Mehr Gemeinsamkeit der Länder

Corona: Neue Quarantäne-Regeln kommen auf Schüler zu

Karl Josef Laumann NRW Gesundheitsminister Düsseldorf
+
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat sich mit seinen Länderchefs auf einheitliche Quarantäne-Regeln an Schulen geeinigt.

Was passiert bei einem Corona-Fall in einer Schule? Die Gesundheitsminister der Bundesländer haben sich jetzt auf einheitliche Quarantäne-Regeln geeingt.

Dortmund – Die Gesundheitsminister der Länder haben sich mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln bei Coronafällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden, heißt in einem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund am Montag.

Corona an Schulen: Wer soll in Quarantäne? Länder einigen sich

Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, dies solle als „Leitplanken“ für die Gesundheitsämter dienen. Der Beschluss wurde bei Enthaltung zweier Länder angenommen.

Bislang gehen die Länder bei einer Quarantänedauer von 14 Tagen unterschiedlich damit um, wenn sich in einer Klasse ein infiziertes Kind findet. Teilweise werden nur Sitznachbarn in Quarantäne geschickt, wie etwa in NRW. De facto kam es an den Schulen jedoch dazu, dass Schulen aus Vorsicht ganze Klassen in die Quarantäne schickten.

Corona: Jens Spahn für einfache Quarantäne-Regeln an Schulen in NRW

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befürwortete einfachere Regeln, pochte aber zugleich auf Schutzkonzepte. Voraussetzung sei, dass Grundregeln umgesetzt würden, nämlich Maske im Unterricht, regelmäßige Tests und Lüftungskonzepte, sagte der CDU-Politiker vor den Bund-Länder-Beratungen.

In dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Beschluss heißt es, Quarantäne-Anordnungen seien generell „mit Augenmaß“ in Abhängigkeit von der Einhaltung solcher Konzepte zu erlassen. Im Interesse eines möglichst verlässlichen Präsenzunterrichts sei die Anordnung einer Quarantäne außerdem „auf möglichst wenige Personen“ zu beschränken.

Gesundheitsämter in NRW sollen Quarantäne-Maßnahmen an Schulen treffen

Geimpfte und genesene Personen sollen grundsätzlich ausgenommen sein. Die nötigen Maßnahmen solle die Gesundheitsbehörde vor Ort treffen. Allerdings zeigen sich erste Ämter überfordert von dieser Aufgabe. In Dortmund etwa übertrug das Gesundheitsamt die Anordnung von Quarantäne jüngst den Schulen.

Bei übrigen Kindern der Klasse, die nicht als enge Kontaktpersonen eingestuft sind, sollten „für eine gewisse Zeit“ intensivierte Tests vorgenommen werden, heißt es in dem Beschluss weiter.

Corona-Quarantäne auch an Kitas nur „mit Augenmaß“

Auch in Kitas solle es Quarantäne „nur mit Augenmaß unter Berücksichtigung der Belange der Kinder und Kinderbetreuungseinrichtungen“ geben. Auch hier soll ein „Freitesten“ aus einer Quarantäne nach frühestens fünf Tagen möglich sein. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte vor den Beratungen für eine große gemeinsame Linie der Länder geworben, die für sehr viel Akzeptanz bei Eltern sorgen würde.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sprach sich für gezieltere Quarantäneregeln an Schulen aus. Bedingung sei eine sorgfältige Kontrolle über Tests, sagte Präsident Jörg Dötsch bei einem Pressebriefing des Science Media Centers. Er rief zugleich Erwachsene zu Impfungen auf.

Ärzte wollen im Corona-Notfall nicht Schulen zuerst schließen lassen

Schulschließungen hätten dazu beigetragen, dass es unter Erwachsenen weniger schwere Verläufe gegeben habe. „Wir fordern ganz klar: Bevor noch einmal eine Schule geschlossen wird, müssen auch alle anderen Bereiche des öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden.“

Spahn appellierte ebenfalls an die Verantwortung der Älteren. Kinder und Jugendliche hätten in der Pandemie auf viel verzichtet, jetzt hätten sie es verdient, dass auf sie Rücksicht genommen werde. Dazu gehöre, die Corona-Ausbreitung durch Vorsicht einzudämmen - denn es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen den Infektionen insgesamt und dem Ausbruchsgeschehen etwa in Kitas und Schulen. Zudem sollten sich mehr Menschen impfen lassen. „Es sollten nicht die Impfmuffel am Ende auch noch die unter 12-Jährigen mit in eine schwierige Situation bringen“, sagte Spahn. Für Kinder unter 12 gibt es keinen Impfstoff. mit dpa-Material

Mehr zum Thema