Neue Erkenntnisse

Überraschendes Phänomen in Krankenhäusern wegen Corona: NRW-Experte ist besorgt

Corona Station Krankenhaus
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Sind Krankenhäuser wegen Corona ausgelastet? Neue Erkenntnisse überraschen.

In NRW grassiert noch immer das Coronavirus. Was bedeutet das für die Arbeit im Krankenhaus? Die AOK teilt überraschende Ergebnisse über die Belegung der Betten.

NRW - Im ersten Corona-Lockdown sollte vor allem eine Triage verhindert werden. Auch im Frühjahr 2021 ist das noch immer eines der Anliegen der Corona-Schutzverordnung der Bundesregierung. Doch wie viele Intensivbetten wurden in NRW zwischenzeitlich wirklich belegt?

KrankheitCorona, Covid-19
ErregerSars-CoV-2
Symptome (unter anderem)Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Corona im Krankenhaus: AOK teilt Erkenntnisse über Intensivbetten

Die AOK Nordwest teilt ihre Erkenntnisse dazu im Krankenhausreport 2021 mit. Demnach sollen während der zweiten Corona-Welle viele Klinikbetten in Westfalen-Lippe leer geblieben sein. Von Oktober 2020 bis Januar 2021 wurde ein Fallzahlenrückgang verzeichnet: In der zweiten Coronawelle (Zeitraum Oktober 2020 bis Januar 2021) fallen die Fallzahlen mit 19,3 Prozent geringer aus als im Frühjahr 2020 (März bis Mai 2020) mit 27,1 Prozent.

Weniger Fälle im Krankenhaus gab es aber nicht nur bei Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Auch soll es weniger Klinikeinweisungen im Zusammenhängen mit Schlaganfällen oder einem Herzinfarkt gegeben haben. „Das gibt Anlass zur Sorge“, erklärt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann. „Wir appellieren dringend an die Bevölkerung, bei Notfallsymptomen auch unter den Bedingungen der Pandemie nicht zu zögern und umgehend den Notruf zu wählen.“

Die AOK-Auswertung ergab außerdem eine „anhaltend hohe Sterblichkeitsrate“ bei stationären Corona-Patienten in NRW. Demnach erliegen im bevölkerungsreichsten Bundesland 14 Prozent dem Virus (mehr aktuelle News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Corona in NRW: Weniger Krebsoperationen im Krankenhaus

Auch bei Krebsoperationen meldet die AOK Rückgänge im vergangenen Jahr. Bei Eingriffen wegen Brustkrebs wurden während der ersten Pandemiewelle (März bis Mai 2020) fünf Prozent weniger verzeichnet also noch im Vorjahreszeitraum. In den Sommermonaten waren es sogar 15 Prozent weniger. In der zweiten Pandemiewelle (Oktober 2020 bis Januar 2021) habe sich die Situation entspannt, die Fallzahlen bei Krebsoperationen fielen allerdings weiterhin um fünf Prozent geringer aus.

Video: Ärzteverband: Können bald nicht mehr alle Patienten behandeln

Auch die rückläufige Entwicklung bei ambulanten Behandlungen sei bemerkenswert. Hierbei handelt es sich um Behandlungen, die nach Einschätzung der Ärzte nicht unbedingt einen Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen müssen. Als Beispiel nennt die AOK eine Herzinsuffizienz. Hier sanken die Fallzahlen in der ersten Pandemiewelle im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um 27 Prozent.

„Wir wissen nicht, ob diese Patienten, die nicht ins Krankenhaus gekommen sind, bei Bedarf ambulant versorgt worden sind. Der durchgängige Rückgang in der Pandemie könnte aber auch ein Hinweis auf eine stationäre Überversorgung dieser Patientengruppen sein“, so Ackermann. Laut ihm könnte das weitreichende Konsequenzen haben. „Es wird sich zeigen, ob die Corona-Pandemie in diesem Bereich der Versorgung eventuell einen dauerhaften Strukturwandel befördert.“

AOK teilt Erkenntnisse: Männer haben häufiger schwere Corona-Verläufe

Die Auswertung der AOK beinhaltet auch die Versorgung der stationär behandelten Corona-Patienten in NRW. Bei Patienten die beatmet wurden, lag die Sterblichkeit demnach mit 54 Prozent deutlich höher aus bei nicht-beatmeten (acht Prozent). Männer seien dabei häufiger von einem schweren Verlauf der Krankheit betroffen. 66 Prozent der beatmeten Patienten waren männlich.

Das durchschnittliche Alter der Covid-19-Patienten in Kliniken in Westfalen-Lippe liegt bei 62 Jahren, das der Beatmeten bei 68 Jahren. „Experten befürchten aber, dass mit dem erneuten Anstieg der Infektionszahlen und der Verbreitung der neuen Virusvarianten zunehmend jüngere, noch nicht geimpfte Menschen im Krankenhaus und auf den Intensivstationen behandelt werden müssen“, erklärt Ackermann.

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