Ein Kommentar

Corona: Wahlkampf statt Krisenmanagement in NRW – es ist zum Haare raufen

In der Corona-Krise reden die Parteien im ersten Quartal 2021 mehr übereinander statt miteinander. Der Feind ist nicht die andere Partei, sondern das Coronavirus, meint RUHR24-Redakteur Dennis Liedschulte.

Dortmund – Es ist doch einfach nur noch zum Augenrollen. Da steht die britische Corona-Mutation aktuell nicht mehr nur noch vor dem Tor, sondern wütet schon mitten drin. Und die Politik hat aktuell nichts Besseres zu tun, als sich in parteiübergreifende Grabenkämpfe zu verlieren.

Corona-Fälle in Deutschland in den letzten 7 Tagen75.165
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Neuinfektionen Donnerstag (18. März)17.504

Corona in NRW und Deutschland: Grabenkämpfe und Wahlkampf statt Entschlossenheit und Einheit

Auch ihr, liebe Politiker, erlebt zum ersten Mal eine Pandemie und die Entscheidungen, die ihr in Bund, Land oder Kommune trefft, haben einen immensen Einfluss auf die Bevölkerung. Aber Sorry, eure Darstellung in der Öffentlichkeit lässt zu wünschen übrig.

Die Posse um die Schulschließungen in Duisburg, Düren und Dortmund (alles SPD-geführte Städte) ist nur ein Kapitel. Was wäre denn so schlimm daran gewesen, gemeinsam mit der NRW-Landesregierung eine Entscheidung zu suchen, statt diese öffentlich zu brüskieren?

Kein Wunder, dass Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) lange Gesichter auf einer Pressekonferenz am Dienstag (16. März) gezogen haben. Fast noch lächerlicher war allerdings Armin Laschets Auftritt in der TV-Sendung „Maischberger. Die Woche“ in der ARD (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

In einem Moment lobte er die Eigeninitiative einiger Ärzte beim Thema Impfungen mit den Worten: „Machen! Wenn ihr es könnt, wenn es verantwortbar ist, machen. Nicht immer rückfragen, nicht immer die ganze Bürokratie und so.“

Corona in NRW: Armin Laschet gerät mit Widerspruch bei Sandra Maischberger in Bedrängnis

Als dann aber die Schuldezernentin der SPD-geführten Stadt Düren zu Wort kam und Moderatorin Sandra Maischberger fragte, ob diese Dame über die Lage vor Ort nicht auch besser Bescheid wüsste, antwortete der NRW-Ministerpräsident brüsk: „Nein, sie weiß es nicht.“ Danach ging Armin Laschet aber auch nicht genau darauf ein, warum das denn so sei.

Etwas anderes ist das Debakel um Bundesgesundheitsminister (oder Ankündigungsminister) Jens Spahn (CDU). Gelinde gesagt weist der 40-Jährige die Verantwortung stets von sich.

Mächtig in der Kritik – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Der Impfstopp um Astrazeneca, das Versprechen der abertausenden Schnelltests für Schulen und dazu noch hier und da etwas Korruption um Masken. Armin Laschet und Karl-Josef Laumann treten dem Parteikollegen dabei noch mit den Worten „Ich hätte genauso gehandelt“ und „Ich sehe keine Fehler“ zur Seite.

Doch auch die anderen Parteien bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm. SPD-Finanzminister und designierter Kanzlerkandidat Olaf Scholz kritisiert das Krisenmanagement der Regierung. Auch wenn er selbst eventuell als Finanzminister nicht bei Jens Spahn im Büro sitzt, gehört er doch der Regierung an, die das Krisenmanagement verursacht hat, oder?

Corona in NRW und Deutschland: SPD arbeitet an Krisenmanagement mit und kritisiert es zugleich

Thomas Kutschaty, Vorsitzender der SPD in NRW, kritisiert mit seinen Parteikollegen jeden einzelnen Schritt der CDU/FDP-Regierung in Düsseldorf, während die eigene Partei bei 17 Prozent herumdümpelt und er laut Spiegel von einem parteiinternen Kollegen gar als Krokodil beschrieben wird – er würde träge und nichts tuend im Sumpf herumliegen und zubeißen, wenn der Gegner vorbeikommt.

Natürlich ist 2021 ein wichtiges Wahljahr. Natürlich wollen Politiker gewählt oder wiedergewählt werden. Aber zufällig läuft gerade eine gewisse Pandemie. Die Nerven der Bürger liegen im Frühjahr 2021 blank und man würde sich in der Corona-Krise mehr Management statt Wahlkampf wünschen. Aber wie?

Auf Armin Laschets in der Diskussion um die Schulschließungen rhetorische Frage – „Wie wollen Sie das machen?“ – hatte Sandra Maischberger eine Antwort, die eigentlich maßgeblich sein sollte. „Gemeinsam!“ Denn nur gemeinsam und nicht gegeneinander wird man die Corona-Krise meistern. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Ansicht des Autors und gibt nicht zwingend die Meinung der gesamten Redaktion wieder.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa