Positive Tendenz?

Corona in NRW: Kehrtwende beim Inzidenzwert ist trügerisch

Die zuletzt stark angestiegene Inzidenz in NRW sinkt plötzlich wieder. Doch die Corona-Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, warnen Experten.

Dortmund – Bei der Corona-Inzidenz zeigt sich in NRW* offenbar eine Trendwende. Seit dem 26. November hielt sich der Wert bis zum Ende des Monats bei um die 300, am Donnerstag (2. Dezember) lag er dann „nur“ noch bei 282,7. Ein ähnlicher Trend ist bundesweit zu merken. Doch Experten warnen vor einem gefährlichen Trugschluss im Zusammenhang mit den sinkenden Corona-Zahlen in NRW*. RUHR24* erklärt, was das Problem sein könnte.

7-Tage-Inzidenz NRW282,7 (Stand: 2. Dezember)
7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz4,12
Anteil COVID-19-Patienten an betreibbaren Intensivbetten13,26 Prozent

Coronavirus: Zahlen in NRW sinken – Trend bei Inzidenz ist trügerisch

So sind sowohl Gesundheitsämter als auch Testlabore in Deutschland teils an ihrem Limit. In Dortmund etwa kann das Gesundheitsamt die Nachverfolgung der Corona-Kontakte nicht mehr alleine stemmen* und ist auf die Bürger angewiesen. Wer Corona hat und nicht in kritischer Infrastruktur verkehrt (Kitas, Krankenhäuser, etc.), dessen Kontakte verfolgt das Gesundheitsamt dort nicht mehr nach.

Auch in anderen Städten in NRW sind die Gesundheitsämter überlastet. Inzwischen hilft sogar die Bundeswehr bei der Kontaktnachverfolgung in einigen NRW-Kommunen*. Ob die Inzidenz dem tatsächlichen Geschehen entspricht, ist demnach nicht mehr klar. Dass die Zahlen stagnieren oder gar sinken, kann schlicht der Tatsache geschuldet sein, dass die Behörden nicht mehr hinterherkommen.

Sinkende Inzidenz in NRW könnte mit Überlastung zusammenhängen

Die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, meint: „Ich gehe davon aus, dass die gemeldeten Zahlen nur ein Teil der positiven Nachweise sind.“ Das stelle die Aussagekraft der aktuellen 7-Tage-Inzidenzen des Coronavirus* infrage, so Teichert gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

Angesichts der aktuellen Lage bräuchten viele Gesundheitsämter mehr Personal. In Dortmund wurde bereits im Sommer aufgestockt. Doch inzwischen sei die Situation so, dass „eine vollständige Nachverfolgung der Kontakte auch mit weiterem Personal jetzt nicht mehr möglich“ sei, so eine Sprecherin der Stadt Dortmund gegenüber RUHR24.

Labore in NRW noch nicht mit Corona-Zahlen überlastet

Anders sieht das bislang in den Laboren in NRW aus. Eine Überlastung wie in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen wird hier noch nicht gemeldet, heißt es vom Verband Akkreditierter Labore in der Medizin (ALM). Die PCR-Tests können in Nordrhein-Westfalen also noch abgearbeitet werden (Hier weitere Corona-News aus NRW* bei RUHR24 lesen).

Die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 steigt in NRW seit Anfang Oktober kontinuierlich.

Schlechter sieht es dagegen in den NRW-Krankenhäusern aus. Laut DIVI-Intensivregister steigt die Anzahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle seit dem 9. Oktober massiv an. Waren es damals nur 281 Patienten, sind es am 1. Dezember 702 gewesen. Der Höchststand von 1167 vom 3. Januar 2021 liegt aber noch in weiter Ferne. „Von einer Entwarnung kann nicht die Rede sein“, sagt Gerald Gaß, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der DPA. *RUHR24 und WA.de sind Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © LZG NRW; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema