Kommentar

Corona-Impfung lieber von Biontech oder Moderna? Schluss mit dem Ego-Trip

Biontech oder Moderna: Die deutsche Debatte um die Wahl der Booster-Impfung ist unerträglich, meint RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi. Ein Kommentar.

Dortmund – Während andere Länder der Welt um jedes Fläschchen Corona-Impfstoff kämpfen, diskutieren 80 Millionen Hobby-Virologen in Deutschland über die Frage, ob man sich Biontech oder Moderna als Booster impfen lassen sollte. Das ist nicht nur ein First-World-Problem, sondern an Arroganz kaum zu überbieten.

Impfstoff aus DeutschlandCorminaty (Hersteller Biontech/Pfizer)
Impfstoff aus den USASpike­vax (Hersteller Moderna)
Wirkmechanismus viamRNA-Technik

Booster-Impfung gegen Corona: Frage nach Biontech oder Moderna ist meist unnötig

Klar, die Corona-Impfstoffe von Biontech (Comirnaty) und Moderna (Spikevax) nutzen eine vergleichsweise neue Technologie, um an ihr Ziel zu kommen. Es handelt sich bei beiden Produkten um sogenannte mRNA-Impfstoffe. Dass Patienten wissen wollen, was sie sich in ihren Körper spritzen lassen, ist verständlich. Aber inzwischen sind beide Impfstoffe erprobt und zeigen gute Ergebnisse.

Längst hat das Robert Koch-Institut (RKI) klargestellt, dass beide Impfstoffe ähnlich gut vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen – nämlich zu etwa 90 Prozent gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung und zu etwa 75 Prozent gegen eine symptomatische Corona-Infektion mit der Delta-Variante.

Dritte Corona-Impfung: Laut Stiko egal, ob Biontech oder Moderna

Ob man sich seine Booster-Impfung nun von Biontech oder von Moderna verabreichen lässt, ist also im Grunde egal. Dabei spielt es auch keine Rolle, mit welchem mRNA-Impfstoff man grundimmunisiert wurde, heißt es von der Ständigen Impfkommission (Stiko). Hatte man also Erst- und Zweitimpfung von Biontech, kann man als Dritt- bzw. Booster-Impfung auch jenen Impfstoff von Moderna nutzen.

Es gibt eine einzige Ausnahme: Menschen unter 30 Jahren sollen die Booster-Impfung laut Stiko mit dem Impfstoff von Biontech machen lassen, weil er ein geringeres Risiko für eine anschließende Herzmuskelentzündung (Myokarditis) bietet, als jener von Moderna.

Für alle Menschen ab 30 ist es folglich irrelevant, welchen Booster-Impfstoff sie wählen. Man sollte deshalb den Impfstoff nehmen, der verfügbar ist und für den Arzt best- und schnellstmöglich zu verabreichen ist.

Es wäre eine Schande, wenn tausende Impfstoff-Dosen von Moderna verfallen, weil die feinen Deutschen ihren Ego-Trip fahren. Verglichen mit anderen Ländern dieser Erde leben wir hier im Impfstoff-Schlaraffenland – aber die Wenigsten von uns merken es. (Hier weitere News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24 lesen.)

Booster-Impfung: Ärzte sollten Diskussionen um Biontech oder Moderna im Keim ersticken

Diskussionen à la „Ich will aber Biontech“ sollten Impf-Ärzte daher im Keim ersticken, wenn es keinen medizinischen Anlass dafür gibt – oder hat sich in der Vergangenheit auch nur ein Patient nach dem Hersteller und dem Wirkmechanismus der Tetanus- oder der Grippe-Impfung erkundigt? *Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa; Collage: RUHR24

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