den Weg in die überhitzen und vollen Geschäfte.

Geschlossene Geschäfte im Dezember: Neue Corona-Regeln ab dem 16. Dezember

Ist es hart, dass wir jetzt nicht mehr in überfüllte Innenstädte können, um dem Weihnachtskommerz zu frönen? Ich denke nicht. Zumal wir ja jetzt noch bis zum 16. Dezember Zeit dazu haben. Nach dem Motto: „Dann tobt euch zwei Tage noch aus.“

Denn der „harte“ Lockdown beginnt nicht sofort, sondern erst mit zwei Tagen Puffer nach der Bund-Länder-Konferenz. Damit wir uns nochmal am Montag und Dienstag so richtig schön ins Getümmel stürzen können. Das Coronavirus wird darauf sicherlich keine Rücksicht nehmen - und gemütlich weiterwüten.

Private Treffen im Dezember: Corona-Regeln nahezu wie zuvor

Spannend ist auch die aktuelle Empfehlung von Bund und Ländern für private Treffen. Im Grunde, so die neuen „harten Regeln“, bleibt in NRW (fast) alles wie zuvor. Das Versagen der Politik geht also weiter.

Erlaubt sind Treffen zwischen zwei Hausständen und maximal fünf Personen. Diese Regeln gelten seit Wochen – und die Corona-Zahlen sinken trotzdem nicht. Oder kann es sein, dass sich ein paar Leute nicht daran halten?

Corona macht an Weihnachten offenbar eine Pause

Das Coronavirus macht an Weihnachten übrigens offenbar Pause in Deutschland – und spätestens 14 Tage später ist das Geschrei beim Blick auf die Zahlen groß. Denn zwischen dem 24. und dem 26. Dezember dürfen wir uns munter mit mehr als zwei Haushalten oder 5 Personen treffen. Das ist übrigens nur eine Empfehlung, keine Regel. Narrenfreiheit für Covid-19! Als Geschenk gibt‘s dieses Jahr ein asymptomatisches Coronavirus unterm Weihnachtsbaum.

Apropos Empfehlung: Die gibt es auch für Schulen und Kitas. Die Regierenden überlassen die Entscheidung den Eltern, ob sie ihre Kinder betreuen lassen - oder nicht. Die Empfehlung lautet: Wo auch immer es geht, die Kinder lieber daheim lassen. Die Eltern geraten damit in eine (moralische) Zwickmühle.

Und dann wären da die ach so knüppelharten Versammlungsverbote für Silvester, die erst gut zwei Wochen vor dem Jahreswechsel beschlossen wurden. Als sei die Entscheidung, das Knallen in 2020 ausfallen zu lassen, eine so schwerwiegende, dass man darüber wochenlang grübeln müsse.

Nein, wirklich hart ist das alles für die allermeisten von uns – mit Ausnahme mancher Wirtschaftszweige – nicht. Hart wäre, wenn wir nicht mehr vor die Tür dürften. Niemandem von uns wäre das zu wünschen. Und ich hoffe, dass es dem Land erspart bleibt, weil ich nach wie vor an die Vernunft der Menschen glaube.

Corona: Der entscheidende Faktor sind wir

Aber es sollte keiner glauben, dass geschlossene Geschäfte die Zahlen drastisch zum Einknicken bringen, während wir uns zum Ausgleich daheim zur privaten Kaffeetafel treffen und bei der Mittagspause am Arbeitsplatz mit den Kollegen eng an eng über die neusten Corona-Maßnahmen debattieren.

Der entscheidende Faktor im Kampf gegen Corona, das sind wir. Denn auf Maßnahmen der Politik, die wirklich greifen, dürfen wir uns nicht verlassen. Und solange wir das nicht verstanden haben, wird sich an den Zahlen auch nicht viel ändern (hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen). Hinweis: Dieser Artikel entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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