Kommentar

Der absolute Corona-Gipfel: Armin Laschet sollte nicht versuchen, uns für blöd zu verkaufen

Die Corona-Krise in NRW wird immer dramatischer. Und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) versucht uns die Welt zu erklären. Eine Replik auf die wichtigsten Statements seiner Gipfel-Pressekonferenz.

NRW – Wir alle sind müde. Pandemüde. Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident und möglicher CDU-Kanzlerkandidat, war das Montagnacht (22. März) ganz offensichtlich auch. Trotzdem hat er auch eine Führungsverantwortung – und sollte in der größten Krise seiner Karriere lieber hellwach sein. Oder sich zur Stärkung vielleicht mal ein Duplo von Jens Spahn leihen.

Denn mit einigen Sätzen in seiner Pressekonferenz nach dem schlimmsten Bund-Länder-Gipfel in der Corona-Pandemie stellte er sich ein wahres Armutszeugnis aus. Kein Wunder, dass andere Länderchefs ihre Statements sicherheitshalber verschoben haben.

BundeslandNordrhein-Westfalen
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)
Einwohner17,9 Millionen (2019)

Corona-Gipfel: Armin Laschet (CDU) mit Armutszeugnis bei Pressekonferenz zu Notbremse in NRW

Nach einem müden und genervten Blick in die vermutlich nur noch kleine Runde von Journalisten wollte uns Armin Laschet offenbar die Welt erklären. Da fielen in der Nacht Sätze wie: „Die positive Entwicklung vom Januar und Februar hat sich leider nicht fortgesetzt.“ Oder: „Das Virus bleibt gefährlich“.

Müde: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach dem Corona-Gipfel am Dienstag.

Das wissen wir seit mindestens zwei Wochen. Doch anstatt den Lockdown zu verlängern und den Inzidenzwert in NRW zum ersten Mal seit Mitte Oktober 2020 (!) unter die 50er-Marke zu senken, wurde Anfang März gelockert (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de). Dabei müssen selbst die Politiker zu dem Zeitpunkt gewusst haben, dass das kaum gut gehen kann. Chance vertan.

Hier fällt Armin Laschet auch seine Haltung von Mitte Februar auf die Füße. Da hatte er noch vor der Mutation gewarnt und gesagt: „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.“ Und weiter: Es sei populär, die Bürger zu behandeln wie „unmündige Kinder“. Doch genau das tut er jetzt selbst.

NRW: Corona-Notbremse greift, Schulen bleiben aber geöffnet – nur nichts überstürzen

Die Notbremse gegen Infektionen mit dem Coronavirus, von der seit Wochen die Rede ist, muss jetzt kommen. Das fordern Wissenschaftler schon länger. Nun endlich hat das auch Herr Laschet erkannt und kündigt an: „Die dynamische Entwicklung lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht anders bremsen.“ Zu diesem Zeitpunkt, also jetzt sofort?

Nein, keineswegs. Wir wollen ja schließlich nichts überstürzen und so womöglich Menschenleben retten. So eine Notbremse will gut überlegt sein. Sie soll deshalb erst ab Montag (29. März) greifen. Das bedeutete: fast eine ganze weitere Woche mit nahezu ungehindertem Infektionsgeschehen. Denn währenddessen lassen wir die Schulen auch noch geöffnet. Städten wie Dortmund und Duisburg, die den Ernst der Lage längst erkannt hatten, wurden Schließungen sogar verboten. Zwei weitere gute Chancen, leichtfertig vergeben.

Corona in NRW: Armin Laschet hätte nach Corona-Gipfel gerne „anderes Ergebnis“ präsentiert

Und dann kommt der Knaller, als Armin Laschet sagt: „Ich kann verstehen, dass sich viele ein anderes Ergebnis gewünscht hätten.“ Bitte was? Welches andere Ergebnis soll denn bei rasant steigenden Infektionen mit einer noch ansteckenderen britischen Virusvariante herauskommen? Weitere Lockerungen etwa?

Und wer soll sich das wünschen? Das Pflegepersonal in den Krankenhäusern? Eltern, die sich um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen? Selbst der schwer gebeutelte Einzelhandel hat begriffen, dass erst dann wieder geöffnet werden kann, wenn die Infektionszahlen drastisch sinken – gute Konzepte hin oder her. Das Schlimmste daran: „Ein anderes Ergebnis“ der Bund-Länder-Beratungen vor drei Wochen hat uns erst in die jetzige Lage gebracht. Es wird weitere Wochen dauern, bis Besserung eintritt.

Corona-Gipfel: Armin Laschet (CDU) sollte die Bürger in NRW nicht für dumm verkaufen

Ich habe die Müdigkeit bereits mit eingerechnet, aber der Auftritt von Armin Laschet schockiert mich und entlarvt ihn in meinen Augen. Als jemanden, der ungern schlechte Nachrichten überbringt. Der den Ernst der Lage zwar erkennt, aber trotzdem noch irgendwie Zugeständnisse machen will. Nicht falsch verstehen: Die gesamte Landesregierung taumelt durch diese Krise, die Bundesregierung macht es nicht besser – siehe Impfungen, Tests, Masken.

Doch Armin Laschet sollte trotzdem nicht versuchen, die Bürger in NRW für dumm zu verkaufen. Die meisten von uns dürften mittlerweile ein gutes Gespür für den Ernst der Lage haben. Wir passen uns an, so wild und unverständlich die Regeln manchmal auch sein mögen. Wir studieren täglich Inzidenzwerte in unseren Kommunen, sind Profis im Krisenmanagement geworden. Aber wir erkennen auch Scheitern in der Krise, wenn wir es sehen.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch

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