Corona trifft Brauereien hart

NRW: Bier in Millionenwert weggekippt – Brauerei wird kreativ

Die Beschränkungen in der Corona-Pandemie sorgen dafür, dass die Brauereien in Deutschland ihr Fassbier nicht verkauft bekommen. Weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, wird man in Hagen jetzt kreativ.

Hagen – Der Absatz der deutschen Bierbrauer ist in der Corona-Pandemie dramatisch eingebrochen. Wie der Deutsche Brauer-Bund (DBB) bereits Mitte Januar mitteilte, seien die Umsatzeinbrüche für immer mehr mittelständische und handwerkliche Brauereien nicht selten existenzbedrohend. Weil grünes Licht für Öffnungen in der Gastronomie oder Großveranstaltungen längst nicht in Sicht ist, spitzt sich die Situation immer weiter zu.

PrivatbrauereiVormann Brauerei
Gründung1877
SitzHagen-Dahl
AdresseBraugasse 5, 58091 Hagen

Corona-Lockdown trifft Brauereien hart: Große Mengen an Fassbier werden weggeschüttet

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, lassen immer mehr Getränkegroßhändler Bierfässer zurückgehen. Den Brauereien bleibt in vielen Fällen nichts anderes übrig, als die Ware wegzuschütten. Eigentlich wurden die Fässer für den Einsatz in Kneipen und Restaurants produziert. Jetzt laufen die Mindesthaltbarkeitsdaten ab.

„Bis zum erhofften Ende des Lockdowns im Frühling werden es in Deutschland einige Hunderttausend Hektoliter sein“, prognostiziert DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Obwohl die Brauereien angesichts der Entwicklung der Corona-Pandemie vorsorglich weniger Bier gebraut haben, sind die Verluste groß (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Mindesthaltbarkeitsdatum auf Bierfässern läuft wegen Corona-Lockdown ab – tausende Liter vernichtet

Etwa 2000 bis 3000 Liter Altbier muss Peter König von der Brauerei „Füchschen“ aus Düsseldorf entsorgen, wie er der dpa sagte. „Das tut weh.“ Ähnlich hart trifft es den Kölner Brauerei-Verband. Karneval konnte nicht wie gewohnt stattfinden – normalerweise herrscht zu dieser Jahreszeit Hochkonjunktur für die Brauereien in den Karnevalshochburgen.

Ablaufende Mindesthaltbarkeitsdaten der Bierfässer sind aber kein reines Karnevalsproblem. „Das findet zur Zeit überall in Deutschland statt“, gibt Niklas Other, Herausgeber des Getränke-Magazins „Inside“ zu Bedenken. So auch im Sauerland, wo der Karneval traditionell keine so große Rolle spielt.

Die Sauerländer Veltins-Brauerei muss große Mengen Fassbier vernichten.

Die Veltins-Brauerei mit Sitz in Meschede-Grevenstein berichtet, dass branchenweit in bislang unbekanntem Ausmaß viele Tausend Fässer Bier aus der Gastronomie halb voll, fast voll oder fast leer in die Brauereien zurückgefahren werden. Veltins selbst rechnet damit, im andauernden zweiten Corona-Lockdown ein paar Tausend Liter Bier vernichten zu müssen.

Hagen: Vormann Brauerei brennt wegen Corona aus abgelaufenem Bier Schnaps

Die Vormann Brauerei aus Hagen versucht derweil aus der Not eine Tugend zu machen. Bereits im Sommer stellte der kleine Betrieb seine Kreativität unter Beweis. Statt das abgelaufene Bier wegzuschütten, düngten sie damit im regenarmen Sommer Weihnachtsbäume. Die Idee entstand nach irischem Vorbild – dort wurde mit übrigem Guinness gedüngt.

Da eine derartige Verwendung für das übrige Bier im kalten Februar keine Option ist, hat sich die Hagener Vormann Brauerei etwas anderes ausgedacht. Statt Weihnachtsbäume zu düngen, wird aus dem Bier Schnaps gebrannt.

So lustig die Idee auch ist, eine langfristige Lösung stellt sie gewiss nicht dar. Ohne baldige Lockerungen wird das Jahr 2021 für etliche Brauereien in Deutschland zu einer enormen Herausforderung. Mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

Mehr zum Thema