Beschäftigte am Limit

Corona-Alarm in NRW-Kitas: Beschäftigte stellen Forderungen wegen schlimmer Zustände

Kinder mit Spielzeig
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Verdi schreibt in dem Brief von „Personalengpässen“ und „Überlastungssituation“ in NRW-Kitas aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen.

Die Belastung durch Corona wird in den Kitas in NRW offenbar größer. Jetzt gibt es Forderungen an die NRW-Landesregierung.

Düsseldorf – Die Lage scheint ernst zu sein in den Kitas in NRW. So ernst, dass sich die Gewerkschaft Verdi dazu veranlasst sieht, NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) einen offenen Brief zu schreiben. Der Tenor: Viele Kita-Beschäftigte stünden in NRW vor dem Kollaps.

Name des VirusCoronavirus / Sars-Cov-2
Ausgelöste KrankheitCovid-19
ÜbertragungTröpfcheninfektion

Corona-Lage in Kitas: Verdi schlägt in NRW Alarm

Verdi schreibt in dem Brief von „Personalengpässen“ und „Überlastungssituation“ aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen. Die Gewerkschaft fordert die Einführung eines eingeschränkten Regelbetriebs und den Einsatz von sogenannten Alltagshelfern.

Zum Hintergrund: Im Oktober hätten wegen Verdachts- oder Infektionsfällen 339 Einrichtungen teilweise und 291 Kitas ganz dicht machen müssen, teilte das NRW-Familienministerium am Donnerstag (5. November) dem WDR und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Rund 93 Prozent der etwa 10.500 Kitas in NRW konnten demnach im Oktober normal öffnen.

Coronavirus und Kitas in NRW: Verdi stellt „Unverständnis, Wut und Ärger“ fest

Sorge bereiten Verdi die aktuell steigenden Coronazahlen in der gesamten Bevölkerung in NRW. Die Kita-Beschäftigten seien in „permanenter Schutzlosigkeit“, es mache sich „Unverständnis, Wut und Ärger“ in der Belegschaft breit. Mit dem aktuell zur Verfügung stehenden Personal sei der Betrieb vieler Kitas in Coronazeiten laut Verdi nicht mehr aufrechtzuerhalten. NRW-Familienminister Joachim Stamp jedoch betont: „Kinder sind keine Pandemietreiber.“

Nordrhein-Westfalens stellvertretender Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) hält die Corona-Maßnahmen in Kitas für ausreichend.

Verdi hält dagegen, selbst wenn der Betrieb durch ausreichendes Personal gesichert sei, könne etwa nicht ausreichend gelüftet werden, weil die Erkältungsgefahr für Kleinkinder beim Wickeln zu groß sei. Zudem kritisiert die Gewerkschaft, dass Kinder, deren Geschwister in Quarantäne seien, Kitas trotzdem besuchen dürften.

Coronavirus in NRW: Verdi fordert Etablierung fester Kita-Gruppen

Verdi fordert die Etablierung fester Kita-Gruppen, die aber durch das wenige Personal nicht umgesetzt werden könnten. Es fehle zudem an ausreichend Hygienematerial. Zumindest dafür gibt es von der Landesregierung eine erste Rückmeldung: Dem Kita-Personal sollen zwei Millionen FFP2-Masken zeitnah zur Verfügung gestellt werden.

Unterdessen berichtet die Gewerkschaft, dass Kitapersonal im privaten Bereich ausgegrenzt werde, weil in den Kitas der Infektionsschutz nicht eingehalten werden könne.

Kita-Angebot ein NRW einschränken: Gewerkschaft fordert wegen Corona drastischen Schritt

Verdi sehe keinen anderen Weg, als das Angebot in Kitas einzuschränken. Möglich sei auch die Ausweitung des Programms „Alltagshelfer*innen“, als zusätzliche Kräfte, die im nicht-pädagogischen Bereich in Kitas helfen. Vor allem im Offenen Ganztag fehle diese Möglichkeit bislang komplett.

Für Kinder mit besonderem Förderungsbedarf fordert Verdi eine uneingeschränkte Nutzung der Kitas und der Offenen Ganztage.

SPD will Kita-Beschäftigte in NRW besser gegen Corona schützen

Im NRW-Landtag ist das Thema bereits auf der Agenda. Die SPD-Opposition legte angesichts der steigenden Corona-Neuinfektionen und mit Blick auf den Winter ein eigenes Sicherheitskonzept für die Kitas vor.

Video: Wie stark verbreiten Kinder Covid-19? Die Kita-Studie aus Hessen

Die Partei fordert, mehr Möglichkeiten für freiwillige Tests für Betreuer und für Kinder. Mobile Testteams sollten in die Einrichtungen kommen. Auch sogenannte Pool-Tests, bei denen acht bis zehn Abstrich-Stäbchen gleichzeitig im Labor ausgewertet werden, sollten ins Auge gefasst werden. Bis zu den Winterferien können Kita-Beschäftigte in NRW derzeit maximal drei Corona-Tests kostenlos in Anspruch nehmen.

Weitere Vorschläge der SPD im NRW-Landtag sind:

  • Ab einem bestimmten Grenzwert an Neuinfektionen Wiedereinführung fester Gruppen in den Kitas,
  • Alltagshelfer-Programm bis Ende des Kita-Jahres entfristen und auf den offenen Ganztag (OGS) in den Schulen ausweiten,
  • Einsatz von Luftfiltern in Kitas – so wie teilweise schon in den Schulen.
  • Digitale Angebote für Kita-Kinder in Quarantäne.

Die Landesregierung aus CDU und FDP hingegen hält derzeit an ihren Plänen fest (hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen). „Die aktuellen Maßnahmen greifen“, betonte Minister Stamp. Auch die SPD solle „endlich anerkennen“, was bereits durch mehrere Studien belegt sei. Stattdessen verunsichere sie Eltern und Fachkräfte. mit dpa-Material

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