Kommentar

Dortmunds Maskenpflicht im Freien ist nicht mehr nachvollziehbar

Der Phoenix See in Dortmund ist ein beliebtes Ausflugsziel
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Die Maskenpflicht in Dortmund wird wegen des Coronavirus verschärft. Beliebte Orte sind betroffen.

Dortmund muss sich wieder an eine neue Corona-Regel gewöhnen. Wer hat da noch den Überblick? RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi meint: „Vieles ist nur noch schwer nachvollziehbar.“

Dortmund - Wer noch weiß, wann er wo welche Maske in Dortmund tragen muss, der werfe den ersten Stein. Ich habe den Überblick über die Corona-Maßnahmen inzwischen verloren - nicht erst seit der neusten Ausweitung der Maskenpflicht in Dortmund.

StadtDortmund
Einwohner603.609 (Dezember 2019)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Dortmund: Bürger sollen wegen Corona jetzt auch Masken in manchen Parks und am Phoenix See tragen

Die Bürger sollen nun auch in bestimmten Parkanlagen und am Phoenix See Masken im Freien tragen. Auf welcher Grundlage die Stadt diese Entscheidung getroffen hat, ist fraglich. Nach der Empfehlung der Gesellschaft für Aerosolforschung jedenfalls nicht.

Denn von dieser heißt es: „Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt.“ Es gäbe zwar die Gefahr durch eine Tröpfcheninfektion, aber auch nur dort, wo keine Abstände eingehalten würden.

Experte über Maske im Freien: Kurze Begegnungen an der frischen Luft ungefährlich

Vom früheren Präsidenten der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, heißt es zudem, eine kurze Begegnung mit Menschen an der frischen Luft sei ungefährlich.

Video: Köln erlässt Maskenpflicht in Parks und Grünanlagen am Wochenende

Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus, sagte außerdem der Berater der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA jüngst dem Deutschlandfunk Kultur.

Robert-Koch-Institut: Maske im Freien? Corona-Risiko erst ab 15 Minuten ohne Maske

Und das Robert-Koch-Institut wertet eine Person als Risikokontakt eines Corona-Infizierten erst dann, wenn sie sich länger als 15 Minuten und mit weniger 1,5 Metern Abstand miteinander unterhalten haben. Wann ist das, selbst an Hotspots wie dem Phoenix See, schon gehäuft der Fall?

Nach dem Prinzip müsste die Stadt Dortmund die Maskenpflicht auf das gesamte Stadtgebiet ausweiten. Denn jemanden treffen, mit dem man sich auf weniger als 1,5 Meter Abstand mehr als 15 Minuten lang unterhält, das kann man auch in einem Wald am Stadtrand.

Stattdessen ändert die Stadt regelmäßig ihre „Taktik“, falls es eine gibt, und streicht gleichzeitig die Maskenpflicht im Innenstadtbereich und reduziert sie nur noch auf „Fußgängerzonen“ - aber auch nur zu bestimmten Uhrzeiten. Das ist nicht stringent, das ist chaotisch. Warum ist es auf dem Westenhellweg gefährlicher, als auf der Kampstraße?

Es stellt sich also die Frage, inwiefern die neuerliche Ausweitung der Maskenpflicht nur an bestimmten Stellen im Freien die Corona-Neuinfektionen signifikant reduziert. Viel mehr wirkt die Maßnahme der Stadt Dortmund wie Aktionismus, um am Ende sagen zu können, man hätte alles versucht. Für mich ist die Ausweitung der Maskenpflicht im Freien nur noch schwer nachvollziehbar (mehr Corona-News aus Dortmund auf RUHR24.de lesen).

Neue Corona-Regeln in Dortmund: Gefahr, dass Bürger Akzeptanz verlieren

Für die Bürger, denen aktuell ohnehin nicht viel bleibt, als Spazieren zu gehen, wirkt das Masketragen in Parks wie eine weitere Geißel in einer langen Liste der Entbehrungen. Es besteht die Gefahr, dass weitere, sinnvollere Maßnahmen darunter leiden, wenn die Bürger immer mehr Maßnahmen über sich ergehen lassen müssen - und die Akzeptanz für das große Ganze verloren geht. Hinweis: Dieser Artikel entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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