Impfkampagne lahmt

NRW will Corona-Impfquote anziehen und ändert dafür die Strategie

Laumann bei einer Pressekonferenz
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Bemüht sich um eine bessere Impfquote: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Mit einer möglichst hohen Impfquote soll eine vierte Corona-Welle im Herbst verhindert werden. Das Land NRW geht deshalb auf eine neue Zielgruppe zu.

Düsseldorf – 65,2 Prozent der Bevölkerung sind in Nordrhein-Westfalen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Den vollständigen Impfschutz besitzen 54,2 Prozent der Bevölkerung (Stand 2. August). Im Ländervergleich liegt NRW damit jeweils auf dem vierten Platz. Es gibt noch Luft nach oben.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Armin Laschet (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Corona: NRW will Impfungen an Berufskollegs anbieten – auch mobile Lösungen möglich

Das sieht auch das Gesundheitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen so und setzt deshalb weiter auf möglichst niedrigschwellige Impfangebote. Zum Beginn des neuen Schuljahres in NRW – die Sommerferien enden am 17. August – sollen diese Angebote an den Berufskollegs entstehen. Sie richten sich gleichermaßen an Schüler und Beschäftigte.

Die Sonder-Impfungen sollen durch die Kreise und kreisfreien Städte organisiert werden, heißt es in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums. In Absprache mit der Schulleitung und den Trägern soll es auch möglich sein, mobile Impfangebote an oder in den Berufskollegs einzurichten (mehr Corona-News aus NRW bei RUHR24).

An den Berufskollegs könnten auch mobile Lösungen – wie Impfbusse – zum Einsatz kommen.

Man habe mit den niedrigschwelligen Aktionen der Impfzentren bereits gute Erfahrungen gemacht, sagt Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). „Mit dem Impfangebot an Schülerinnen und Schüler und Beschäftigte von Berufskollegs gehen wir nun noch einen Schritt weiter.“

NRW: Corona-Impfungen an Berufskollegs – Land will viele junge Erwachsene impfen

Auch Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ist über das neue Angebot erfreut. Es sei gut, dass junge Erwachsene jetzt die Möglichkeit bekommen, sich ohne großen organisatorischen Aufwand impfen zu lassen. „Bei der weiteren Bekämpfung der Pandemie wird es künftig immer stärker auf solche pragmatischen Angebote ankommen“, so die FDP-Politikerin.

Trotz heftiger Diskussionen um Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montagabend (2. August) entschieden, Jugendlichen ab zwölf Jahren in Arztpraxen, Impfzentren und Schulen ein breites Angebot für Corona-Impfungen zu machen.

Damit umgingen die Minister die Ständige Impfkommission (Stiko), die Corona-Impfungen in dieser Altersgruppe bislang nur bei Vorliegen besonderer Risiken empfiehlt. Eine überarbeitete Stiko-Empfehlung wird im Laufe des Monats erwartet, darauf warteten die Minister nicht. Elternvertreter fürchten deshalb einen wachsenden Impfdruck auf die Familien.

Corona-Impfungen: Umstrittene Impfungen für Kinder ab 12 Jahren seit zwei Wochen möglich

In Nordrhein-Westfalen ändert der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz zunächst nicht viel. Wie Laumann betont, spiegle der Beschluss die bisherige Praxis im Land wider. Seit knapp zwei Wochen können die Impfzentren in NRW Angebote für alle ab 12 Jahren einrichten. Rund 22 Prozent der 12- bis 17-Jährigen seien laut Laumann bereits einmal geimpft – das entspricht knapp 225.000 Personen in dieser Altersgruppe.

Dennoch könnte der länderübergreifende Beschluss den ein oder anderen Skeptiker überzeugen und die Impfkampagne in NRW noch einmal ankurbeln. Zuletzt geriet die ins Stocken. Das Westfalen-Blatt berichtete am Dienstag (3. August), dass rund 2,3 Millionen Impfdosen im nordrhein-westfälischen Zentrallager lägen, für die es aktuell keine Interessenten gäbe.

Video: In NRW liegen 2,3 Millionen ungenutzte Impfdosen

Laut WAZ will das Land deshalb erste Impfstoffdosen an den Bund zurückgeben. Zunächst handle es sich dabei um Vakzine der Hersteller Astrazeneca und Johnson & Johnson. Sie sollen an Drittstaaten gespendet werden. Das Land NRW und die Kommunen dürfen die Impfstoffe nicht selbst spenden, weil sie dem Bund gehören.

Angesichts der stockenden Impfkampagne appellierte Laumann noch einmal besonders in Richtung ungeimpfter Erwachsener. Der CDU-Politiker erwarte besonders von Erwachsenen, die regelmäßig Kontakt zu Kindern haben, dass sie sich jetzt schnellstmöglich impfen ließen, wenn medizinisch nichts dagegen spreche. „Erwachsene, die sich nicht impfen lassen, obwohl sie es könnten, handeln unsolidarisch und gefährden sich und andere“, so Laumann.

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