Impfskepsis

Gelsenkirchen nennt irritierende Gründe für niedrige Quote bei Corona-Impfungen

Die Stadt Gelsenkirchen hat ungeimpfte Bürger gefragt, was der Grund ist, dass sie nicht gegen Corona geimpft sind. Die Antworten sind teils erschreckend.

Gelsenkirchen – So langsam läuft NRW die Zeit davon. Der Herbst rückt bedrohlich nahe, aber bislang haben nur 57,1 Prozent eine vollständige Impfung gegen Corona. Das ist zu wenig, um die Pandemie einzudämmen. Laut Robert-Koch-Institut müssen mindestens 90 Prozent der Über-60-Jährigen und mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen vollständig geimpft sein.

Gelsenkirchen: Stadt erfährt Gründe für fehlende Impfung gegen Corona

Dabei haben ein Angebot für eine Impfung inzwischen viele Bürger in NRW erhalten. Viele Städte organisieren sogar Impf-Aktionen, fahren etwa mit speziellen Impfbussen in Quartiere und bieten niederschwellig eine Impfung vor Ort an.

In Gelsenkirchen etwa haben bereits 1200 Menschen das Angebot angenommen und sich in einem Impfbus gegen Corona impfen lasen. Aber: Nur 56 Prozent aller Gelsenkirchener sind vollständig geimpft.

Keine Impfung gegen Corona: Menschen in Gelsenkirchen schieben Termin vor sich her

Daher fragte das Gesundheitsamt der Stadt zuletzt immer wieder bei Ungeimpften nach, was der dafür Grund sei, dass sie noch keine Impfung hätten. Die Befragung erfolgte insbesondere bei der Rückverfolgung von Menschen, die in Quarantäne mussten.

Die irritierende Antwort einiger Bürger: Sie hätten die Impfung vor sich hergeschoben oder hatten keine Gelegenheit, sich impfen zu lassen. Eigenverantwortung sieht anders aus. Für sie will die Stadt jetzt weiterhin Impfbusse zum Einsatz bringen.

Impfskeptiker und Impfgegner in Gelsenkirchen – viele Gründe für fehlende Corona-Impfung

Und dann gibt es da auch noch die Impfskeptiker oder Impfgegner. Sie haben Angst vor Nebenwirkungen oder Vorbehalte gegen den Impfstoff. Es gäbe laut Gelsenkirchens Krisenstabsleiter Luidger Wolterhoff sogar Menschen, die sich für so stark und gesund hielten, dass ihnen Corona nichts anhaben könne.

Dabei warnte Top-Virologe Christian Drosten bereits im Mai: Wer sich nicht gegen Corona impfen lässt, wird früher oder später daran erkranken. Wie schwer die Krankheit ausfällt, ist nur schwer abzuschätzen.

Gelsenkirchen: Selbst Ilkay Gündogan hatte mit Corona zu kämpfen

Luidger Wolterhoff warnt: „Viele gut trainierte Sportlerinnen und Sportler sind an Corona erkrankt. Manche kämpfen heute noch mit den Folgen. Selbst Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan konnte sich tagelang kaum bewegen und fand nur mühevoll zur alten Fitness.“ Wolterhoff verweist zudem auf die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung, auch „Long Covid“ genannt.

Der Krisenstabsleiter bittet deshalb die Bevölkerung in Gelsenkirchen, sich mit Freunden und Verwandten über ihre Erfahrungen mit dem Piks auszutauschen, Ängste und Vorbehalte zu nehmen. Die Stadt indes wolle die Menschen vor Ort in ihren Quartieren impfen. So sind bereits Impfaktionen in einem Fußballverein in Buer und Hassel sowie an weiterführenden Schulen geplant.

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