Thema sorgt für Diskussionen

Viele Corona-Impfverweigerer bei Migranten? Politikerin warnt vor bösen Unterstellungen

NRW-Integrationssekretärin Serap Güler
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NRW-Integrationssekretärin Serap Güler.

Das Thema Corona-Impfungen bei Migranten sorgt für Diskussionen. Die NRW-Integrationssekretärin Serap Güler warnt jetzt vor voreiligen Schlüssen.

NRW – Gibt es in Deutschland unter den Menschen mit Migrationshintergrund besonders viele Impfverweigerer? Diese Behauptung steht schon länger im Raum. Doch inwiefern trifft die Befürchtung einiger Politiker und sogenannter „Experten“ zu, dass Migranten einer Corona-Impfung besonders skeptisch gegenüberstehen könnten?

Serap GülerNRW-Integrationssekretärin
ParteiCDU
Geboren7. Juli 1980 in Marl

Corona-Impfungen bei Migranten: Spahn spricht von großer Herausforderung

Laut Angaben von Teilnehmern einer CDU-Besprechung Ende April hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Thema offenbar intern angesprochen. Er habe die Sorge geäußert, dass sich womöglich nicht genug Menschen für eine Impfung gegen das Coronavirus entscheiden könnten. „Es ist eine große Herausforderung, bei Migranten für die Impfungen zu werben“, soll Spahn gesagt haben. Der Tagesspiegel hatte darüber zuerst berichtet.

Doch der Minister ist nicht der erste, der das vermeintliche Problem in der Vergangenheit angesprochen hat. Auch Berlins Integrationsbeauftragte Katerina Niewiedzial erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Aus Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Communities weiß ich, dass es Zweifel, Ängste und Fragen gibt“.

NRW-Politikerin Serap Güler: Skepsis gegenüber Corona-Impfungen bei Migranten nicht höher

Das Gerücht, Migranten in Deutschland würden eine Corona-Impfung generell ablehnen, scheint immer mehr Fahrt aufzunehmen. Auch Falko Liecke (CDU), Gesundheitsstadtrat in Neukölln, sagt: „Niedergelassene Ärzte berichten uns übereinstimmend, dass insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund einer Impfung gegen Covid-19 sehr skeptisch gegenüber stehen.“

Bei der NRW-Politikerin Serap Güler (CDU) sorgen solche Aussagen für Verärgerung. Die Integrationssekretärin erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, Gespräche mit Vereinen und Hausärzten hätten gezeigt, dass die Skepsis in den migrantischen Gemeinden nicht höher sei als in vielen anderen Gruppen der Gesellschaft (mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24).

Migranten gleich Impfverweigerer? NRW-Politikerin Güler warnt vor Unterstellungen

Gleichzeitig warnt Güler davor, alle in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund in eine Schublade zu stecken und ihnen Impfverweigerung zu unterstellen. „Ich kenne keine validen Daten, keine Studien, die bestätigen, dass es in den Migranten-Communities eine größere Skepsis gibt“, so die Politikerin aus NRW.

In einem früheren Gespräch mit ntv räumte Güler jedoch ein, dass Verschwörungstheorien rund um Corona im Migranten-Milieu durchaus verfestigt seien. Junge Frauen würden glauben, dass jegliche Art von Impfstoffen unfruchtbar mache und Geflüchtete hätten Angst vor einer Abschiebung, wenn sie sich impfen lassen würden.

Migranten unsicher wegen Corona-Impfungen: Ärzte müssen aufklären

Solche Gerüchte müssten aus der Welt geschafft werden. Die Aufklärung durch Ärzte und Mediziner könne dabei – „am besten in leicht verständlicher Sprache“ – eine wichtige Rolle spielen. Zudem schlägt die NRW-Politikerin vor, beim Thema Corona-Impfungen Vorbilder einzusetzen. Sie könnten den Menschen klarmachen, dass man durch Impfungen wieder den Weg in die Normalität finden kann.

Video: Corona – NRW fordert härtere Strafen für Impfpass-Fälschungen

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel wies die Integrationssekretärin außerdem noch einmal darauf hin, dass Migranten oder Menschen in sozialen Brennpunkten „sich genauso gut oder schlecht an die Corona-Regeln halten würden“ wie der Großteil der Gesellschaft.

Beim Thema Impfungen sei das Bild ähnlich. „Ich denke, man muss an diesem Punkt der Pandemie deutlich machen, dass die Vorbehalte bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte gegen das Impfen nicht größer sind als in der Mehrheitsgesellschaft“, so Güler.

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