Strategie in der Covid-19-Pandemie

Corona-Impfquote in NRW: Einfacher Trick könnte die Zahlen drastisch ansteigen lassen

Ist Nordrhein-Westfalen beim Impfen gegen das Coronavirus zu langsam? Ein einfacher Trick könnte die Impfquote drastisch steigern – ist aber auch riskant.

Dortmund – Was die Impfquote betrifft, also den Anteil aller bisher gegen Corona geimpften in der Gesamtbevölkerung, könnte NRW im Ländervergleich deutlich weiter vorne liegen. Dass das nicht so ist, liegt daran, dass die Landesregierung bei ihrer Impf-Strategie eher vorsichtig ist. Andere Bundesländer sind schneller, weil sie auf einen Trick zurückgreifen. RUHR24.de* erklärt, wie er funktioniert.

Impfstoffe gegen Corona in NRW (Stand 15. Februar)Biontech, Moderna, AstraZeneca
Impfzentren in NRW53
Verabreichte Corona-Impfungen in NRW872.645

Schlechte Corona-Impfquote in NRW: Einfacher Trick könnte Besserung bringen

Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und auch Schleswig-Holstein greifen auf diese Strategie zurück. In der Folge hat Rheinland-Pfalz etwa eine deutlich bessere Impf-Quote als NRW.

Die höhere Impf-Quote basiert auf dem Prinzip: Alles, was an Corona-Impfungen da ist, wird direkt verimpft. So halten die drei oben genannten Länder die Hälfte der Impfdosen nicht für die Zweitimpfung zurück, sondern verimpfen alles sofort. Für die zweite Impfung setzen diese Länder dann auf weitere Lieferungen.

NRW setzt auf konservatives Verfahren bei Corona-Impfungen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein kommt deshalb zum Schluss: „Es wird in NRW nicht langsamer geimpft, im Gegenteil: Die RKI-Kennzahl lässt außer Betracht, dass zu einer vollständigen Immunisierung zwei Impfungen gehören.“

NRW verplant den Impfstoff für die Zweitimpfung also zusammen mit dem der Erstimpfung*. Erhält das Bundesland also zum Beispiel 500.000 Impf-Dosen, können damit 250.000 Menschen geimpft werden. Die zweite Hälfte dieser Dosen würde dann so lange gelagert, bis nach zwei Wochen die Zweitimpfung anstünde.

NRW: „Safety first“ bei Corona-Impfungen

In NRW verfährt man also nach dem Prinzip „safety first“, wie die KV Nordrhein angibt. „Es war uns besonders wichtig, kostbaren Impfstoff nicht dadurch unwirksam werden zu lassen, weil die Zweitimpfung nicht stattfinden kann.“

Denn: Die Biontech-Impfung etwa ist nur vollständig wirksam, wenn man zwei Impfdosen in einem Abstand von etwa 14 Tagen verabreicht bekommt. Wird die zweite Dosis – aus welchen Gründen auch immer – nicht verabreicht, ist der Schutz gegen Corona deutlich geringer.

NRW verplant erste und zweite Impfung gegen Corona gleichzeitig

In NRW hält man die eigene Methode folglich für schneller und sicherer bei der Zweitimpfung. Denn wer eine erste Corona-Impfung bekommen hat, kann sicher sein, dass die zweite Dosis längst bereitsteht und auf einen wartet.

In anderen Bundesländern müssen Impflinge bangen, dass die zweite Dosis vom Hersteller geliefert wird. Kommt es zu einem Lieferengpass und wird die zweite Dosis nicht rechtzeitig geliefert, droht die Erstimpfung nutzlos zu werden.

Immerhin: Mit der aktuellen Impf-Taktik hat man im bevölkerungsreichsten Bundesland* erste kleine Erfolge feiern können – wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Denn, so Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein: „Man darf bei der Diskussion auch nicht vergessen: Wir sind als Bundesland dabei, die Impf-Versorgung der Senioren- und Pflegeheime schon bald abschließen zu können.“

So sehen die Impf-Zahlen bis einschließlich 14. Februar für NRW aus:

  • Gesamtzahl bisher verabreichter Impfstoffdosen: 872.645
  • Impfquote Erstimpfung: 3,3 Prozent
  • Impf-Quote Zweitimpfung: 1,6 Prozent

Die KV Nordrhein rechnet vor: Würde das Robert Koch-Institut eine Impfquote für die komplette Impfserie statt nur für die Erstimpfung ausgeben, läge NRW genau im Durchschnitt (Hier mehr News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24.de lesen). *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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