Schutz vor Covid-19

Corona-Impfung in NRW: Obdachlose bekommen neuen Impfstoff – aus simplem Grund

Corona-Impfung bei einem Mann
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Millionen NRW-Bürger wurden bereits gegen das Coronavirus geimpft.

Bei den Corona-Impfungen in NRW sollen Obdachlose als Impfstoff nicht Biontech oder Astrazeneca erhalten. Das hat einen ernsten Hintergrund.

NRW - Die Corona-Pandemie scheint in NRW kein Ende zu nehmen. Doch nun gibt es neue Hoffnung. Denn die nächste Gruppe soll eine Impfung gegen Covid-19 erhalten.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Fläche34.098 km²
Bevölkerung17,93 Millionen (2019) Eurostat
HauptstadtDüsseldorf

Corona-Impfung in NRW: Besonderheit bei Impfstoff für Obdachlose

Viel Kritik musste die Bundesregierung von Deutschland bereits für die anfangs holprige Ausführung der Corona-Impfungen über sich ergehen lassen. Das soll sich nun ändern. Daher sollen nun die nächsten 60.000 Menschen geimpft werden - mit einer Besonderheit.

Bei den Personen handelt es sich um Wohnungs- und Obdachlose. Da sie oftmals keinen festen Schlafplatz mit hygienischen Einrichtungen haben, ist bei ihnen einen zeitnahe Corona-Impfung wichtig. Vor allem durch den Lockdown und die Corona-Notbremse in NRW mit den zahlreichen geschlossenen Geschäften und der Gastronomie fehlen ihnen sanitäre Einrichtungen.

Bei den Wohnungslosen gibt es im Vergleich zu den bisherigen Corona-Impfungen eine Änderung. Denn die Personen ohne festen Wohnsitz erhalten als Impfstoff weder Astrazeneca noch Biontech. Stattdessen wird einem Großteil von ihnen die Variante von Johnson & Johnson gespritzt (weitere News zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker bei RUHR24).

Corona-Impfung: Obdachlose werden mit Johnson & Johnson geimpft - aus wichtigem Grund

Der Vorteil vom Johnson & Johnson-Impfstoff: Er muss nur einmal verabreicht werden, wie die Deutsche Presseagentur schreibt. Wer die Corona-Impfung mit Astrazeneca oder Biontech erhält, benötigt hingegen zwei Termine, um die Schutzwirkung vollständig zu erhalten. Das gestaltet sich bei Personen ohne Wohnung allerdings schwierig.

Daher sollen „mobile Teams vor Ort in Kreisen und kreisfreien Städten“ die betroffenen Personen impfen, die weder in Gemeinschaftsunterkünften noch in Wohneinrichtungen leben, schreibt die Deutsche Presseagentur. Insgesamt rechnet das Bundesland NRW mit 48.000 Impfdosen des amerikanischen Herstellers.

Der Corona-Impfstoff des US-amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson

Doch nicht nur auf der Straße ist das Infektionsrisiko für die Wohnungslosen hoch. Auch in den Unterkünften ist die Gefahr groß, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Schließlich müssen Zimmer und sanitäre Einrichtungen miteinander geteilt werden. „Wir sind eine große Gruppe und es wäre sehr gefährlich, wenn das Virus hier ausbricht“, bestätigt ein 58-Jähriger, der mit 72 weiteren Personen in einer Unterkunft lebt, dem WDR.

Corona-Impfung in NRW: Johnson & Johnson wird nicht an jeden Obdachlosen verimpft

Deshalb bekommen auch die dauerhaft erreichbaren Personen ohne eigenen Wohnsitz nach und nach ihre Corona-Impfung. Allerdings soll bei ihnen nicht der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson* verwendet werden, sondern die anderen Präparate, die zuvor auch schon etwa bei Senioren oder anderen Personen mit hohem Infektionsrisiko verwendet wurden.

„Hier wird nicht wild rumgeimpft - alles ist sehr genau geplant und eng abgestimmt“, erklärt Andreas Sellner vom Fachausschuss Gefährdetenhilfe gegenüber der dpa. Bis Anfang Mai solle die Impfaktion beendet sein. Und der Anfang ist bereits gemacht. Denn die ersten zehn Prozent der Wohnungslosen sollen ihre Corona-Impfung bereits erhalten haben.

Corona-Impfungen gibt es aktuell neben Senioren und Risikopatienten auch für eine weitere Gruppe.

Obdachlose in der Corona-Pandemie: Regelmäßige Tests in Sammelunterkünften sind wichtig

Aber nicht nur die Corona-Impfungen sind in diesen Wohneinrichtungen von großer Bedeutung. Auch regelmäßige Corona-Tests und entsprechende Maßnahmen sollen die Verbreitung stoppen. So werden die Personen, die Symtome zeigen, von den anderen Bewohnern ferngehalten, so Andreas Sellner. Daher soll es nach Angaben der dpa in einigen Unterkünften bereits eigene „Quarantäne-Bereiche und Krankenwohnungen“ geben.

Im Video: Corona-Lockdown sorgt für Hotelschließungen - neue Regeln im April und Mai

Um den Obdachlosen sowohl tagsüber als auch nachts einen Schutz zu bieten, hätten viele Einrichtungen mittlerweile 24 Stunden am Stück geöffnet. Doch nicht nur dort haben Betroffene während der Corona-Pandemie bereits Unterschlupf gefunden. Auch Hotels oder Jugendherbergen, die während des Lockdowns geschlossen bleiben müssen, haben ihnen schon ein Dach über dem Kopf geboten. *Merkur ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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