Stockender Corona-Impfstart

Nach Impfgipfel mit Ministern und Merkel: Zeitplan mit Impfungen für jedermann

Am Montag haben sich Bund und Länder beim großen Impfgipfel beraten. Auf der Agenda standen ein neuer Zeitplan für die Impfungen und Lösungen für Impfstoffengpässe.

Update, Montag (1. Februar), 19.38 Uhr: Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich nach dem Impfgipfel von Bund und Ländern in einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Gespräche geäußert.

VirusSars-CoV-2/Coronavirus
Impfstoff-HerstellerBiontech/Pfizer, AstraZeneca, Moderna u.a.
Impf-StartDezember 2020

Die Bundeskanzlerin erklärte, dass bei der Konferenz vor allem geklärt werden sollte, ob die zugesagten Mengen Impfstoff tatsächlich ankämen, wie der Vergleich mit anderen Ländern aussieht und wie das weitere Vorgehen sein solle.

Impfgipfel: Angela Merkel verspricht Impfangebot für alle Büger bis Ende September 2021

Die Kanzlerin betonte erneut, an ihrem Versprechen bis zum Ende dritten Quartals 2021 jedem Bürger ein Impfangebot zu machen festzuhalten – selbst wenn CureVac und Johnson&Johnson keine Zulassung in der EU bekommen sollten. Das bedeutet: Bis Ende September 2021 sollen 73 Millionen Menschen (Kinder ausgenommen) ein Impf-Angebot bekommen.

Die Priorisierung beim Impfen, wie sie bisher bestehe, soll weiter beibehalten werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betonte jedoch auch, dass schnellstmöglich auch Lehrer und Erzieher geimpft werden sollten.

Impfstoff-Mangel: Impfplan soll für mehr Transparent sorgen

Dennoch hätten die Hersteller auch noch einmal darauf hingewiesen, dass es stets zu unvorhergesehenen Problemen bei der Herstellung kommen könne. Das Problem bisher sei gewesen, dass die Hersteller Zusagen für die Quartale gemacht, aber keine Garantien abgegeben hätten.

Eine Neuerung gibt es deshalb bei der Impfstrategie: Diese werde um einen nationalen Impfplan ergänzt, um Liefermengen transparenter zu machen und bessere Vorhersagen treffen zu können. Man wolle dafür eine Plattform entwickeln.

Impfgipfel: Impfstoff wird im ersten Quartal knapp bleiben

Dennoch: „Es wird im ersten Quartal knapp bleiben“, betonte auch Berlins Bürgermeister Müller. „Wir werden leider nicht das bewerkstelligen können, was die Menschen gerade von uns erwarten.“ Auf Deutschland kämen immer noch „angespannte“ Wochen zu. Erst im zweiten Quartal werde es mit großen Schritten vorangehen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betonte außerdem, dass mehr Ordnung und Struktur in das Impf-Prozedere kommen müsse. Abgesagte Impftermine würden nur für Frustration in der Bevölkerung sorgen.

Impfgipfel in Deutschland: Bundeskanzlerin Merkel wehrt sich gegen Vergleiche zu anderen Ländern

Die Kanzlerin wehrte sich auch gegen Vergleiche zu anderen Ländern: In Israel gehe man beispielsweise anders mit Daten um, in den USA werde Impfstoff wegen des War Acts nicht exportiert. Die EU habe lange verhandelt, da man lange um Haftungsfragen gerungen habe. Man werde den Impf-Rückstand gegenüber anderen nicht mehr aufholen, könne aber besser werden.

Merkel betonte, dass in Zukunft außerdem nicht nur über die Impfzentren geimpft werden müsse. Auch die Hausärzte könnten mit den Stoffen von Astrazeneca und Moderna viele Menschen impfen. Die Kanzlerin erklärte aber auch, dass Impfungen noch über Jahre hinweg nötig sein könnten – wenn das Virus weiter mutiert.

„Es kann sein, dass wir noch viele Jahre impfen müssen. So ähnlich wie beim Grippeimpfstoff, wo man jedes Mal die neue Mutation des Virus wieder verimpft“, sagte Merkel.

Erstmeldung, Montag (1. Februar), 11 Uhr: Nach dem holprigen Impfstart sind die Erwartungen an den Impfgipfel am Montagnachmittag (1. Februar) groß. Bund und Länder wollen über Lieferengpässe beim Impfstoff und einen veränderten Zeitplan für die Impfungen beraten. Wie RUHR24.de* berichtet, werden auch von der Pharmaindustrie verbindliche Aussagen gefordert.

Impfgipfel soll Klarheit bringen: Impfstoff-Lieferungen und Impf-Strategie im Fokus

Bei den Beratungen der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel soll es vor allem um den schleppenden Impfstart, einen veränderten Impfplan und die Produktionsprobleme der Impfstoff-Hersteller gehen – und wie Lösungen für diese Probleme gefunden werden können. Die Gespräche werden von Forderungen verschiedener Seiten begleitet, die allesamt auf eine Verbesserung der Impfstrategie abzielen.

So fordert unter anderem Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommer, das Tempo bei den Impfungen in den Bundesländern deutlich anzuziehen, berichtet das ZDF. Aktuell liegt Mecklenburg-Vorpommern bei den verabreichten Impfungen in Deutschland an der Spitze. Bereits 3,5 Prozent der Bevölkerung hat hier die erste Impfung erhalten. In NRW sind es dagegen erst knapp 1,9 Prozent (mehr News zum Coronavirus im NRW-Live-Ticker* auf RUHR24.de)

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca ist für hochbetagte offenbar nicht geeignet.

Forderungen vor Impfgipfel: Tempo bei Coronavirus-Impfungen erhöhen

Um das Tempo bei den Impfungen gegen das Coronavirus* zu erhöhen, benötige es laut Schwesig allerdings mehr Impfstoff. Sowohl Moderna als auch AstraZeneca kommen ihren Lieferversprechen allerdings nicht in vollem Umfang nach – trotz Lieferverträgen mit Deutschland. Aufgrund der fehlenden Impfstoff-Lieferungen sei es schwierig, verlässlich Impftermine zu vergeben, erklärte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD). „Die Mengen des Impfstoffs von Moderna sind um 20 Prozent gekürzt, die Ankündigungen von AstraZeneca stehen unter Änderungsvorbehalt“, beklagt Dreyer.

Beim Start der Impfterminvergaben waren zudem in manchen Bundesländern – so auch in NRW – die Hotline und die Website überlastet gewesen. Lange Warteschleifen bei der Hotline und Fehlermeldungen auf der Website zur Terminvergabe waren die Folge. Doch selbst wer bis zur Terminvergabe schaffte, wurde häufig enttäuscht. In kürzester Zeit waren alle Impftermine vergeben. Manch einer in NRW sprach gar von einem „Impfchaos“*.

Impfgipfel: Fehlender Impfstoff bremst Arbeit in Impfzentren aus

Das Problem: Aufgrund der fehlenden Corona-Impfstoffe laufen die Impfzentren in den Städten und Kommunen nicht auf Hochtouren. Wäre genug Impfstoff vorhanden, könnten in den Impfzentren täglich weit mehr Menschen geimpft werden, als bisher. Laut dpa forderte deshalb der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, dass Bund und Länder schneller und genauer darüber informieren, wann und in welchen Mengen Impfstoffe an die kommunalen Impfzentren geliefert werden.

Gleichsam fordert SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich auch von der Pharmaindustrie vor dem Impfgipfel verbindliche Aussagen über Lieferzeitpunkte und Liefermengen – und wie sie ihre Lieferverpflichtungen einhalten will. Unter Zugzwang stehen neben der Bundesregierung also vor allem auch die Hersteller des Corona-Impfstoffs.

Forderung vor Impgipfel: Verlässlicher Impfplan für ganz Deutschland

An Gesundheitsminister Jens Spahn gerichtet, forderte Mützenich einen verlässlichen nationalen Impfplan. Der zudem wohl auch veränderte Voraussetzungen berücksichtigen muss. Nachdem die Ständige Impfkommission (STIKO) bei ihrer Empfehlung geblieben war, den Impfstoff von AstraZeneca nur für Personen von 18 bis 64 Jahren zu empfehlen, muss die Impfstrategie angepasst werden.

Zudem fordern verschiedene Verbände eine Hochstufung ihrer Interessensgruppen bei der Impfpriorisierung. Unter anderem wird gefordert, dass Lehrer und Erzieher früher eine Corona-Impfung erhalten*, als bisher vorgesehen.

Impfstart nicht misslungen – Erwartungen an Impfgipfel gedämpft

Nach dem turbulenten Start in die Corona-Massenimpfung bat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn allerdings für mehr Geduld. Es kämen jede Woche neue Impfstoffe an. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sieht den Impfstart in den Corona-Impfzentren nicht als völlig misslungen an. Allein in den ersten Tagen hätten hunderttausende einen Impftermin bekommen (mehr News zum Coronavirus in NRW* bei RUHR24.de).

Die Erwartungen an den Impfgipfel dämpft Spahn allerdings. Dass heute schon Beschlüsse vorgelegt werden, glaubt er laut tagesschau nicht. Auch die an der Konferenz beteiligten Pharma-Unternehmen erwarten offenbar keine großen Beschlüsse. Gegenüber dem RND erklärte der Präsident des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller, Han Steutel, dass die Herstellung von Impfstoffen komplex sei. Die Produktionsmengen einfach hochzufahren – das ist offenbar nicht so einfach möglich. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Fotos: Bernd von Jutrczenka/Gian Ehrenzeller/dpa; Collage: RUHR24

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