Kritik von Hollywoodstar

NRW: Corona-Aktion sorgt für Empörung – gelber Anstecker für Geimpfte

In NRW sorgt eine spezielle Corona-Aktion für Kritik und Empörung. In der Stadt Moers sollten Geimpfte einen gelben Anstecker tragen.

Moers – Diese Aktion ging mal so richtig nach hinten los. In der Stadt Moers am westlichen Rande des Ruhrgebiets* hatten sich einige Leute Gedanken darüber gemacht, wie man mehr Menschen dazu bewegen könnte, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Schnell war eine Idee da: Geimpfte sollten gelbe Impf-Buttons an der Kleidung tragen und so fürs Impfen werben. Für viele hat diese Maßnahme einen üblen Beigeschmack, weiß *RUHR24.

KreisWesel
Stadt Moers
Einwohner103.487 (31. Dez. 2020)

Moers (NRW) will „Impfmuffel“ bekehren – aber spezielle Impf-Aktion zu Corona geht nach hinten los

„Impfen? Ja bitte!“ und „Ich bin geimpft“ sollte auf den 2000 bereits gedruckten Buttons stehen, die sich Geimpfte in Moers demnächst anstecken sollten. Die Absicht hinter der speziellen Impf-Aktion der NRW-Stadt mag eine gute gewesen sein, doch diese Botschaft kam offenbar nicht an. Die Rheinische Post hatte am Montag (4. Oktober) zuerst über die Corona*-Pläne aus Moers berichtet.

Da hieß es noch: „Es ist ein Haltungs- und Bekenntnis-Button“, erklärte unter anderem Karl-Heinz Theußen von der Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit in Moers. Zusammen mit Guido Lohmann vom Initiativkreis Moers und dem Moerser Apotheker Simon Krivec hatte er die Ansteckplakette ins Leben gerufen.

Die drei Männer wollten mit der Button-Aktion einen kleinen Beitrag dazu leisten, „Impfmuffel“ zu bekehren. „Wenn wir 100 Leute erreichen, wäre das schon ein Riesenerfolg“, sagte der Vorsitzende des Initiativkreises gegenüber der Rheinischen Post (weitere Corona-News aus NRW* bei RUHR24 lesen).

Gelbe Anstecker für Corona-Geimpfte in Moers – Empörung in den USA

Nur ein paar Tage später ist dieses Vorhaben jedoch verpufft. Denn die gelben Impf-Anstecker aus Moers haben hohe Wellen geschlagen. Reaktionen darauf kamen sogar aus den USA. Als einer der Ersten reagierte Schauspieler und Hollywoodstar James Woods (74) auf die Aktion aus dem Ruhrgebiet.

„Gelbe Abzeichen in Deutschland. Wird Geschichte hier nicht länger gelehrt?“, schrieb der 74-Jährige, der unter anderem durch die Serie „Holocaust“ (1978) und den Film „Casino“ von 1995 berühmt geworden ist, auf seinem Twitter-Acoount.

Gelbe Corona-Anstecker in Moers: Kritiker ziehen Vergleich zur NS-Zeit

Und viele in der Community stimmen dem US-Schauspieler zu. Der Tweet vom 7. Oktober hatte am Samstag (9. Oktober) über 25.000 „Likes“ und wurde tausendfach kommentiert. Zwar gehen die Meinungen hier auseinander – so schreibt ein Nutzer: „Das ist übertrieben. Es ist eine freiwillige Sache, niemand wird gezwungen, sie zu tragen, und es geht nur um eine Stadt in Deutschland, die versucht, die Menschen zu einer Impfung zu motivieren.“

Bei vielen anderen scheint es jedoch ebenfalls die Erinnerungen an die NS-Zeit hervorzurufen, in der Juden als Zwangskennzeichen einen gelben Stern tragen mussten. Denn weitere Kommentare auf der Plattform lauten: „Was ist nur los mit den Menschen?! Haben denn alle den Verstand verloren?“ und „Bitte sagen Sie mir, dass dies Fake News sind. Hat uns die Geschichte nichts gelehrt?“.

Während des NS-Regimes mussten Juden einen gelben Stern als Zwangskennzeichnung tragen.

Organisatoren aus Moers ziehen Corona-Aktion zurück: „Wollten niemanden diskriminieren“

Die massive Kritik an der Aktion kam auch bei den Initiatoren an. Gegenüber der Bild sagte Guido Lohmann: „Dass die Assoziation jetzt entsteht, verstehe ich. Das ist mir sehr unangenehm und ich bedauere es.“ Daran habe bei der Vorbereitung der Aktion niemand gedacht.

Man habe ausschließlich gute Absichten gehabt. Mit den Farben und dem Slogan habe man sich an der „Atomkraft, nein Danke“-Bewegung orientiert. Keineswegs sollte sich jemand diskriminiert oder ausgegrenzt fühlen. Viel mehr sei es das Ziel gewesen, „die Menschen positiv zum Impfen zu motivieren“. Ende vom Lied: Mittlerweile haben die Organisatoren die Aktion wieder eingestellt. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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