Superspreader-Event

Corona-Ausbruch in Hamm: Zahl der Neuinfektionen steigt weiter – immer mehr Patienten im Krankenhaus

Hamm liegt bei den Corona-Neuinfektionen bundesweit an der Spitze – wegen einer Hochzeitsfeier, bei der gegen die Corona-Maßnahmen verstoßen wurde.

Update, Freitag (25. September), 15.45 Uhr: Hamm – Wie die Stadt Hamm bekannt gibt, haben viele Corona-Patienten, die auch Gäste auf der Superspreader-Hochzeit waren, leichte Symptome. Sieben Patienten haben jedoch einen schweren Verlauf und befinden sich derzeit im Krankenhaus. Eine Frau wird auf der Intensivstation künstlich beatmet und ist nicht ansprechbar, wie wa berichtet.

Corona-Hotspot in Hamm: Immer mehr Fälle bekannt

Währenddessen gehen die Zahlen in Hamm weiter nach oben. Am Freitagmittag wurde bekannt, dass in der Stadt am Rande des Ruhrgebiets 207 Menschen akut mit dem Coronavirus infiziert sind. Innerhalb von einem Tag gibt es 23 Neuinfektionen. 16 davon sind im Zusammenhang mit der Corona-Hochzeit.

Erstmeldung, Freitag (25. September), 11.30 Uhr: In Hamm feierten mehrere hundert Menschen feucht-fröhlich und offenbar ohne an Corona zu denken eine Hochzeit. Nun liegt Hamm, was die Neuinfektionen mit dem Coronavirus angeht, bundesweit an der Spitze. Jetzt drohen für das ganze Land Konsequenzen: Auflagen für private Feiern sollen verschärft und die Einhaltung der Corona-Regeln stärker kontrolliert werden.

Bundesland

NRW

bislang bestätigte Corona-Fälle

66.189

7-Tage-Inzidenz (landesweiter Durchschnitt)

16,1

NRW: Verschärfung der Corona-Regeln sowie Kontrollen nach Hochzeit in Hamm geplant

Besonders in Hamm greift das Coronavirus erneut um sich. Der Wert der Neuinfektionen überschritt längst die 50er-Grenze bei der Sieben-Tages-Inzidenz. 88,2 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner registrierte das RKI am Donnerstag für Hamm

Am Vortag waren es 80,4. Als Auslöser gilt eine Großhochzeit, die inzwischen gut drei Wochen her ist. Das Brautpaar aus Hamm feierte unter anderem auch in Dortmund und sorgte auch dort für einen heftigen Anstieg der Corona-Infektionen. Viele Neuinfektionen sind bereits Infektionen in zweiter Generation nach der Hochzeit.

Hamm: Strengere Regeln zum Schutz vor Corona als im Rest von NRW

Um einen erneuten Lockdown zu vermeiden, verschärfte Hamm wegen der hohen Neuinfektionswerte die Corona-Auflagen bereits massiv. An weiterführenden Schulen gilt wieder die Maskenpflicht im Unterricht, für private Kontakte gelten strengere Auflagen als anderswo in Nordrhein-Westfalen (mehr Nachrichten aus NRW auf RUHR24.de). 

Im öffentlichen Raum dürfen sich in Hamm nur noch fünf Personen oder Personen aus zwei Haushalten gemeinsam aufhalten - Regeln wie sie vor einigen Wochen noch bundesweit galten.

Corona: Regeln sollen als Konsequenz aus Hamm in ganz NRW verschärft werden

Doch nun sollen als Konsequenz aus den Verstößen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen bei der Hochzeitsfeier landesweit die Regeln für private Feiern verschärft werden. Und: In Zukunft muss auch auf privaten Feiern mit Kontrollen gerechnet werden.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will, dass das Gesundheitsamt private Feiern stärker kontrolliert.

Und das soll sich ändern: Privatfeiern sollen zwei Wochen vorher beim Ordnungsamt angemeldet werden müssen. Für jede Feier muss zudem ein Verantwortlicher genannt werden, der dann auch dafür sorgen tragen muss, dass die Gästelisten vollständig und korrekt sind. "Dann kann das Ordnungsamt solche Feiern auch mal kontrollieren", so NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gegenüber WDR2.

Corona in NRW: Kontrollen und Verantwortliche für private Feiern

Denn die Gästeliste bei der Hochzeit in Hamm war offenbar nicht in Ordnung. So war es für das Gesundheitsamt nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls unter den Hochzeitsgästen schwer, alle Teilnehmer der Feier ausfindig zu machen. Viele, die sich unbemerkt infiziert hatten, steckten so immer mehr Menschen in Hamm und Umgebung an. Die Hochzeit wurde zum Superspreader-Event. Auch der Merkur und der WA berichten über die Superspreader-Hochzeit in Hamm. 

Dabei wurden erst im Juli die Regeln für private Feiern gelockert: Bis zu 150 Personen dürfen seitdem in NRW auch in geschlossenen Räumen, ohne Abstandsgebot und Maskenpflicht zusammenkommen, wenn es einen "herausragenden Anlass" wie eine Hochzeit, Taufe oder Beerdigung gibt. 

Doch bereits seit einigen Wochen wird deutlich, dass es besonders nach privaten Feiern immer wieder gehäuft zu Infektionen mit dem Coronavirus kommt. Experten kritisieren, dass bei solchen Anlässen zu viele Menschen ungeschützt zusammen kämen. "Je größer die Gruppe und je weniger Menschen Masken tragen, desto höher sei das Infektionsrisiko," erklärte Rolf Kaiser von der Kölner Uniklinik gegenüber dem WDR.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa