Impfstoff für Städte in Nordrhein-Westfalen

Corona-Impfstoff: Warum manche NRW-Städte schneller impfen als andere

Manche Städte in NRW scheinen schneller gegen Corona zu impfen als andere. Liegt das an der Verteilung des Impfstoffs?

Düsseldorf - Auf 53 Städte und Kommunen muss aktuell der Corona-Impfstoff in Nordrhein-Westfalen verteilt werden. Eine Mammutaufgabe. Bei dem Prozedere gibt es eigentlich eine klare Regel. Dennoch impfen einige Städte offenbar schneller und mehr als andere, gleich große Kommunen. Woran liegt das?

Corona-Impfstoffe in NRWBiontech, Moderna, AstraZeneca
VerabreichungIn Impfzentren und über mobile Impfteams
GrundlageCoronavirus-Impfverordnung

Corona-Impfungen in NRW: So wird der Impfstoff auf die Städte verteilt

Grundsätzlich gilt: Bei der Verteilung des Corona-Impfstoffs orientiert sich das Land Nordrhein-Westfalen nach dem jeweiligen Anteil der Gesamtbevölkerung. Heißt: Die Städte mit den meisten Anwohnern erhalten am meisten Corona-Impfstoff, die mit den wenigsten Bürgern, die kleinste Menge.

„Somit bekommen Kreise / kreisfreie Städte mit gleicher Einwohnerzahl die gleiche Anzahl an Impfdosen“, rechnet ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen unserer Redaktion vor. Doch so einfach lässt sich der Impfstoff nicht auf die Städte verteilen.

Verteilung des Corona-Impfstoffs in NRW: Land orientiert sich an Stiko und RKI

Das Land orientiert sich bei der Verteilung nicht nur an der Bevölkerung der Städte, sondern auch an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und den rechtlichen Vorgaben des Bundes, insbesondere die Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV).

Heißt im Umkehrschluss: Sollten Städte in NRW mehr Bedarf an Corona-Impfdosen haben, als der ihnen prozentual aufgrund der Bevölkerungszahl zustehende Anteil, muss das Land reagieren. Ein Sprecher schreibt gegenüber RUHR24, in diesem Fall würde das Ministerium die Verteilung der Corona-Impfdosen „entsprechend anpassen“. Was das genau bedeutet, führt das Ministerium nicht aus.

Land NRW kann Anpassung an Corona-Impfstoffverteilung vornehmen

Eine Anpassung kann etwa erfolgen, wenn eine Stadt überdurchschnittlich viele Bürger hat, die aktuell zur höchsten Priorität gehören. Also über 80-Jährige oder Menschen, die in Pflegediensten arbeiten oder in medizinischen Einrichtungen.

In NRW setzt Gesundheitsminister Laumann (CDU) auf eine konservative Impf-Strategie.

Bei der Verteilung der Corona-Impfdosen kommt nun erschwerend hinzu, dass der zuletzt zugelassene Impfstoff des Herstellers AstraZeneca nur Menschen verabreicht werden soll, die unter 65 Jahre als sind. Dies, so das NRW-Gesundheitsministerium, habe aber keinen Einfluss auf die Impfstoff-Lieferungen auf die Kreise / kreisfreien Städte. Heißt: Auch hier wird prozentual entsprechend der Einwohnerzahl verteilt.

Dortmund und Düsseldorf: Verteilung von Corona-Impfstoff klafft auseinander

Dennoch: Trotz laut des Verteilschlüssels fairer Verteilung auf die Städte ist die anteilige Anzahl der Impfungen aktuell nicht immer exakt gleich. Ein Vergleich zwischen Dortmund (603.609 Einwohner Ende 2019) und Düsseldorf (646.000 Einwohner Ende 2019) zeigt, dass die Anzahl der Corona-Impfungen massiv auseinanderklafft, obwohl die Zahl der Einwohner es nicht unbedingt tut.

So hatte die Stadt Düsseldorf am 22. Februar laut Impfzentrum bereits insgesamt 38.540 Menschen (davon 11.214 Zweitimpfungen) gegen das Coronavirus geimpft, was einer Impfquote von 5,97 Prozent entspricht. In Dortmund wurden bis zum 19. Februar laut Impfbericht der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) aber nur knapp 14.000 Menschen (davon knapp über 8000 Zweitimpfungen) geimpft - eine Impfquote von 2,32 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Impfquote laut Bundesgesundheitsministerium derzeit (Stand 21. Februar) bei 4 Prozent.

Corona-Impfstoff in NRW: Spielt das Personal eine Rolle bei der Verteilung?

Welche Rolle weitere Faktoren für die Impfquote spielen, etwa, wie viele Impfdosen das Personal in den einzelnen Impfzentren aus einem Fläschchen entnehmen können, ist unklar. Recherchen des Tagesspiegels ergaben zumindest, dass es manche Kreise oder Städte zuletzt schafften, mehr Impfdosen aus den Injektionsfläschchen zu ziehen, als ursprünglich geplant. Ob das auch in NRW der Fall ist, ist unklar. Ausgeschlossen ist es nicht.

Ein Register, in dem die Impfquote aller Städte zentral für NRW erfasst wird, gibt es aktuell jedenfalls nicht. Während die für Westfalen zuständige KVWL immerhin einen Impfbericht auf ihrer Homepage veröffentlicht, ist das bei der für den Bereich Nordrhein zuständige Kassenärztlichen Vereinigung nicht der Fall. Wer die Impf-Zahlen und Quoten vergleichen will, muss sie sich mühsam bei den einzelnen Städten erfragen.

Unterschiedliche Impf-Strategie: NRW hält zwei Impfdosen pro Person bereit

Während es in den Städten in NRW teils stark auseinandergehende Impfquoten gibt, ist das auch auf Länderebene zu beobachten. Der Grund liegt in den unterschiedlichen Impfstrategien. So hält Nordrhein-Westfalen für eine Person je zwei Impfdosen vor, eine für die Erst- und eine für die Zweitimpfung. Andere Länder verimpfen ihren kompletten Vorrat zunächst für Erstimpfungen und warten für die Zweitimpfungen auf Nachschub .

Wer Deutschland aufgrund seines Föderalismus derzeit als einen Corona-Flickenteppich bezeichnet, der liegt also nicht ganz falsch. Das Erschreckende ist aber: Der Flickenteppich zeigt seine Auswüchse in der Corona-Pandemie auch in den Städten und Kreisen in NRW (Hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen).

Rubriklistenbild: © Frank Molter/dpa

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