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Spektakuläre Aufnahme: So sieht das Coronavirus unter dem Mikroskop aus

Forschern der Universität Bielefeld (NRW) ist eine spektakuläre Aufnahme des Coronavirus gelungen. Mit einem hochauflösenden Mikroskop zeigen sie, wie das Virus eine Zelle verlässt.

Bielefeld – Das Coronavirus sorgt seit mehr als einem Jahr weltweit für einen Ausnahmezustand. Doch wie das winzige Virus Sars-CoV-2 wirklich aussieht, können sich viele nur schwer vorstellen. Forscher der Universität Bielefeld sind der Sache jetzt ziemlich nah gekommen – und zeigen erstmals eine spektakuläre Aufnahme.

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Coronavirus: Forscher aus Bielefeld machen spektakuläre 3D-Aufnahme von Sars-CoV-2

Gelungen ist die Nahaufnahme des neuartigen Coronavirus Wissenschaftlern des Instituts für Physik an der Uni Bielefeld (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de). Sie haben Zellen mit dem Virus infiziert und deren Oberfläche anschließend mit einem modernen Helium-Ionen-Mikroskop abgetastet. Dadurch entstand ein 3D-Bild davon, wie die Coronaviren sich an die Zelle binden. Die Ergebnisse der Studie haben die Wissenschaftler am Dienstag (2. Februar) im „Beilstein Journal of Nantechnology“ veröffentlicht.

„Unsere Aufnahmen ermöglichen einen direkten Blick auf die 3D-Oberfläche der Coronaviren und der Nierenzelle – mit einer Auflösung im Bereich weniger Nanometer“, wird die Physikerin Dr. Natalie Frese in einer Pressemitteilung der Uni Bielefeld zitiert. Sie ist Erstautorin der Studie und forscht in der Arbeitsgruppe „Physik supramolekularer Systeme und Oberflächen“ an der Fakultät für Physik.

Coronavirus: Forscher machen Mikroskop-Aufnahme des winzigen Virus auf einer Zelle

Die Aufnahme ist deshalb erstaunlich, weil Sars-CoV-2 nur etwa 100 Nanometer groß ist – das ist ein millionstel Millimeter.„Die Studie zeigt, dass das Heliumionen-Mikroskop geeignet ist, um Coronaviren abzubilden – und zwar so genau, dass sich das Zusammenspiel von Viren und Wirtszelle beobachten lässt“, sagt Frese.

Forscher der Universität Bielefeld haben das Coronavirus (blau) auf einer Zellmembran (grau) sichtbar gemacht.

Dadurch konnten die Forscher auch sichtbar machen, ob das Virus nur auf der Zelloberfläche haftet oder auch daran gebunden ist. Das sei wichtig, um Abwehrstrategien gegen das Virus zu verstehen. Eine infizierte Zelle könne Coronaviren etwa an ihre Außenhülle binden und so verhindern, dass diese sich weiter verbreiten.

Mikroskop-Aufnahme des Coronavirus könnte Medizinern helfen, Infektion besser zu verstehen

Das könnte künftig auch der Medizin helfen, hofft der an der Studie beteiligte Professor Dr. Holger Sudhoff, Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum Bielefeld: „Die Helium-Ionen-Mikroskopie kann dabei helfen, das Infektionsgeschehen bei Covid-19-Erkrankten besser zu verstehen.“

Die Helium-Ionen-Mikroskopie ist ein recht neues Verfahren. Die Universität Bielefeld hat 2010 nach eigenen Angaben als erste Hochschule in Deutschland ein entsprechendes Mikroskop angeschafft. Bei ähnlichen Verfahren wie der Rasterelektronenmikroskopie muss das Objekt jedoch etwa mit einer dünnen Goldschicht überzogen werden.

„Die Helium-Ionen-Mikroskopie benötigt keine Beschichtung und erlaubt daher ein direktes Abtasten“, sagt Professor Dr. Armin Gölzhäuser, Leiter der Arbeitsgruppe. So wird das neuartige Coronavirus noch besser sichtbar.

Rubriklistenbild: © Mike-Dennis Müller, Thomas Popien, Natalie Frese/Universität Bielefeld; Collage: RUHR24

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