Weil Impfungen zunehmen

Corona: Inzidenz längst egal? Anderer Faktor soll über Maßnahmen entscheiden

Ist die Inzidenz als Maßeinheit für Corona-Regeln noch aktuell? Darüber diskutiert die Politik. Jetzt könnte es eine Einigung geben.

Dortmund – Der Inzidenzwert ist niedrig und die Corona-Regeln in NRW zu großen Teilen gelockert. Auch die Impfquote in Deutschland steigt. Ist es angesichts dieser Entwicklung sinnvoll, die Inzidenz weiterhin als Maßstab zu verwenden?

NameCorona, Covid-19
ErregerSars-CoV-2
Symptome (unter anderem)Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Corona: Inzidenzwert könnte „abgeschafft“ werden

Wie Bild berichtet, will die Bundesregierung zukünftig nicht mehr allein auf den Inzidenzwert gucken, wenn es darum geht, Corona-Regeln festzulegen. Das soll aus einem Dokument des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgehen. Was soll stattdessen als Orientierung dienen?

Angesichts der zunehmenden Impfungen soll stattdessen die Lage in den Krankenhäusern entscheidender werden. Zur Erinnerung: Der erste Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 wurde vor allem auch deshalb ausgerufen, weil eine Überlastung des Gesundheitssystems vermieden werden sollte.

Konkret will die Bundesregierung laut Bild die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten als zusätzlichen Leitindikator etablieren (mehr aktuelle News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Ist der Inzidenzwert als Corona-Maßstab noch zeitgemäß? Regierung hat wohl andere Pläne

Die Argumente: Wegen der steigenden Impfrate seien Risikogruppen fast vollständig durchgeimpft, der Anteil schwerer Corona-Fälle würde deswegen abnehmen. Damit sei das Virus auch bei höherer Inzidenz weniger gefährlich. Außerdem seien „weitgehende nicht pharmakologische Interventionen für alle fachlich schwer begründbar“. Heißt konkret: Corona-Maßnahmen für vollständig Geimpfte sind kaum zu rechtfertigen.

Aber wie steht es um die Sorge vor einer vermeintlichen vierten Corona-Welle? NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) warnte unter anderem davor. Auch Andreas Gass, der Chef der kassenärztlichen Bundesvereinigung, sagte im Bild-Talk: „Wenn es in einer vierten Corona-Welle viele positive Befunde gibt, aber keine Kranken mehr“ könnte man die Lage „sehr gelassen sehen“.

Deutschland müsse sich aber „mit höheren Infektionszahlen arrangieren“. Eine Impfquote von 90 Prozent hält allerdings er für unrealistisch, ebenso wie die vom RKI angestrebten 85 Prozent. „Wir müssen uns klarmachen, dass Impfquoten von 90 Prozent Science-Fiction sind. Wir werden die niemals erreichen“, sagte Gassen.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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