Umstrittene Meinungen

Angst vor 100.000 Corona-Toten: Karl Lauterbach will zweiwöchige Ausgangssperre

Coronavirus - Bundestag
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist für eine Verschärfung des Corona-Lockdowns.

Derzeit fordern viele Politiker unterschiedliches: harter Lockdown vs. viele Öffnungen. SPD-Politiker Karl Lauterbach hat dagegen seine eigene Meinung.

NRW/Deutschland – Wir befinden uns mitten in der dritten Corona-Welle. Während das Saarland sich bereits an große Öffnungen wagt, versucht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach derweil die Politiker zu überzeugen, dass genau diese Öffnungen weitere Wellen verursachen könnten.

PolitikerKarl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
EhepartnerinAngela Spelsberg (verh. 1996–2010)
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands
AmtMitglied des Deutschen Bundestages seit 2005

Corona: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mit übler Prognose: „100.000 Tote“.

„Wir müssen deutlich unter 100.000 Toten bleiben“, fordert Lauterbach im Berliner Tagesspiegel. Eine Zahl, die grotesk erscheint angesichts der Öffnungen im Saarland. Lauterbach will nun einen neuen kurzfristigen Corona-Gipfel der Bundesregierung – eine nächtliche Ausgangssperre für mindestens zwei Wochen soll kommen, fordert der Politiker (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

Nur mit dieser drastischen Maßnahme könne das Infektionsgeschehen auch im Privaten gestoppt werden. Mit seiner Meinung steht Lauterbach nicht alleine. Auch Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, fordert einen erneuten Corona-Gipfel um über einen härteren Lockdown zu sprechen. „Erstmal überlegen wir alle solche Sachen“, erklärt Kretschmann dazu.

Corona-Pandemie: Karl Lauterbach gegen Öffnungen wie im Saarland

Auf der anderen Seite steht dagegen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. „Es braucht nicht ständig neue Gespräche, sondern die konsequente Umsetzung der Notbremse“, führt er an. Für ihn soll die Notbremse in Deutschland ab einer Inzidenz von 100 durchgezogen werden – und nicht in eine Notbremse-Light verwandelt werden, wie es derzeit in vielen Städten an der Tagesordnung ist.

SPD-Gesundheitsexperte hat bereits in der Vergangenheit mit seinen Vorschlägen zu Corona-Maßnahmen die Politiker und die Bevölkerung polarisiert.

Umsetzungen wie das Tübinger Modell verurteilt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach scharf: „Keine Öffnungen, keine Modellprojekte. Wir brauchen jetzt nicht Jugend forscht.“ Eine Spitze gegen das Saarland folgte zugleich. Das Bundesland zeige sich „unsolidarisch“.

Karl Lauterbach gegen neue Impfpriorisierung: Junge Leute sollen noch nicht gegen Corona geimpft werden

„Dort hat man zusätzliche Impfdosen bekommen, weil sie Grenzregion sind und sich dort die südafrikanische Mutante ausbreitet“, so Lauterbach. Die Öffnungen der Einrichtungen und des Einzelhandels würde die Botschaft nun zerstören. Wichtig sei es nun, die Kontakte stark zu reduzieren. „Die Modellversuche sind nichts anderes als Feigenblätter für Lockerungen. Es ist eine illusorische Idee, dass wir lockern und trotzdem gehen die Fallzahlen runter“, so der Mediziner.

Doch auch beim Thema Impfungen fordert Lauterbach Anpassungen. So soll der Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung auf zwölf Wochen hochgesetzt werden. Ein gewisser Schutz vor dem Coronavirus würde es auch schon nach der ersten Impfung geben. Durch die Hochsetzung des Impf-Intervalls könne man mehr Menschen mit der ersten Impfung versorgen und das Risiko einer Übertragung des Virus bereits deutlich senken.

Corona-Pandemie: Jens Spahn fordert harten Lockdown für einige Tage

Gut findet Lauterbach hingegen die aktuelle Impfreihenfolge. Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht das jedoch ganz anders. Er brachte jüngst den Vorschlag ein, die Impfreihenfolge zu ändern. Nach Müller sollten jüngere Menschen zuerst geimpft werden, damit sich die Ansteckungen auf Partys reduzieren.

Video: Lauterbach: Kein anderer Weg als „Ausgangssperre ab 20 Uhr“

Lauterbach entgegnet diesem Vorschlag die hohe Sterblichkeit bei älteren Menschen. „Diesen Menschen kann ich jetzt nicht vermitteln, dass 20-Jährige beim Impfen vorgezogen werden, damit sie Party machen können, ohne andere zu infizieren.“ Derzeit scheint zumindest ein harter Lockdown wahrscheinlich, den Lauterbach unterstützt.

Selbst Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte die Maßnahmen konkret verstärken: „Wenn wir die Zahlen nehmen, auch die Entwicklungen heute, brauchen wir eigentlich nochmal 10, 14 Tage mindestens richtiges herunterfahren unserer Kontakte, unsere Mobilität“, so der Politiker am Samstag (27. März) bei einer Veranstaltung der Bundesregierung. Erst bei einem Bruch der dritten Welle könne man einzelnen Regionen Aussichten auf Öffnungen versprechen, so Spahn.

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