„Bitte nicht vordrängeln“

Corona-Impfung in NRW: Gesundheitsminister Laumann hat dringenden Appell an Bevölkerung

Weder Angela Merkel, noch Armin Laschet haben sich bisher öffentlichkeitswirksam gegen Corona impfen lassen. Das hat einen guten Grund.

Düsseldorf - Die Corona-Impfungen laufen, doch es ist nicht genug Impfstoff da, als das jeder Impfwillige sofort drankäme. Deshalb sollte jeder warten, bis er an der Reihe ist. Das gilt auch für hochrangige Politiker und andere Amtsträger. Doch einige hielten sich wohl nicht so genau an die Impfreihenfolge. Nun mahnt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Zurürückhaltung an.

VirusSars-CoV-2/Coronavirus
SchutzmaßnahmenAHA-Regel, Maske tragen, Kontaktreduzierung
Impfungseit Dezember 2020 verfügbar (begrenzt)

Corona-Impfung in NRW: Priorisierte Gruppen erhalten zuerst eine Impfung

Die Aufregung ist nicht unbegründet: Mehrere Bürgermeister in NRW erhielten bereits eine Corona-Impfung, obwohl sie nach der festgelegten Impfreihenfolge noch lange nicht an der Reihe gewesen wären. Priorität bei der Impfung haben betagte Senioren, Pflegebedürftige und deren Kontakpersonen oder auch medizinisches Personal.

Keine Chance gegen das Coronavirus geimpft zu werden, haben Bürger derzeit in der Regel, wenn sie jung und fit sind, und weder als Ärztin noch als Pfleger arbeiten. Trotzdem wurde laut Deutscher Presseagentur (dpa) der 31-Jahre alte Bürgermeister von Hennef, Mario Dahm, bereits geimpft. Auch Jörg Schmidt, der Bürgermeister von Wachtenberg und der ehemalige Hennefer Bürgermeister Klaus Pipke wurde bereits geimpft.

Corona-Impfung: Wurden Amtsträger in NRW bevorzugt?

Haben sich die Amtsträger beim Anstehen für eine Corona-Impfung vorgedrängelt? Ihr Amt missbraucht, um bevorzugt zu werden? Doch so scheint es nicht gewesen zu sein: Offenbar war es weniger der Selbstgefälligkeit der Amtsträger geschuldet, dass sie vorgezogen wurden, als der Notwendigkeit, möglichst schnell eine impffähige Person zu finden. Trotzdem sprechen Kritiker von Willkür (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

Aufgrund des nur begrenzt zur Verfügung stehenden Impfstoffs, kommt es immer wieder zu gerangelt darum, wer priorisiert geimpft werden sollte. So forderte unter anderem Handwerkskammer in Leverkusen und Köln, Handwerker bevorzugt zu impfen, da Bäcker oder Heizungsmonteure durchaus systemrelevant seien. Gleichzeitig fordern auch Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) und der Deutscher Anwaltverein (DAV), Anwälte bei der Corona-Impfung prioritär zu berücksichtigen (alle News zu Corona in NRW im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Impfung gegen Corona in NRW: Viele Berufsgruppen fordern Priorität

Und auch der Bundesärztekammer stieß laut Ärztezeitung bereits sauer auf, dass niedergelassene Ärzte, also zum Beispiel Hausärzte, nur der hohen anstatt der höchsten priorisierten Gruppe in der Impfreihenfolge zugeordnet sind. So kämpfen offenbar viele Berufsgruppen derzeit darum, in der Impfrangfolge weiter nach oben zu rücken. Warum also werden nun ausgerechnet Amtsträger bevorzugt geimpft?

Im Fall des Hennefer Bürgermeisters waren es wohl überzählige Impfdosen, die nach einer Impfaktion in einem Altenheim in Hennef übrig blieben. Ähnliches Geschah, bevor der Bürgermeister von Wachtenberg vorzeitig geimpft wurde. In Wachtenberg blieben Impfdosen in einem Pflegeheim übrig.

Aus der Notwendigkeit heraus, diese schnell verimpfen zu müssen, sei die Gemeindeverwaltung laut dpa offenbar gefragt worden, ob auf die Schnelle Leute akquiriert werden könnten, die die Impfung erhalten könnten. Die Zeit habe gedrängt - und der Bügermeister und andere Verwaltungsmitglieder hätten entsprechend reagiert.

Corona-Impfung außer der Reihe: NRW muss sorgfältiger prüfen

Als Klaus Pipke gegen Corona geimpft wurde, soll dieser sogar gefragt haben, ob es nicht noch andere Impflinge gäbe, die den Vorzug erhalten sollten. Das sei vor Ort verneint worden. Dennoch sieht auch Andreas Brockmann, Pressesprecher des DRK-Landesverbands Nordrhein, dass „der geäußerte Vorwurf ist berechtigt“ sei. Es hätte vor der Impfung sorgfältiger geprüft werden müssen, ob nicht zum Beispiel besser weitere Rettungskräfte, Feuerwehrleute, Polizisten oder Menschen, die in der Pflege arbeiten, hätten geimpft werden können.

Ich halte es mit der Bundeskanzlerin, die der Meinung ist, dass die Repräsentanten des Staates sich erst impfen lassen sollten, wenn sie an der Reihe sind.

Karl-Josef Laumann, NRW-Gesundheitsminister, gegenüber der dpa

Und so spricht auch der Vorstand der Deutsche Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, von Willkür. Ein geordnetes Verfahren sei besonders bei so knappen Mitteln wie des Corona-Impfstoffs wichtig. Wer wann dran ist, kann jeder inzwischen mithilfe von Impfterminrechnern ermitteln. Auch deshalb verzichteten hochrangige Politiker wie Angela Merkel, Karl-Josef Laumann, Armin Laschet oder auch viele andere bisher darauf, sich öffentlichkeitswirksam gegen Corona impfen zu lassen – sie sind schlicht noch nicht an der Reihe.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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