Massive Dauerbelastung

Ansturm auf Booster-Impfungen in NRW – Ärzte schlagen Alarm

Gegen Corona geimpfte Personen sollen möglichst schnell eine Booster-Impfung erhalten. Der Ansturm auf Termine ist riesig. Die Zustände in den Arztpraxen in NRW sind schlimm.

NRW – Deutschland befindet sich wieder mitten drin im Corona-Sumpf. In den vergangenen Wochen kam es zunehmend zu Impfdurchbrüchen, wer nicht gegen das Coronavirus* geimpft ist, wird außerdem immer mehr vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Die Folge: Termine für Covid-Impfungen sind jetzt wieder heißt begehrt. In NRW kommen die Ärzte kaum hinterher und müssen sich einiges gefallen lassen, wie RUHR24* berichtet.

Kassenärztliche Vereinigung NordrheinKVNO
VorstandDr. med. Frank Bergmann, Dr. med. Carsten König
HauptsitzDüsseldorf

„Boostern für alle“ – dritte Corona-Impfung läuft in NRW über die Arztpraxen

Seit vergangenen Donnerstag (18. November) heißt es „Boostern für alle“ – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte es lange gefordert und nun gibt es auch die offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Alle Menschen ab 18 Jahren sollen schnellstmöglich eine sogenannte Auffrischungs- oder auch Booster-Impfung gegen Corona* erhalten.

Die Impfzentren in Nordrhein-Westfalen* haben jedoch alle spätestens Ende September ihren Betrieb eingestellt. Seitdem laufen die Corona-Impfungen über die Hausärzte. Sie sollen, ebenso wie HNO-, Frauen- oder andere Fachärzte, jetzt zusehen, dass jeder, der möchte, möglichst bald seine dritte Impfung bekommt.

Großes Interesse an Booster-Impfungen: NRW-Ärzte kommen bei Terminvergabe kaum hinterher

Leichter gesagt als getan. Denn die Ärzte in NRW, wo die Corona-Neuinfektionen derzeit wieder massiv ansteigen*, kommen mit der Terminvergabe in ihren Praxen kaum hinterher. Die Woche ab dem 8. November sei allein im Bezirk der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) mit insgesamt 171.000 Impfungen „die beste Impfwoche seit Schließung der Impfzentren Ende September“ gewesen, erklärt KVNO-Vorstand Dr. Frank Bergmann in einer Mitteilung. Darunter waren 114.000 Booster-Impfungen.

Das Tempo bei den Auffrischungsimpfungen gehe demnach voran. Die Leidtragenden sind allerdings offenbar die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Arztpraxen. Sie stünden unter einer massiven Dauerbelastung. Bergmanns Ansicht nach müsse berücksichtigt werden, was das politische Hin und Her der vergangenen Monate für die Praxen bedeutet habe – gerade zuletzt habe es fast wöchentlich Änderungen und Voraussetzungen gegeben, die eine verlässliche Impforganisation in der Praxis so gut wie unmöglich gemacht hätten.

Massive Arbeitsbelastung in NRW-Praxen – Angestellte werden übel beschimpft

Die große Arbeitsbelastung sei jedoch nicht das einzige, was den Angestellten in den Arztpraxen in NRW zu schaffen mache. So komme es immer häufiger vor, dass vor allem die Medizinischen Fachangestellten (MFA) beschimpft, aufs Übelste beleidigt oder sogar bedroht werden.

„Wir sprechen hier von weinenden Mitarbeiterinnen am Telefon, weil Patienten ausrasten, wenn sie nicht den gewünschten Termin für die Booster-Impfung erhalten“, erklärte Dr. Carsten König, stellvertretender Vorsitzender der KVNO, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (18. November). Vor allem junge Patienten und Patientinnen, die erst vor drei Monaten ihre zweite Corona-Impfung erhalten haben, würden häufig ausflippen (mehr Corona-News aus NRW* bei RUHR24 lesen).

Das aggressive Verhalten sei das eine, mit dem die Arztpraxen zurechtkommen müssten. Laut Aussage der KVNO soll es nicht selten auch zu Straftatbeständen kommen. „Es spielen sich gruselige Szenen in Praxen ab. Mitarbeiterinnen bekommen Morddrohungen und Praxistüren werden mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen beschmiert. Das ist ekelhaft“, so König weiter.

Die Lage in den NRW-Arztpraxen wegen der Booster-Impfungen ist ernst, warnt auch Carsten König von der KVNO.

NRW: rund eine Million Booster-Impfungen bis Weihnachten

Trotzdem wolle und müsse man weitermachen. Bis Weihnachten seien voraussichtlich rund eine Million Booster-Impfungen zu schaffen. Die Praxen könnten aber nicht bis Ende des Jahres halb Nordrhein bzw. halb NRW durchimpfen, so Bergmann.

NRW liegt derzeit sowohl bei den Erstimpfungen (74,7 Prozent) und Zweitimpfungen (71,4 Prozent) auf Rang fünf im bundesweiten Vergleich. Bei den Booster-Impfungen (5,6 Prozent) liegt NRW auf Rang sechs (Stand 19. November). *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow/DPA; Collage: RUHR24

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